Einschub: Das wahre Leben

Wenn man es nicht ganz so verfolgt hat, dann fragen manche ja gerne nach einem Detail, um dann doch das komplette Bild zu erhalten. Ich greife diesem einfach mal vor.

Um es vorweg zu nehmen: Es geht mir gut, ihr braucht euch keine Gedanken zu machen. Ich lebe nicht in ständiger Angst vor Verlust oder Angst vor Veränderungen. Jedes Missgeschick ist für mich Anlass nach vorne zu blicken. Für irgendwas muss es ja gut sein.

Also …

Fast 10 Jahre war ich in diversen Verwendungen bis Ende 2017 bei einem Konzern als IT-Softwaretester beschäftigt. Nebenbei habe ich noch IT-Admin gemacht und war für Betriebsrat/Gesamtbetriebsrat/Gesamtschwerbehindertenvertretung und der Gewerkschaft IG Metall unterwegs.

Wenn also die Wahrheit ist, dass das Betriebsratsamt das sogenannte „EDEKA“, also das Ende der Karriere, bedeutet, dann war es dennoch die beste Zeit meines Lebens. Sie war Berufung statt Beruf. Leider ist das Betriebsratsamt ein Wahlamt und es war mir im dritten Anlauf nicht möglich meine Arbeit in den diversen Gremien erfolgreich zu vermitteln. So wurde ich dann bei den vorgezogenen Neuwahlen im Betrieb April 2017 „nur“ Ersatzmitglied im Betriebsrat, und damit dann wieder „Normalsterblicher“. Alles gut.

Leider sah die Führung des örtlichen Unternehmens das nicht so und ich wurde in einem Personalanpassungsprogramm abgewickelt und mit einem Bündel voller Euro nach Hause geschickt. Was aber nicht schlecht war. Ich habe in dieser Zeit natürlich gearbeitet. Die fünf Monate Arbeitslosigkeit habe ich durchaus für mich zu nutzen gewusst. Zwei Kaminabende mit dem JoyClub fielen darunter. Die Idee dazu wurde überhaupt geboren. Die Kiste mit dem HaHa-EinDom mit dem JoyClub auf YouTube und anderes Gewerkel in Bezug auf Geferkel und Gewerkschaft konnte ich endlich mal richtig angehen.

Leider lässt sich mit dem ganzen Kram kein Geld verdienen (*ich gehe später weinen*) und ich habe meine Bemühungen um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ernsthaft in Angriff genommen.

So wurde ich über eine Zeitarbeitsfirma Mitte März 2018 unter Vertrag genommen um fürderhin in einer Bundesbehörde als IT-Admin tätig zu sein. Traurige Wahrheit war, dass die Behörde zwar ein Budget für mich hatte, aber keine Arbeit und das Budget wurde nur angefordert, damit es auch in 2019 wieder zugeteilt werden würde. Die Behörde kündigte den Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma, die dann mir kündigte. So läuft das eben. Ende April 2018 war ich also wieder zu haben.

Bis ich dann die letzte Anstellung per Mitte Juni 2018 bekam (in Hessen ausgeschrieben für Düsseldorf), habe ich erneut gechillt und ca 20 Bewerbungen pro Tag versendet mit der erneuten Erkenntnis, dass jedes Unternehmen die eierlegende Wollmilchsau will, aber ein anständiges Gehalt möchte dann niemand zahlen. Tatsächlich war die Stelle nur Plan C, aber die besseren Positionen haben halt abgesagt.

Und nun … das: Ja, man kann in der Probezeit jederzeit mit entsprechender Frist ohne Angaben kündigen. Was man auch tat. Vorher waren die Gespräche immer im grünen Bereich und dann … gestern … Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Also gestern gleich ins Dienstauto und zu meinem Unterschlupf bei der Besten, die mich all die Wochen beherbergt und beköstigt hatte, drei mal die Haare geschnitten („So läufst Du mir nicht rum, sonst sage ich das Deiner Frau!“) und soeben komme ich aus dem Zugabteil wieder nach Köln-Lövenich.

Es gab kein Gespräch. Der Chef war nicht zu sprechen. Laufzettel abarbeiten, Handschlag. Tschüss.

Wie gesagt: Es geht mir gut. Ich habe mich bereits am Montag arbeitssuchend gemeldet und für morgen ein Vorstellungsgespräch und ein Telefoninterview. Übermorgen ebenfalls Telefoninterview. Alles Zeitarbeitsfirmen oder zumindest Vermittler. Ich würde sagen, dass es gut anläuft.

Jedoch werde ich ohne Not nicht vor dem 01.11.2018 wieder „richtig“ arbeiten. 2018 waren regelmäßige Betriebsratswahlen und junge Betriebsratsmitglieder wollen geschult werden. Ich werde mir die Zeit also mit bis zu sieben Wochen Referententätigkeit auf Honorarbasis vertreiben. Das ist für mich irgendwie wie Urlaub 🙂

Bleiben Sie dran 🙂