#Sexarbeit – Das Interview – Akt mit 17 Fragen

Wie bist Du zur Sexarbeit gekommen?

Ich bin nun seit mehr als 25 Jahren im Business. Was anfangs nur eine reine private Passion war, hat sich durch Anfragen a la „Machst Du es auch für Geld?“ über die Jahre erweitert. Erst versteckt und dann gerade in den letzten Jahren ziemlich offen bis hin zum Komplett-Outing 2017. Seit Anfang 2019 bin ich offiziell gemeldet (Buzzword „Bockschein“) nach Prostitutionsschutzgesetz mit meinem Künstler- und meinem Realnamen.

Tatsächlich betreibe ich mein Gewerbe nebenberuflich und arbeite im Hetero-Escort als Dominus für vermehrt weibliche Singles (D/s und/oder SM) und Paare (Cuckolding, D/s und/oder SM).


Kannst Du von der Sexarbeit leben?

Nein. Aber ich wünschte es wäre so. Was als Hetero-Escort wirklich und wahrlich nicht bis gar nicht möglich ist. Da ich jedoch ein Extrem-Switcher bin, überlege ich meine männliche Submission entsprechend für Singles und Paare einzubringen.


Was antwortest Du, wenn Dich jemand nach Deinem Beruf fragt? Wie sind die Reaktionen?

Bisher habe ich keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Ich laufe zwar nicht mit einer Leuchtreklame umher, aber wer mich was fragt, bekommt seine Antwort und muss dann mit dieser Information weiterleben. Das Stigma der Sexarbeit nachzugehen trifft mich persönlich nicht so sehr, wie meine Kolleginnen.


Macht Dir die Arbeit Spaß oder möchtest Du eigentlich lieber aufhören? Wenn Du aufhören wollen würdest, könntest Du?

Ja, Nein und Ja.

Da ich die Sexarbeit nur nebenberuflich betreibe und ansonsten einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehe, habe ich hier keinen Druck. Daher kann ich mir meine Kunden quasi aussuchen und muss nichts machen, was ich nicht mag. Ich bin ein sehr sexpositiver Mensch und würde jede Gelegenheit nutzen sofort aus meinem Job auszusteigen, um nur noch der Sexarbeit nachgehen zu dürfen.


Musst Du Dich vor der Polizei in Acht nehmen? Begegnet Dir die Polizei / der Staat eher feindlich oder hilfsbereit?

Ich führe meinen „Bockschein“ immer mit mir, sobald ich Sexarbeit bezogen tätig werde. Leider bin ich noch nie in eine Kontrolle geraten, um in ein verdutztes Gesicht eines Ordnungshüters zu schauen, dass nicht die Dame an meiner Seite, sondern ich der Sexarbeiter bin.

Zurückblickend war die Gesundheitsberatung Anfang des Jahres eine sehr angenehme Sache.


Versuchst Du Menschen, die Sexarbeit als „schmutzige Arbeit“ betrachten und mit Menschenhandel gleichsetzen, vom Gegenteil zu überzeugen?

Sehr viele Vorurteile über Sexarbeit kommen aus Emotionen heraus, welche nicht versachlicht sind. Da fällt es mir sehr schwer einen Anhaltspunkt zu finden und zumeist lohnt sich das Gespräch hier auch nicht wirklich. Aber es gibt auch Unwissenheit über meine Arbeit, weil ich ja potenziell dem Fremdgängertum Beistand leiste. Viele Menschen haben aus für mich völlig falschen Motiven Angst vor mir, so als würde ich ihnen etwas wegnehmen.

Als Dominus legalisiere ich zum Beispiel meine Bereitschaft zur Gewalttätigkeit, um Frauen verachtende Dinge an und mit Frauen zu tun. Das diese als Kundinnen zu mir kommen, weil sie auf eine ganz spezielle Weise Intimität und Nähe erleben wollen wird nicht weiter wahrgenommen. Meine Kunden sind übrigens alle krank und ich fördere diese Krankheiten, die es ohne mich nicht geben würde. Ich kann dann ziemlich direkt werden, wenn es um persönliche Angriffe auf mich oder meine Kundinnen und Kunden geht.

Ironischerweise höre ich diese Sätze nie, wenn ich dem Kontrahenten als männliche Sub gegenübertrete. Das finde ich erstaunlich.


Ist Sexarbeit Deiner Meinung nach mit Ehe und Familie vereinbar oder ist das eher schwierig?

Die meisten Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne, sind verpartnert und/oder haben sogar Kinder. Sie schirmen ihre Arbeit jedoch vor den Kindern meistens ab und dass weniger, weil sie ihren Kindern nicht vertrauen, sondern um sie in der Schule zB nicht zum Mobbingopfer zu machen. An der Geschichte, dass Menschen mit der Sexarbeit aufhören, wenn sie frisch verliebt eine Beziehung eingehen, ist jedoch auch viel Wahres dran.

Ich kenne das so, dass Sexarbeiter*innen in der einen Stadt wohnen und in einer anderen Stadt arbeiten. Wie das aber auch in jedem anderen Beruf so sein kann.


Gibt es Zahlen dazu, ob Frauen primär Dienste von Sexarbeiterinnen oder Sexarbeitern in Anspruch nehmen?

Nö.

Es gibt keine Zahlen hierzu. Und es gibt auch keine offiziellen Zahlen dazu, wie viele Menschen überhaupt der Sexarbeit nachgehen. Das sind alles nur merkwürdige Hochrechnungen und Schätzungen.

Gefühlt ist es jedoch so, dass, in meinem Beritt, Dominas einfacher zu finden sind, als Dominus. Wir, als Dominus, sind nicht so einfach zu finden, weil uns viele Erotikportale als „Verkappte Freier“ von Anzeigen ausschließen oder grundsätzlich keine Sexarbeiter*innen zulassen. Daher mag ich annehmen, dass auch heterosexuelle Frauen ihre ersten Schritte mit Kolleginnen machen. Was ich persönlich den Kolleginnen natürlich gönne, aber auch schade finde.


Gibt es mehr Sexarbeiterinnen oder Sexarbeiter?

Ich möchte dazu tendieren, dass wenn man sich die Angebote so anschaut, dass es wesentlich mehr weibliche als männliche Sexarbeiter gibt.

Das ist meiner Meinung nach nicht systembedingt durch meine Stigmatisierung als „verkappter Freier“, sondern in der Mentalität der Männer verbaut. Für sie ist Sex meist mehr eine Grundlage der persönlichen Zufriedenheit und Frauen haben das einfach erkannt und sind demnach in der Sexarbeit die absoluten Marktführer. Auch die Trennung von Sex und Liebe ist bei Männern wohl eher gegeben, weil der schnelle Fick zwischendurch nichts an den Gefühlen für das Weib daheim ändert.

Daraus schließe ich für mich, dass Männer auch die wesentlich größere Anzahl der Kundschaft darstellen.

Um jedoch gleich dem Shitstorm vorzubeugen: Die üblich gut unterrichteten Kreise (hier: Kolleginnen und Kollegen im Berufsverband) berichten jedoch von einem zarten und dezenten Aufkeimen weiblicher Libido als Kundschaft. Durchaus ein Zeichen veränderter Zeiten im Rahmen eines gesunden Feminismus. Sie nehmen ihre eigenen Bedürfnisse wahr und verfolgen diese auf einem für sie sicheren Weg. Sexarbeiter*innen gelten als Experten auf ihren jeweiligen Gebieten.


Gibt es Zahlen dazu, wie viel Prozent der Sexarbeit (un-)freiwillig ist?

Nö.

Man kann jedoch ein wenig was herleiten, wenn man sich durch Urteile durchhangelt, welche sich mit Straftaten sexualisierter Gewalt beschäftigen.

Meine Kollegin Undine de Rivière hat hierzu herausgefunden, dass es grundlegend einen Unterschied gibt zwischen den tatsächlichen Zahlen gemessen in Urteilen und der Dunkelziffer gemessen in eingestellten Verfahren ohne Urteil oder Dinge, die nie zur Anzeige gebracht werden. Schaut man sich nun die Urteile an und filtert den Anteil der „üblichen“ sexualisierten Gewalt, welche vermehrt im persönlichen Umfeld des Opfers stattfindet, heraus, dann bleibt für sexualisierte Gewalt gegenüber Sexarbeiterinnen nicht mehr viel übrig. Und die Methoden der Statistik müssten daher in der Folge entsprechend dem prozentualen Anteil in den Urteilen auch die Dunkelziffer behandeln. Kommt man also auf 80% „übliche“ sexualisierte Gewalt in Urteilen, so muss die Dunkelziffer ebenfalls mit 20% bei der sexualisierten Gewalt gegen Sexarbeiterinnen einschlagen.

Da diese Sisyphusarbeit jedoch ziemlich anstrengend ist, macht sich kaum jemand wirklich Mühe mit sowas. Daher kommt man in vielen Berichten immer auf so hohe astronomische Summen, dass es mehr unfreiwillige als freiwillige Sexarbeit gibt.

Wenn ich mich als Sexarbeitsgegner übrigens ständig in Beratungsstellen bewege, die sich mit dem Ausstieg aus der Sexarbeit beschäftigen, dann muss ich zum Schluss kommen, dass es keine freiwillige Sexarbeit gibt. Weil dort kaum Menschen arbeiten oder sich beraten lassen, die es freiwillig machen.


Ist das Einteilen in „gute“ freiwillige und „schlechte“ unfreiwillige Sexarbeit überhaupt möglich oder kann selten eine so genaue Linie gezogen werden? Bzw. wo siehst Du persönlich die Linie bei Sexarbeit aus persönlicher Not oder erst bei der Nötigung?

Es gibt freiwillige Sexarbeiter, die können nicht gut blasen, bieten es aber dennoch an und haben somit mit Oralverkehr keinen Erfolg.
Es gibt genötigte Sexarbeiter, die sind fantastisch im Blasen und deren Auftragsbücher sind randvoll.

Was ist nun gut oder schlecht? Wer fühlt sich besser oder schlechter in seinem Job? Schwierig, oder?

Zu unterscheiden ist für mich Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not von der Sexarbeit mit Nötigungshintergrund. Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not ist keine Straftat und die Entscheidung der Sexarbeit ist dann auch freiwillig gefallen. Vorwürfe in Richtung dieser Person verbieten sich mir, weil sie/er wird sich das hoffentlich gut überlegt haben und gut informiert sein.


Was kann man konkret gegen unfreiwillige Sexarbeit tun?

Genötigte Sexarbeiter bemerkt man in aller Regel recht schnell. Deren Stimmungslage „verunreinigt“ das Untereinander zwischen den Sexarbeiter*innen zB in einem Bordell ziemlich zügig. Gut geführte Bordelle nehmen das auf und bieten Gespräche darüber an und geben dann auch Hinweise zum sicheren Ausstieg.

Vor allem existieren bereits heute alle nötigen Gesetze für Straftaten aller Art, die es nur konsequent anzuwenden gilt. Es braucht kein gesondertes „Strafrecht Sexarbeit“.


Was hat sich durch das ProstSchG geändert? Was hat sich verschlechtert oder verbessert?

Das ProstSchG ist so überflüssig wie ein Kropf. Es erreicht nicht die Formen von Sexarbeit, die es schützen will. Vielmehr sehe ich es so, dass das ProstSchG die Gesellschaft vor der Sexarbeit schützen will und somit ein weiterer Schritt in Richtung Stigmatisierung der Sexarbeit darstellt.

Es wird ein finanzrechtliches Konstrukt erschaffen, dass eine höchst persönliche Dienstleistung, welche absolut legal ist, in ein Gewerbe zwingt, welches man überhaupt nicht anmelden kann. Und selbst wenn ich annehme, dass es ein guter Schritt wäre, dass ich ein Gewerbe auf meine Sexarbeit anmelden kann, so habe ich nur die Pflichten gegenüber dem Finanzamt gewonnen. Ich habe jedoch kein Gramm mehr Rechte erhalten. Das ist barer Unsinn.

Da es sich um Bundesrecht handelt, welches ohne Umwege über ein Landesrecht direkt jede Kommune für sich selbst auslegt, gibt es unterschiedliche Formen der Diskriminierung in der Ausführung. Die Stadt München hat zur Drucklegung dieses Beitrages hierfür ein eigenes Gebäude angemietet, welches nur Anfragen und Anmeldungen nach ProstSchG behandelt. Somit ist jedem Menschen an diesem öffentliche Ort klar, dass da die Frauen reingehen, die als Nutten wieder rauskommen. Das ist schon ein starkes Stück und hat nichts mit Schutz der freien Berufswahl zu tun.


Was hältst Du vom „nordischen“ Modell?

Nix.

Und bei böser Betrachtung ist das ProstSchG irgendwie ein Einführungsgesetz hierzu.

Sexarbeiterinnen dürfen nach „nordischem“ Modell zwar legal ihrer Tätigkeit nachgehen, aber nicht mehr gemeinsam in einer Wohnung mit jemand anderen. Sie müssen allein arbeiten und haben keinen Schutz mehr durch jemanden, der im Zweifel Hilfe holen kann. Die Freierbestrafung greift nicht, denn nur weil etwas illegal ist, wird es dennoch gemacht. Mord ist ja auch verboten und dennoch wird in Ländern, wo es dafür die Todesstrafe gibt, gemordet. Die Sexarbeit wird prekärer, verschwindet mehr im Untergrund und wird damit gefährlicher für die Sexarbeiterinnen.

Ich stelle mir soundso die Frage, warum kaum mit Sexarbeiter*innen gesprochen wird, wenn es um solche Sachen geht. Gut, dass es dafür nun den Berufsverband gibt, der sich hierfür anbietet.


Wie würde Deiner Meinung nach ein ideales Gesetz zur Sexarbeit aussehen, dass die schützt, die zur Sexarbeit gezwungen werden und die unterstützt, die gerne als Sexarbeiter*innen arbeiten?

Geltendes Strafrecht gegen straftätige Freier und Zuhälter konsequent anwenden.

ProstSchG abschaffen. Sexarbeit als Gewerbeanmeldung mit allen Rechten und Pflichten möglich machen.


Was können wir als Gruppe tun, um das Thema Sexarbeit zur entstigmatisieren?

Ich freue mich sehr darüber, dass ihr euch an mich gewendet habt, um eure Fragen klären zu können. Der unverkrampfte Umgang mit Sexarbeiter*innen ist ein deutlicher Anfang zur Entstigmatisierung. Wenn ich mal in der Nähe bin, komme ich gerne mal bei euch vorbei.

Sexarbeiterinnen sind mitten unter uns. Eventuell gibt es auch ein Bordell in eurer Nähe, welches ihr mal besuchen wollt? Einfach mal da anrufen und fragen, ob das außerhalb der Öffnungszeiten ginge und ob eventuell auch eine/einer der Sexarbeiterinnen anwesend sein kann.

Natürlich frage ich mich schon, was ich in eurem Alter schon von Sexarbeit wusste 😉 Aber es ist wichtig in Kontakt zu bleiben und sich zu vernetzen. Dabei helfe ich gerne, wenn ich kann und darf.

Redet über Sexarbeit und lasst euch nicht abwimmeln. Stellt Fragen und hinterfragt alles und jeden. Immer wieder. Jeden Tag. Denn nur so kann sich eine Gesellschaft entwickeln.


Bringt es was auf kommunaler Ebene was zu verändern oder müsste sich damit die Bundesebene befassen?

Die Stadt Köln hat die Gesundheitsberatung für und die Anmeldung als Sexarbeiter*in auf einem Flur zentral in das Einwohneramt Köln-Deutz verfrachtet. Da gehen täglich 1000e von Menschen rein, wegen allem Möglichen. Keine Ahnung, wie das bei euch aussieht, aber es ist einen Einsatz wert mal zu fragen, wie das bei euch aussieht? Wie wird das ProstSchG bei euch umgesetzt? Sind die Mitarbeiter entsprechend geschult? Alles Fragen, die eure Fraktion im Rat eurer Gemeinde mal anbringen kann. Das Ergebnis würde mich interessieren 🙂

Die Umsetzung des ProstSchG liegt alleine in kommunaler Verantwortung und bis dahin sollte die Bundesebene vielleicht mit eurer Hilfe daran arbeiten ein paar exaktere Ausführungsbestimmungen zu erlassen, so dass die Städte und Gemeinden in der Umsetzung dezente Vorgaben haben, die Sexarbeiter*innen bereits bei der Gesundheitsberatung zu und Anmeldung als Sexarbeiter schützen.


Das Interview mit der „Grüne Jugend Traunstein“ wurde als Skype-Interview am Sonntag, den 18.08.2019 mit mir geführt. Es handelt sich hierbei um ein Gedächtnisprotokoll.

Der gemeldete Dominus // #Sexarbeit #Sexwork #BesD

Auch wenn ich Mitglied im Berufsverband erotischer und sexueller Dienstleistungen bin und wir in der Gesamtheit dafür eintreten, dass die Meldepflicht (aka „Gewerbeanmeldung Prostitution“) verschwinden muss, so bin ich es doch. Also gemeldet.

Ich erinnere mich noch sehr genau an das Gespräch bezgl. Gesundheitsberatung und dass mir die Dame bei der Stadt Köln sagte, dass sie keine Gesundsheitsbelehrung machen würde, weil das einfach entwürdigend sei. Sie war jedoch sichtlich überrascht, dass ein Mann vor ihr saß, der sich zur Prostitution anmeldete.

Sie war sehr neugierig und auch wenn es kein Mandantengespräch wurde, machte sie sich einige Notizen und wir saßen so gemütlich fast 30 Minuten beieinander. Was denn so ein „Dominus“ mache und warum ich sowohl für meinen richtigen Namen, als auch meinem Künstlernamen vorspräche. Und das es sehr ausnahmig sei, dass ein Mann sich „wofür genau?“ anböte.

Die Dame meinte, dass in all der Zeit in welcher das ProstSchG gelte noch nie ein Mann bei ihr zur Beratung aufmarschierte. Wenn überhaupt dann nur als Begleitung für eine Frau. Offensichtlich „verwirrte“ sie einfach der Eindruck eines älteren Herren, der sich als Quotenmann im ältesten Gewerbe der Welt einschrieb und dazu noch genau wusste, was er da tat.

Ob ich keine Angst hätte, eventuell „entlarvt“ zu werden, was ja als Frau schon schwierig sei. Ich empfahl ihr einen Besuch auf meiner Webseite und einen Blick ins Impressum. Ich würde mich da schon selbst entlarven. Keine Bange.

Ob man sowas lernen könnte oder wie ich dazu käme, Frauen gegen Entgelt auch zu schlagen. Die Frage, woher meine weiblichen Kolleginnen ihre Expertise hätten, würde sie diese auch stellen? Es gibt kein Qualitätsmerkmal oder einen TÜV in der Sexarbeit. Manche sind bei einer Domina in die Lehre gegangen, aber solche Dinge sind vielleicht „nur“ Techniken.

Meine Zertifizierung ist meine Erfahrung und ein wenig Mundpropaganda. Außerdem sei ich mir darüber bewusst, dass Hetero-Escort nicht abendfüllend für die Kasse sei. Aber ich wolle eben nicht gegen ein Gesetz verstoßen, auch wenn ich der Meinung bin, dass diese Gewerbeanmeldung absolut daneben sei.

Außerdem komme es auch darauf an, dass man in der Lage ist eine gewisse Emphatie für jedes Gegenüber mitzubringen und dass man in der Lage ist, sich emotional abzugrenzen. Alles Dinge, die man nicht lernen kann. Kann einem nicht beigebracht werden. Und wenn man es nicht kann, wird man schauspielern müssen.

Ob ich mich als Konkurrenz zu einer Domina sehen würde? Nein, Dominas sind meine Kolleginnen. Und jeder meiner Kolleginnen oder Kollegen bietet andere oder ähnliche oder gleiche Dienstleistungen an. Das einzige, was ich ab und an erfahre ist, dass ich nicht als männlicher Sexarbeiter bei den Kolleginnen gesehen werde, sondern als verkappter Freier. Aber so ist das nun mal als Quotenmann in einem Gewerbe, in welchem überwiegend Frauen tätig sind. Muss man abkönnen. Und damit sich daran was ändert bin ich eben auch im BesD. Mühsame, aber schöne Eichhörnchenernährung.

Ich glaube, ich gehe kommendes Jahr unmittelbar nach meinem 50sten Geburtstag wieder zur Beratung. Und werde Kuchen mitbringen und die Auslegeware des BesD erneuern 😉

Hetero-Escort

Auf die Frage, was denn genau bitte „Hetero-Escort“ sei, möchte ich folgenden Blogbeitrag zur gepflegten Analyse bereitstellen.


Zunächst einmal kann man es wörtlich übersetzen und „Heterosexuelle Begleitung“ würde dabei herauskommen. Dies beinhaltet Menschen, welche vornehmlich gegengeschlechtlich arbeiten. In meinem Fall ist also die Frau der Gast und ich der Dienstleister. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob auch nur irgendeine Form von Sexualität enthalten ist. Frauen zu Abendessen oder in die Oper zum Beispiel zu begleiten ist keine #Sexarbeit, sondern erstmal nur Begleitung, weil Frau da nicht allein hinwill.

#Sexarbeit wird es dann, wenn bereits vor dem Date Dies bezügliches definiert verabredet wurde.

Wenn ein Mann einen weiblichen Escort bucht, so werden diese Männer bereits bei der Buchung an Sex mit der Begleitung denken. Ob es dazu kommt lasse ich mal offen, weil es auch Kolleginnen im Escort gibt, die Sex mit dem Gast grundsätzlich (auch nicht gegen Aufpreis) komplett ausschließen.

Es hat sich jedoch umgangssprachlich, warum auch immer, durchgesetzt, dass von „Hetero-Escort“ gesprochen wird, wenn eine Frau einen männlichen Escort bucht. Weil die meisten männlichen Escort eben nicht gegengeschlechtlich unterwegs sind, sondern gleichgeschlechtlich.

Soviel zur Grundlagenklärung.


In diesem Business Fuß zu fassen ist recht komplex. Vieles läuft hier weniger über Werbung, sondern über Mundpropaganda und aufgrund der gewissen Kosten, die mit einem Escort verbunden sind, kann sich auch nicht jede Frau einen solchen leisten. Wo es Männern ausreicht sich einfach mal einen blasen zu lassen, weil halt Druck ist, und somit der männliche Gast prinzipiell nur auf seinen Orgasmus durch sein weibliches Gegenüber aus ist (bitte im Kontext lesen), so gilt dies für Frauen vielleicht auch. Aber eben nicht nur.

Wenn man als Mann die Zähne nicht auseinanderbekommt und die Frau nicht unterhalten kann, dann nutzt das alles nichts. Frauen möchten, meistens, auch von einem Escort erobert werden, auch wenn sie bereit sind für ihren Orgasmus zu bezahlen. Zudem ist es schwierig als Mann seinen Mann zu stehen, wenn das Gegenüber eben nicht seiner Mütze entspricht. Viele männliche Escort greifen daher zu Viagra und Konsorten.

Gäbe es also einen soliden Markt für Hetero-Escort, dann gäbe es auch Laufhäuser, wo Männer in langen Fluren auf Barhockern sitzen und auf weibliche Gäste warten, die mal eben beschlafen werden wollen. Oder?


Persönlich lehne ich Viagra und Co für mich vollkommen ab. Anfragen nach reinem Sex lehne ich ebenso ab, weil ich halt meine Grenzen kenne und diese eben nicht durch Drogeneinnahme erweitern möchte. Aber … ich schließe Sex nicht aus. Und in den meisten Fällen reicht dies völlig als Ansage aus. Und beim Thema Ansage bin ich dann auch schon in meinem Thema. Ich bin ein dominanter Hetero-Escort, der sich im Rahmen der Grenzen der Kundschaft frei bewegt. Und genau das wird auch bei mir gesucht.

Mein Unterhaltungsstil ist weniger flirty, da ich einfach den Wunsch nach Dominanz voraussetze. Und keine Frau würde mich daten, wenn sie dieses Prickeln nicht schon spürt, bevor sie mich überhaupt anfragt. Männer schauen sich einfach Bilder an und werden geil, Frauen informieren sich und genehmigen sich dann und wann mal was. Was ein wesentlicher Unterschied ist.

 

Sperrbezirksfahndung … Kinderleicht, oder …?

Mal auf die Schnelle für alle:

Twitter -> https://twitter.com/EmEmBDSM/status/1091425748227969024
Mit Link nach -> https://www.facebook.com/groups/111105196249710/permalink/283359215690973/

Linkes Forum für Solidarität mit Sexarbeiter_innen

Geschlossene Gruppe

Liebe Mitmenschen,

als Sexarbeiter zu Köln bin ich hier angemeldet. Zudem bin ich Mitglied im BesD e.V. und als solcher aktiv tätig.

Derzeit sammele ich verdichtet Informationen zu jedweden Sperrbezirksverordnungen in den Städten und Gemeinden unserer Republik und das ist natürlich eine echte Mammutaufgabe.

Wir möchten unseren Mitgliedern einen einfachen Weg anbieten, jeweils aktuelle Informationen zu erhalten. Manche Städte und Gemeinden haben diese Infos präsent auf einer Webseite. Aber leider verstecken manche diese notwendigen Informationen vor den Sexarbeitern in Schubladen entsprechender Behörden.

Man stelle sich vor, dass ein Gast Sexarbeiter*Innen buchen möchte und tendentiell muss der Deal platzen, wenn die Adresse des Gastes im Sperrbezirk liegt.

Natürlich kommt nun die Frage, wer das kontrollieren soll. Wo es bei Privatbesuchen daheim eher weniger der Fall sein wird, so haben die Sexarbeiter*Innen, welche auf der Straße arbeiten durchaus Kontrollen in Kauf zu nehmen.

Ich habe ziemlich viele Anfragen rausgeschickt, aber die Landkarte ist halt noch recht leer. Und nun … kommt ihr ins Spiel.

So möchte ich euch bitten, dass ihr bei genügend Zeit mal die Webseite eurer Stadt oder Gemeinde aufruft und dort nach folgenden Hinweisen sucht:

a) Adresse der Gesundheitsberatung nach ProstSchG
b) Adresse der Anmeldung nach ProstSchG
c) Sperrbezirkslisten Eurer Stadt oder Gemeinde.

Schreibt diese Informationen mir einfach in den Facebook Messenger rein. Doppelte und dreifache Sachen filtere ich selber aus.

Ihr würdet mir und uns einen Bärendienst erweisen und es wäre doch gelacht, wenn die Schwarmintelligenz nicht funktionieren würde.

Liebe Grüße

Martin


Also … natürlich hast Du Recht, dass es laut https://www.gesetze-im-internet.de/stgbeg/art_297.html eine „Kann“-Bestimmung ist mit dem Sperrbezirk.

Bereit für einen Exkurs in Sachen NRW …?

Wenn Du nach „Art 297 Verbot der Prostitution“ im Internet suchst, dann findest Du viele Sperrbezirksregelungen, respektive -herbeiführungen aus Anno dazumal.

Eine davon wäre Dortmund

https://www.dortmund.de/media/p/ordnungsamt/pdf_ordnungsamt/prostitution/Sperrbezirk_alle_Prostitutionsarten.pdf

Kann man direkt aufrufen. Wenn es also einen Sperrbezirk in Dortmund gibt, dann muss es auch eine Landesentscheidung geben.

„Aufgrund des Art. 297 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch (EGStGB) vom 02.03.74
(BGBl. I S. 469) in Verbindung mit § 1 der Verordnung der Landesregierung des Landes
Nordrhein-Westfalen vom 11.03.75 (GV: NW. S. 258) wird für den Bereich der Stadt Dortmund
verordnet:“

Meine Suche nach : „11.03.75 (GV: NW. S. 258)“ in Verbindung mit NRW (sicher ist sicher) führte mich irgendwann hierher:

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_vbl_archiv_liste?anw_nr=6&jahr=1975&sg=0&val=&ver=0&menu=1

Dort nach der Seitenzahl suchen, weil Gesetzblätter pro Jahr nummeriert und fortgeführt werden.

Ergo -> https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_gv_show_pdf?p_jahr=1975&p_nr=28

Und dort steht das, was NRW beschlossen hatte.

Das ist ein nicht wirklich durchsuchbares PDF.

Fazit: NRW hat so einen zentralen Ansatz und die Regierungspräsidenten entsprechend in die Verantwortung genommen.

Und so eine explizite Suche ist nicht für jeden was, wenn das Wühlen in derlei Archiven Sonderlingen wie mir nicht entsprechend Spaß macht 😉

Glück auf.


Wenn ich mich nun durch verschiedene Sperrbezirksregelungen wühle, dann komme ich zum Schluß, dass lediglich Prostitution in der Sexarbeit in Sperrbezirken verboten ist.

https://www.stadt-koeln.de/wirtschaft/gewerbe/sperrbezirksverordnung?kontrast=weiss#

Die Stadt Köln zB schreibt:

„Die Sperrbezirksverordnung untersagt die Ausübung der Prostitution. Sie wird durch § 12 der Kölner Stadtordnung ergänzt, in dem die Kontaktaufnahme zu Prostituierten mit dem Ziel der Vereinbarungen sexueller Handlungen gegen Entgelt untersagt wird. Verstöße gegen diese Regelung stellen Ordnungswidrigkeiten dar, die mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro geahndet werden können.“

Also der reine Webcam-Chat gegen Geld scheint davon nicht betroffen zu sein oder das Drehen von Pornos. Wenn Du als Prostituierte(r) (um den Begriff zu verwenden) per eMail oder so mit möglichen Gästen „mit dem Ziel der Vereinbarungen sexueller Handlungen gegen Entgelt“ kommunizierst, dann könntest Du fällig sein.

Das Problem dabei ist die Kontrolle an und für sich. Diese ist schlicht nicht leistbar. Was es jedoch nicht verbotener macht.

… Feierabend für heute \o/ …

Was Pornografie mit uns macht

Sei doch nicht immer so allgemein. Das will doch keiner hören. – Innere Stimme


Ich habe recht früh angefangen Pornos zu konsumieren. Da muss ich wohl um die 16/17 gewesen sein. Die Filme habe ich noch als VHS sehen dürfen und fand diese in einem sicheren Versteck meines damaligen zukünftigen Schwiegervaters, als ich in deren Urlaub Blumen gießen sollte.

Als Pubertier war das ein Geschenk des Himmels, schließlich war meine Freundin ja auch mit ihren Eltern weg und so konnte ich mein Testosteron anderweitig verschleudern. Damals in den mittigen 80ern waren alle noch behaart unten rum, so wie ich auch. Erst als mir legal erlaubt war Pornos zu konsumieren, bemerkte ich eine Kehrtwende in Richtung Stutzung bis hin zu haarfrei und ich glaube, dass ich mich diesem „Trend“ tatsächlich angeschlossen habe.

Auch wenn ich wusste, dass die Pornos nicht das wahre Leben spiegelten, auch wenn es mein Sexualleben damals infiltrierte (Analverkehr und Natursekt, erste 3er und Pornokinobesuche mit 18! dank meiner damaligen Freundin, nach ihrem 18ten im gleichen Jahr) so rasierte ich mich erst so mit 22/23 Jahren erstmals komplett. Und fand das richtig so.

Meine damalige Freundin war eine zeigegeile „Schlampe“ und so passten wir ziemlich gut zueinander. Ein echter Volltreffer. Wie in den Filmen gezeigt, probierten wir ziemlich viel aus und hatten so ziemlich an jedem noch so katholischen Ort Sex. Auto, Treppenhaus, Schlafzimmer der Eltern, Familienfeiern. Auf der einen Seite waren wir brav und anständig, aber die dunkle Macht war schon sehr stark in uns.

25 Jahre später blicke ich auf mein jüngeres ich und frage mich, was ich wohl ohne all diese frühen Erfahrungen mit meinem Sexualleben angefangen hätte. Und komme zum Schluss, dass es uninteressant ist. Denn ich habe all diese Dinge gemacht und würde mit dem Wissen von heute sicherlich noch viel mehr machen und ausprobieren.


Pornografie hat mein Sexualleben geprägt. Ganz deutlich. Ich erinnere mich, dass die Pornodarstellerin Sarah Young meine Wichsvorlage gewesen ist. Die „Queen of Facials“ machte den Facial-Cumshot modern und salonfähig. Und mich machte das einfach an. Aber ich merkte auch, dass je mehr Pornos ich konsumierte, desto weniger war ich wirklich noch geil darauf Filme zu sehen.

Schließlich brachte es mir nichts, dass ich bereits nach der ersten Szene fertig war. Dafür waren die Filme im Verleih dann doch zu teuer. So begann ich nach guten Pornos zu suchen, die nicht vordergründig zum Wichsen einluden. Eine Art Sexfilm mit Handlung war gefragt. Und ja, diese gab es. Vereinzelt gab es Produktionen, in welchen eine gute Handlung feilgeboten wurde und man zum Happy-End nicht ausblendete.

Aber auch diese waren dann irgendwann langweilig.


Pornografie war durchaus eine Droge und wie jeder Süchtige brauchte ich neues Material um, im wahrsten Sinne des Wortes, zum Schuss zu kommen. Doch mit dem Aufkommen des Internet wurde die Qualität der Filme deutlich schlechter. Ich fand nichts mehr, was mich wirklich noch befriedigen konnte. Was eventuell auch damit zu tun hatte, dass ich in der Lage war, mein Kopfkino mit echten Partnerinnen umzusetzen.

In dieser Zeit war ich so ein richtiger Hurenbock und investierte sehr viel Zeit und Geld in gefällige Frauen aus jeder Ecke der Prostitution, um am Ende festzustellen, dass eine Hure für 250 DM die Stunde nicht zwangsläufig besser bläst, als die Frau im Auto für 30 DM. Ich bin mir nicht sicher, ob ich stolz auf mein jüngeres Ich (so Mitte bis Ende 20) bin, aber seine Erfahrungen haben mich sicher beeinflusst.

Vor allem fand ich nun auch wieder Gefallen an Pornografie, denn das POV-Genre wurde geboren. Aus der Sicht (Point of View) des Mannes gefilmte sexuelle Handlungen waren mein Renner. Und ich entwickelte dadurch eine heiße Liebe zu Blowjobs, denn die meisten POVs handelten ganz exakt davon. So hatte ich denn auch kaum Sex mit Prostituierten, sondern ließ mir immer „nur“ einen blasen. Und wenn sich die Dame dann auf mich setzte, weil sie Maulsperre bekam, dann ging das aufs Haus oder ich stieg aus.


Der werte Leser mag sich erinnern, dass ich mein jüngeres Ich mal als Arschloch betitelte. Hier ist der Hauptgrund dafür.


Zurückblickend stelle ich also fest, dass der Konsum von Pornografie sich direkt in mein eigenes Sexleben einklinkte. Das was ich dort sah, wollte ich auch erleben, und ich suchte mir dafür die passenden Frauen. Nutzte sie für meine Zwecke aus. Nicht wählerisch. Jede, die wollte wurde genommen für diesen einen Zweck.

Mir war nicht danach der Frau zu gefallen und sie zum Orgasmus zu bringen. Völlige Nebensache und unwichtig. Ich nahm mir immer das vom dem ich glaubte, dass es mir (als Mann) zusteht.


Und heute? Ich konsumiere nach wie vor Pornografie. POVs machen mich nicht mehr an. Und auch wenn ich selber BDSM aktiv betreibe, so habe ich kein besonderes Verlangen nach harter SM-Pornografie. Mir geht es vor allem um Filme, die mit dominantem Wifesharing zu tun haben und Blowjobs in anonymen Glory-Holes. Große Altersunterschiede zwischen Mann und Frau gefallen mir sehr (Also ER 50 und sie 18). Natursekt. Outdoor. Öffentlichkeit. Generell jedoch Filme, bei denen ich das Gefühl habe als Zeuge dabei zu sein. Nicht selbst aktiv.

Einiges von diesen Dingen habe ich für mich erleben dürfen. Jedoch nicht mehr wahllos und einem Trieb folgend, den Pornokosum 1:1 umzusetzen. Nach meiner Arschlochphase wurde ich durch meine zweite Frau gezähmt. Ja, so kann man das sagen. Mit ihr konnte ich jede Phantasie offen ansprechen und ich entwickelte ein Gefühl dafür, dass manche Dinge eben nur dann funktionieren, wenn man darüber spricht. Und ich fand meine Erfüllung darin. Die Frau ohrfeigen zu dürfen, die einen liebt und sich nicht abwendet.

Sie hat mir gezeigt, dass es Frauen gibt, die all das für einen Mann machen, der sie aufrichtig liebt. Quasi meine erste Sub.