Die Herausforderungen des Polydom

Was ist eigentlich so ein Polydom? Kurz gesagt handelt es sich um einen Dom, der mehrere Spielgefährtinnen hat. Von der Polydomme unterscheidet ihn lediglich das Geschlecht. Auch sie hat mehrere Spielgefährtinnen.

Im Gegensatz zu monogamen Menschen, welche nur einen Partner bevorzugen, bevorzugt ein polygamer Mensch mehrere Partner. Nur ist poly nicht gleich poly. Wir müssen zwischen polygam und polyamor unterscheiden. Polygam definiert sich durchaus in einer gewissen Form der Emphatie zum Gegenüber, während polyamor bedeutet, dass man sein Gegenüber liebt.

Und um die Verwirrung komplett zu machen kann es sein, dass ein polygamer Mensch auf einen monogamen trifft. Oder auf einen polyamoren oder meinetwegen auch auf einen monoamorösen. Manche Menschen nennen sich poly, sind jedoch nur seriell monogam unterwegs. Wo poly halt nur „viele“ bedeutet, bedeutet serielle Monogamie zB nicht, dass man gleichzeitige Verbindungen zu anderen hat.

Egal, welches poly man nimmt. Es definiert sich immer als Verbindung 1:n und zwar gleichzeitig. Wobei es auch möglich ist, dass n=1 ist, weil halt gerade nur ein Partner „da“ ist.


Die eigene Definition ist für mich eher polygam als polyamor. Ich kann intensive Gefühle für jemanden entwickeln, aber sie sind mit romantischer Liebe nicht zu vergleichen. Es ist schwierig zu beschreiben. Habe ich zu Anfang nur „Bock“ auf jemanden, bin einfach nur neugierig auf die andere Sexualität, so erschleicht sich am Ende nach längerer Laufzeit eine Art Gewöhnung ein. Nicht in dem Sinne, dass ich „die im Sack habe“, sondern eher wie ein gut situirtes altes Ehepaar. Sie leben gut zusammen, sie sind füreinander da, sie passen auf sich auf, wissen, was man voneinander hat und in diesem Rahmen lässt sich sehr wertvoll mit dem vorhandenen Vertrauen im Sinne des BDSM spielen.


Die personifizierte Herausforderung für mich als Polydom ist es zwischen den mir entgegen gebrachten Emotionen zu vermitteln. Es kommt vor, dass sich jemand in mich verliebt und ich das nicht auf der gleichen Ebene reflektieren kann (Mögen vs Liebe) und es geht auch anders herum, dass ich mich verliebe, aber die Sub nicht (Liebe vs Mögen). Da ich in meiner Logik eher vulkanischen Ursprungs bin sehe ich Dinge zumeist extrem realistisch und kann das alles gut für mich verpacken. Wenn ich liebe, die andere Seite nicht, dann „ist das halt so“. Die Frage ist dann immer, wo und wie grenze ich mich ab, wenn ich nicht liebe. Oder auch wie vermittele ich meine „anderen“ Gefühle an jemanden, ohne ihn zu verletzen, schließlich mag ich den Menschen sehr.


Zudem bin ich halt auch nicht immer dominant unterwegs, vor allem zwischen den Treffen kann es sein, dass ich einfach keinen Bock auf was habe. Was nicht böse gemeint ist. Dominanz springt in mir an, wenn ich meine Sub live und in Farbe vor mir habe. Aber es kann sein, dass diese Erklärung des Unbocks einfach nicht reicht für jemanden, der mir mehr Gefühle entgegen bringt als ich liefern kann. Und … muss ich im D/s nicht immer was „wollen“? Und wenn ich dieses „was wollen“ nicht mehr so wie am Anfang habe, ist das dann noch „normal“ oder ist das das Anfang vom Ende?


Corona hat mich da an der einen und anderen Stelle sehr nachdenklich gemacht. Ich habe mich, weil es halt gerade ging, mehr mit meiner submissiven Seite beschäftigt. Also ohne diese wirklich auszuleben. Dieses neue, alte Gefühl hat mich ja dann allem Anschein nach gepackt, denn ich bin (damit es auch der letzte mitbekommt) „Sarah Blume“ (https://www.sarah-blume.de/). Ich lebe mein Leben zu 100% als Frau und dennoch habe ich diese dominanten Gefühle für zwei Subs, die ich nur als Mann denken kann. Ich mag diese Gedanken. Nur ich kann das nicht immer so ausdrücken. Ich sitze am Rechner und bin Sarah und muss dann „was Dominantes“ machen, und das passt dann gerade nicht.


Wir alle drei spüren an der einen oder anderen Stelle eine Erschütterung der Macht nach meinem Coming Out in Richtung trans*. Vor allem jetzt, wenn „die Frau“ wieder anfängt zu arbeiten und #3K in dieser Zeit später im Jahr bei mir ist. Tagsüber als „Sarah“ unterwegs, ist geklärt. Aber Abends und Nachts wird eben „Martin“ verlangt. Oder wenn ich mit Lisa die kommenden zwei Wochenenden teile. Schließlich ist „Martin“ der Partner der Subs, die „Sarah“ akzeptieren, weil mein Leben als „Sarah“ mich noch entspannter macht, als ich es eh schon bin.


Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie gut es mir geht und wie gut es mir vor allem damit geht, dass meine Subs mich „machen“ lassen. Was ich als Zeichen von Größe und Verständnis empfinde. Um zu sehen, wohin die Reise geht. 1

1 Einschub – Der #CircleOfFalbalus ist zwischenzeitlich Geschichte und aufgelöst. Lisa und #3K sind ebenfalls nicht mehr da.