Zwei Doms und eine Sub – Geht das? // #TheTrainingOfO #OExperience #Sexarbeit

Vom Prinzip her schreibe ich hier gerade an einer Hausaufgabe.

Es geht um meine Kundschaft, welche aus Wunsch und Wirklichkeit bekannt sind.

So erreichte mich eine WhatsApp, dass man den Faden gerne wieder aufnehmen wolle, da die initiale Zündung nicht ganz so schlecht gelaufen ist. Auch sei inzwischen sehr viel Zeit ins Land gegangen, welches man mit intensiven Gesprächen über die „O“ und mich und überhaupt verbracht habe. Und man nun eben zu dem Schluß gekommen sei, dass alles irgendwie in eine unregelmäßige Regelmäßigkeit zu bringen.

Und die Frage, die nun im Raum steht ist vielleicht aus vielerlei Hinsicht interessant.


Zum einen gibt es eine private Ansicht und es gibt eine berufliche Ansicht. Ich habe durchaus gelernt, dass ich beruflich nicht alles ganz exakt so machen kann, wie es mir gerade so passt. Wo ich mit meinen Damen im #CircleOfFalbalus irgendwo im Space zwischen SSC und RACK herumlaufe, brauche ich beruflich eine wesentlich deutlichere Position.

Kann ich privat sagen, dass keine Sub zwei Doms zu gleichen Teilen im Rahmen einer D/s-Verbindung wirklich dienen kann (kann bereits daran scheitern, dass der eine eine rasierte und der andere eine unrasierte Sub haben mag) und das allenfalls im Rahmen von Spielsessions auf Partys funktioniert kann, so muss ich beruflich Abstriche machen.

Als Dienstleister positioniere ich mich hingebungsvoll in die Wünsche der Kundschaft und schaue, ob ich leisten kann, was zu leisten ist.

Kann ich privat sagen, dass ich meine „O“ zu gewissen Bedingungen an einen anderen Herrn verleihe und die „O“ sofort abbrechen dürfe würden diese Regeln verletzt, so befinde ich mich beruflich auf der einen Seite im Anspruch des Experten, der einem Paar hilft neue Wege zu gehen und auf der anderen Seite kann ich nur Empfehlungen geben und muss mich im Zweifel dem Willen der Kundschaft beugen.

Was so verwirrend klingt, ist es auch ein wenig.

Meiner Meinung nach muss ein Herr einem anderen Herrn (Kontext: „O“-Business) die harten Grenzen aufzeigen, aber was dann innerhalb dieser Grenzen geschieht geht ihn nichts mehr an. Keine Mitbestimmung. Auch nicht für den Herrn, der seine „O“ verleiht. Maximal Abbruch einer Session, wenn es hart auf hart geht. Und alleine das Lesen dieser Zeilen muss aufzeigen, dass „O“ nichts für schwache Nerven ist. Das Vertrauen zwischen Herrn und „O“ muss so stark gefestigt sein, dass man sich gegenseitig auf gleiche Art und Weise vertraut.

Und in diesem Kontext meiner Kundschaft geht es also darum, dass der Ehemann seine Ehefrau mit mir (später ohne sein Beisein) teilen will und wir müssen einen Konsens finden, dass wir beide das Gleiche, aber eben doch ein wenig anders jeder für sich, machen. Das ist eine Menge Arbeit. Und zwar für alle zusammen.

Es ist aus verständlichen Gründen jedoch die Liebe zu seiner Frau, die es ihm nicht leicht macht. So ganz die Kontrolle abgeben, was er in meinen Augen möchte, geht dann doch nicht und da kann ich dann nur für mich überlegen, wie ich den beiden auf ihrem Weg helfen kann.

Und da die beiden diesen Artikel lesen werden, lasse ich mal ein paar Ideen von der Kette.


a) Die Ehefrau nimmt ab dem 01.10.2019 verbindlich an meinen Hausaufgaben teil.
Dazu benötigt sie einen Twitteraccount, den sie einzurichten hat.

b) Es gibt eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe zu dritt, in welcher ich mit der Ehefrau kommunizieren, der Ehemann nur mitliest und sich ansonsten komplett aus der Konversation raushält.

c) Der Ehemann tritt dafür ein, dass wenn der Ehefrau ein Fehler unterläuft, dass er straft, wie ich das vorgebe und nicht wie er meint, was angemessen sei.

d) Die Ehefrau stimmt diesem Vorhaben absolut unabhängig vom Ehemann zu. Sein Einverständnis brauche ich nicht, weil es um die Ehefrau geht.
(Skype-Telefonat mit Video!)


Aufgrund bisheriger Kommunikation scheint mir das eine gute Basis zu sein. Schließlich soll die Ehefrau erfahren, dass ich eventuell milder bin, als ursprünglich angenommen und ein Grundgefühl dafür entwickeln, wie es mit mir so ist.

u.A.w.g.

Das Wort zum Montag // 09.09.2019

Das Wort zum Montag. Heute mal wieder ca 20 Minuten lang.

M4A – 19,54 MByte

MP3 – 19,17 MByte

Viel Spaß beim Hören und Kommentieren 🙂

Absolute Grenzen und warum es die wirklich geben muss. #BDSM

Aus meiner persönlichen Sicht der Dinge gibt es Grenzen, die niemals übertreten werden dürfen. Wer sich mit #BDSM beschäftigt kennt diese ganzen Listen und Gespräche über weiche und harte Grenzen, grüne, gelbe oder rote, NoGos und wie sie sonst alle benannt werden.

Dabei möchte ich gar nicht mal die Spielarten auflisten, denn wer was in welchen Bereich schiebt ist allenthalben Privatsache. Und persönliche Grenzen sind nun mal keine allgemein verbindlichen. Obwohl ich ziemlich sicher bin, dass es Dinge gibt, welche auch ich als absolut betrachte, aber nicht weiter benenne, weil ich davon ausgehe, dass das doch klar sein sollte.

Sind sie aber nicht … also gebe ich mal frei, an was ich da so denke:


HART: Kinder/Minderjährige

Ich anerkenne Bedürfnisse und Wünsche von Minderjährigen. Sie existieren. Viele Menschen im #BDSM haben erste zarte Ideen bereits im Kindesalter (unter 14) gehabt. Wo ich nicht nur eine moralische Grenze sehe ist der §176 StGB ziemlich eindeutig: Als Erwachsener (ab 18) ist Sex mit Kindern in jedem Fall verboten und Kinder können hier auch kein Einverständnis geben. Wer Sex mit Kindern hat, ist ein Straftäter.

§180 StGB geht sogar noch einen Schritt weiter und hebt die Grenze im Absatz 1 zunächst auf 16 an. Im Absatz (2) wird das Alter auf 18 angehoben.

Einvernehmliche sexuelle Beziehungen von Menschen 16+ zu Menschen 18+ sind also möglich. Die sexuelle Selbstbestimmung hat ihre Grenze jedoch darin, dass die zur Sorge Berechtigten das letzte Wort haben (siehe Satz 2 des Absatz 1). Was für jugendliche Beziehungen stillschweigend wohl okay ist, wird sich in meiner Denke nicht so ohne weiteres für Beziehungen eines 17jährigen Menschen zu einem 30jährigen Menschen darstellen.

Daher verbietet sich für mich jeder Gedanke an sexuelle Handlungen mit oder sexuelle Beziehungen zu Menschen unter 18.


HART: Tiere

Am 8. Dezember 2015 lehnte das Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen den § 3 Satz 1 Nr. 13 des Tierschutzgesetzes ab. In der Begründung stellte es klar, das im Tierschutzgesetz verankerte Verbot greife nur dann, wenn das Tier zu einem artwidrigen Verhalten gezwungen wird. Demnach ist der Geschlechtsverkehr mit Tieren in Deutschland nicht generell verboten. (Quelle: Wikipedia)

Ich sehe das ein wenig anders: „Ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen“ – so beginnt Nummer 13 und das ist für mich ziemlich definitiv. Und weil ich das so auslege ist für mich persönlich jeder sexuelle Kontakt zu Tieren schlichtweg verboten. Und ich finde es sehr schade, dass es mittlerweile nur eine Ordnungswidrigkeit statt eine Straftat ist.

Daher verbietet sich für mich jeder Gedanke mir sexuelle Handlungen mit Tieren vorzuschlagen oder anzubieten.


WEICH: Rollenspiele zu obigen Themen

Pädophilie und Zoophilie sind Krankheiten, welche sich Betroffene nicht ausgesucht haben. Und doch stehen sie auf der Karriereleiter der „mit Krankheit geborenen Menschen“ sogar noch unter Depressiven. „Kinderficker sind immer Vergewaltiger und die will niemand. Dann lieber die Bekloppten.“

Wer für sich erkannt hat, dass sie/er krank ist und sich eine Therapie unterzieht, braucht wahrscheinlich dennoch ein Ventil. Sexarbeit kann ein solches Ventil sein. Allerdings kenne ich das nur in Verbindung mit Telefonsex.

Tatsache ist, dass ich als DWT durchaus die Rolle einer Minderjährigen einnehmen kann, aber selbst im Rollenspiel würde ich 16 Jahre niemals für niemanden unterschreiten. Auch nicht für Geld. Auch nicht als Katze.

Und nein, ich spreche hier nicht von DDlg-Beziehungen („Daddy Dom – little girl“), welche zwar gerne in diese Richtung ausgelegt werden, aber mitnichten einer Krankheit entspringen, sondern lediglich ein Kink sind.


Und was fällt euch noch so ein?

#Sexarbeit – Das Interview – Akt mit 17 Fragen

Wie bist Du zur Sexarbeit gekommen?

Ich bin nun seit mehr als 25 Jahren im Business. Was anfangs nur eine reine private Passion war, hat sich durch Anfragen a la „Machst Du es auch für Geld?“ über die Jahre erweitert. Erst versteckt und dann gerade in den letzten Jahren ziemlich offen bis hin zum Komplett-Outing 2017. Seit Anfang 2019 bin ich offiziell gemeldet (Buzzword „Bockschein“) nach Prostitutionsschutzgesetz mit meinem Künstler- und meinem Realnamen.

Tatsächlich betreibe ich mein Gewerbe nebenberuflich und arbeite im Hetero-Escort als Dominus für vermehrt weibliche Singles (D/s und/oder SM) und Paare (Cuckolding, D/s und/oder SM).


Kannst Du von der Sexarbeit leben?

Nein. Aber ich wünschte es wäre so. Was als Hetero-Escort wirklich und wahrlich nicht bis gar nicht möglich ist. Da ich jedoch ein Extrem-Switcher bin, überlege ich meine männliche Submission entsprechend für Singles und Paare einzubringen.


Was antwortest Du, wenn Dich jemand nach Deinem Beruf fragt? Wie sind die Reaktionen?

Bisher habe ich keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Ich laufe zwar nicht mit einer Leuchtreklame umher, aber wer mich was fragt, bekommt seine Antwort und muss dann mit dieser Information weiterleben. Das Stigma der Sexarbeit nachzugehen trifft mich persönlich nicht so sehr, wie meine Kolleginnen.


Macht Dir die Arbeit Spaß oder möchtest Du eigentlich lieber aufhören? Wenn Du aufhören wollen würdest, könntest Du?

Ja, Nein und Ja.

Da ich die Sexarbeit nur nebenberuflich betreibe und ansonsten einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehe, habe ich hier keinen Druck. Daher kann ich mir meine Kunden quasi aussuchen und muss nichts machen, was ich nicht mag. Ich bin ein sehr sexpositiver Mensch und würde jede Gelegenheit nutzen sofort aus meinem Job auszusteigen, um nur noch der Sexarbeit nachgehen zu dürfen.


Musst Du Dich vor der Polizei in Acht nehmen? Begegnet Dir die Polizei / der Staat eher feindlich oder hilfsbereit?

Ich führe meinen „Bockschein“ immer mit mir, sobald ich Sexarbeit bezogen tätig werde. Leider bin ich noch nie in eine Kontrolle geraten, um in ein verdutztes Gesicht eines Ordnungshüters zu schauen, dass nicht die Dame an meiner Seite, sondern ich der Sexarbeiter bin.

Zurückblickend war die Gesundheitsberatung Anfang des Jahres eine sehr angenehme Sache.


Versuchst Du Menschen, die Sexarbeit als „schmutzige Arbeit“ betrachten und mit Menschenhandel gleichsetzen, vom Gegenteil zu überzeugen?

Sehr viele Vorurteile über Sexarbeit kommen aus Emotionen heraus, welche nicht versachlicht sind. Da fällt es mir sehr schwer einen Anhaltspunkt zu finden und zumeist lohnt sich das Gespräch hier auch nicht wirklich. Aber es gibt auch Unwissenheit über meine Arbeit, weil ich ja potenziell dem Fremdgängertum Beistand leiste. Viele Menschen haben aus für mich völlig falschen Motiven Angst vor mir, so als würde ich ihnen etwas wegnehmen.

Als Dominus legalisiere ich zum Beispiel meine Bereitschaft zur Gewalttätigkeit, um Frauen verachtende Dinge an und mit Frauen zu tun. Das diese als Kundinnen zu mir kommen, weil sie auf eine ganz spezielle Weise Intimität und Nähe erleben wollen wird nicht weiter wahrgenommen. Meine Kunden sind übrigens alle krank und ich fördere diese Krankheiten, die es ohne mich nicht geben würde. Ich kann dann ziemlich direkt werden, wenn es um persönliche Angriffe auf mich oder meine Kundinnen und Kunden geht.

Ironischerweise höre ich diese Sätze nie, wenn ich dem Kontrahenten als männliche Sub gegenübertrete. Das finde ich erstaunlich.


Ist Sexarbeit Deiner Meinung nach mit Ehe und Familie vereinbar oder ist das eher schwierig?

Die meisten Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne, sind verpartnert und/oder haben sogar Kinder. Sie schirmen ihre Arbeit jedoch vor den Kindern meistens ab und dass weniger, weil sie ihren Kindern nicht vertrauen, sondern um sie in der Schule zB nicht zum Mobbingopfer zu machen. An der Geschichte, dass Menschen mit der Sexarbeit aufhören, wenn sie frisch verliebt eine Beziehung eingehen, ist jedoch auch viel Wahres dran.

Ich kenne das so, dass Sexarbeiter*innen in der einen Stadt wohnen und in einer anderen Stadt arbeiten. Wie das aber auch in jedem anderen Beruf so sein kann.


Gibt es Zahlen dazu, ob Frauen primär Dienste von Sexarbeiterinnen oder Sexarbeitern in Anspruch nehmen?

Nö.

Es gibt keine Zahlen hierzu. Und es gibt auch keine offiziellen Zahlen dazu, wie viele Menschen überhaupt der Sexarbeit nachgehen. Das sind alles nur merkwürdige Hochrechnungen und Schätzungen.

Gefühlt ist es jedoch so, dass, in meinem Beritt, Dominas einfacher zu finden sind, als Dominus. Wir, als Dominus, sind nicht so einfach zu finden, weil uns viele Erotikportale als „Verkappte Freier“ von Anzeigen ausschließen oder grundsätzlich keine Sexarbeiter*innen zulassen. Daher mag ich annehmen, dass auch heterosexuelle Frauen ihre ersten Schritte mit Kolleginnen machen. Was ich persönlich den Kolleginnen natürlich gönne, aber auch schade finde.


Gibt es mehr Sexarbeiterinnen oder Sexarbeiter?

Ich möchte dazu tendieren, dass wenn man sich die Angebote so anschaut, dass es wesentlich mehr weibliche als männliche Sexarbeiter gibt.

Das ist meiner Meinung nach nicht systembedingt durch meine Stigmatisierung als „verkappter Freier“, sondern in der Mentalität der Männer verbaut. Für sie ist Sex meist mehr eine Grundlage der persönlichen Zufriedenheit und Frauen haben das einfach erkannt und sind demnach in der Sexarbeit die absoluten Marktführer. Auch die Trennung von Sex und Liebe ist bei Männern wohl eher gegeben, weil der schnelle Fick zwischendurch nichts an den Gefühlen für das Weib daheim ändert.

Daraus schließe ich für mich, dass Männer auch die wesentlich größere Anzahl der Kundschaft darstellen.

Um jedoch gleich dem Shitstorm vorzubeugen: Die üblich gut unterrichteten Kreise (hier: Kolleginnen und Kollegen im Berufsverband) berichten jedoch von einem zarten und dezenten Aufkeimen weiblicher Libido als Kundschaft. Durchaus ein Zeichen veränderter Zeiten im Rahmen eines gesunden Feminismus. Sie nehmen ihre eigenen Bedürfnisse wahr und verfolgen diese auf einem für sie sicheren Weg. Sexarbeiter*innen gelten als Experten auf ihren jeweiligen Gebieten.


Gibt es Zahlen dazu, wie viel Prozent der Sexarbeit (un-)freiwillig ist?

Nö.

Man kann jedoch ein wenig was herleiten, wenn man sich durch Urteile durchhangelt, welche sich mit Straftaten sexualisierter Gewalt beschäftigen.

Meine Kollegin Undine de Rivière hat hierzu herausgefunden, dass es grundlegend einen Unterschied gibt zwischen den tatsächlichen Zahlen gemessen in Urteilen und der Dunkelziffer gemessen in eingestellten Verfahren ohne Urteil oder Dinge, die nie zur Anzeige gebracht werden. Schaut man sich nun die Urteile an und filtert den Anteil der „üblichen“ sexualisierten Gewalt, welche vermehrt im persönlichen Umfeld des Opfers stattfindet, heraus, dann bleibt für sexualisierte Gewalt gegenüber Sexarbeiterinnen nicht mehr viel übrig. Und die Methoden der Statistik müssten daher in der Folge entsprechend dem prozentualen Anteil in den Urteilen auch die Dunkelziffer behandeln. Kommt man also auf 80% „übliche“ sexualisierte Gewalt in Urteilen, so muss die Dunkelziffer ebenfalls mit 20% bei der sexualisierten Gewalt gegen Sexarbeiterinnen einschlagen.

Da diese Sisyphusarbeit jedoch ziemlich anstrengend ist, macht sich kaum jemand wirklich Mühe mit sowas. Daher kommt man in vielen Berichten immer auf so hohe astronomische Summen, dass es mehr unfreiwillige als freiwillige Sexarbeit gibt.

Wenn ich mich als Sexarbeitsgegner übrigens ständig in Beratungsstellen bewege, die sich mit dem Ausstieg aus der Sexarbeit beschäftigen, dann muss ich zum Schluss kommen, dass es keine freiwillige Sexarbeit gibt. Weil dort kaum Menschen arbeiten oder sich beraten lassen, die es freiwillig machen.


Ist das Einteilen in „gute“ freiwillige und „schlechte“ unfreiwillige Sexarbeit überhaupt möglich oder kann selten eine so genaue Linie gezogen werden? Bzw. wo siehst Du persönlich die Linie bei Sexarbeit aus persönlicher Not oder erst bei der Nötigung?

Es gibt freiwillige Sexarbeiter, die können nicht gut blasen, bieten es aber dennoch an und haben somit mit Oralverkehr keinen Erfolg.
Es gibt genötigte Sexarbeiter, die sind fantastisch im Blasen und deren Auftragsbücher sind randvoll.

Was ist nun gut oder schlecht? Wer fühlt sich besser oder schlechter in seinem Job? Schwierig, oder?

Zu unterscheiden ist für mich Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not von der Sexarbeit mit Nötigungshintergrund. Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not ist keine Straftat und die Entscheidung der Sexarbeit ist dann auch freiwillig gefallen. Vorwürfe in Richtung dieser Person verbieten sich mir, weil sie/er wird sich das hoffentlich gut überlegt haben und gut informiert sein.


Was kann man konkret gegen unfreiwillige Sexarbeit tun?

Genötigte Sexarbeiter bemerkt man in aller Regel recht schnell. Deren Stimmungslage „verunreinigt“ das Untereinander zwischen den Sexarbeiter*innen zB in einem Bordell ziemlich zügig. Gut geführte Bordelle nehmen das auf und bieten Gespräche darüber an und geben dann auch Hinweise zum sicheren Ausstieg.

Vor allem existieren bereits heute alle nötigen Gesetze für Straftaten aller Art, die es nur konsequent anzuwenden gilt. Es braucht kein gesondertes „Strafrecht Sexarbeit“.


Was hat sich durch das ProstSchG geändert? Was hat sich verschlechtert oder verbessert?

Das ProstSchG ist so überflüssig wie ein Kropf. Es erreicht nicht die Formen von Sexarbeit, die es schützen will. Vielmehr sehe ich es so, dass das ProstSchG die Gesellschaft vor der Sexarbeit schützen will und somit ein weiterer Schritt in Richtung Stigmatisierung der Sexarbeit darstellt.

Es wird ein finanzrechtliches Konstrukt erschaffen, dass eine höchst persönliche Dienstleistung, welche absolut legal ist, in ein Gewerbe zwingt, welches man überhaupt nicht anmelden kann. Und selbst wenn ich annehme, dass es ein guter Schritt wäre, dass ich ein Gewerbe auf meine Sexarbeit anmelden kann, so habe ich nur die Pflichten gegenüber dem Finanzamt gewonnen. Ich habe jedoch kein Gramm mehr Rechte erhalten. Das ist barer Unsinn.

Da es sich um Bundesrecht handelt, welches ohne Umwege über ein Landesrecht direkt jede Kommune für sich selbst auslegt, gibt es unterschiedliche Formen der Diskriminierung in der Ausführung. Die Stadt München hat zur Drucklegung dieses Beitrages hierfür ein eigenes Gebäude angemietet, welches nur Anfragen und Anmeldungen nach ProstSchG behandelt. Somit ist jedem Menschen an diesem öffentliche Ort klar, dass da die Frauen reingehen, die als Nutten wieder rauskommen. Das ist schon ein starkes Stück und hat nichts mit Schutz der freien Berufswahl zu tun.


Was hältst Du vom „nordischen“ Modell?

Nix.

Und bei böser Betrachtung ist das ProstSchG irgendwie ein Einführungsgesetz hierzu.

Sexarbeiterinnen dürfen nach „nordischem“ Modell zwar legal ihrer Tätigkeit nachgehen, aber nicht mehr gemeinsam in einer Wohnung mit jemand anderen. Sie müssen allein arbeiten und haben keinen Schutz mehr durch jemanden, der im Zweifel Hilfe holen kann. Die Freierbestrafung greift nicht, denn nur weil etwas illegal ist, wird es dennoch gemacht. Mord ist ja auch verboten und dennoch wird in Ländern, wo es dafür die Todesstrafe gibt, gemordet. Die Sexarbeit wird prekärer, verschwindet mehr im Untergrund und wird damit gefährlicher für die Sexarbeiterinnen.

Ich stelle mir soundso die Frage, warum kaum mit Sexarbeiter*innen gesprochen wird, wenn es um solche Sachen geht. Gut, dass es dafür nun den Berufsverband gibt, der sich hierfür anbietet.


Wie würde Deiner Meinung nach ein ideales Gesetz zur Sexarbeit aussehen, dass die schützt, die zur Sexarbeit gezwungen werden und die unterstützt, die gerne als Sexarbeiter*innen arbeiten?

Geltendes Strafrecht gegen straftätige Freier und Zuhälter konsequent anwenden.

ProstSchG abschaffen. Sexarbeit als Gewerbeanmeldung mit allen Rechten und Pflichten möglich machen.


Was können wir als Gruppe tun, um das Thema Sexarbeit zur entstigmatisieren?

Ich freue mich sehr darüber, dass ihr euch an mich gewendet habt, um eure Fragen klären zu können. Der unverkrampfte Umgang mit Sexarbeiter*innen ist ein deutlicher Anfang zur Entstigmatisierung. Wenn ich mal in der Nähe bin, komme ich gerne mal bei euch vorbei.

Sexarbeiterinnen sind mitten unter uns. Eventuell gibt es auch ein Bordell in eurer Nähe, welches ihr mal besuchen wollt? Einfach mal da anrufen und fragen, ob das außerhalb der Öffnungszeiten ginge und ob eventuell auch eine/einer der Sexarbeiterinnen anwesend sein kann.

Natürlich frage ich mich schon, was ich in eurem Alter schon von Sexarbeit wusste 😉 Aber es ist wichtig in Kontakt zu bleiben und sich zu vernetzen. Dabei helfe ich gerne, wenn ich kann und darf.

Redet über Sexarbeit und lasst euch nicht abwimmeln. Stellt Fragen und hinterfragt alles und jeden. Immer wieder. Jeden Tag. Denn nur so kann sich eine Gesellschaft entwickeln.


Bringt es was auf kommunaler Ebene was zu verändern oder müsste sich damit die Bundesebene befassen?

Die Stadt Köln hat die Gesundheitsberatung für und die Anmeldung als Sexarbeiter*in auf einem Flur zentral in das Einwohneramt Köln-Deutz verfrachtet. Da gehen täglich 1000e von Menschen rein, wegen allem Möglichen. Keine Ahnung, wie das bei euch aussieht, aber es ist einen Einsatz wert mal zu fragen, wie das bei euch aussieht? Wie wird das ProstSchG bei euch umgesetzt? Sind die Mitarbeiter entsprechend geschult? Alles Fragen, die eure Fraktion im Rat eurer Gemeinde mal anbringen kann. Das Ergebnis würde mich interessieren 🙂

Die Umsetzung des ProstSchG liegt alleine in kommunaler Verantwortung und bis dahin sollte die Bundesebene vielleicht mit eurer Hilfe daran arbeiten ein paar exaktere Ausführungsbestimmungen zu erlassen, so dass die Städte und Gemeinden in der Umsetzung dezente Vorgaben haben, die Sexarbeiter*innen bereits bei der Gesundheitsberatung zu und Anmeldung als Sexarbeiter schützen.


Das Interview mit der „Grüne Jugend Traunstein“ wurde als Skype-Interview am Sonntag, den 18.08.2019 mit mir geführt. Es handelt sich hierbei um ein Gedächtnisprotokoll.

Was bisher geschah … // Geschichten aus der Gruft.

Es wurde um ein echtes Erlebnis gebeten, also eine Geschichte aus der Gruft 😉 … weil ich bin halt schon alt 😀


Das ist jetzt schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich daran wie mein Dom mir aufgetragen hatte, dass ich eine Woche lang spärlich bekleidet (als Damenwäscheträger – DWT) jede Nacht mindestens für zwei Stunden auf einem „gewissen“ Parkplatz für ihn anzuschaffen habe. Das Spiel mit der Sexarbeit hat mich ja schon immer fasziniert und es ging gar nicht mal um Demütigung. Mein Dom wusste das und wollte auch nicht, dass ich es für Geld mache (diese Dates vermittelte mir mein Dom von sich aus), sondern dass ich „auf Quote“ arbeite.

„Am ersten Tag wirst Du mindestens einen Kerl aufreissen, am zweiten mindestens zwei bis es dann am fünften Tag halt fünf sind. Und weil Du keine weiteren Fragen mehr hast, darfst Du davon auch Fotos und Videos erzeugen. Also möchte ich Dich mindestens mit drei Männern beschäftigt sehen. Alles klar?“

„Ja, mein Herr!“

So sah ich mich dann in einem schwarzen T-Shirt-Kleid mit nichts drunter, schwarzer Perücke und High Heels auf einem DWT-Strich in der Nähe Kölns parlieren.

Ich mochte solche Sachen. Sehr sogar. Und vor allem, weil die nicht wirklich ausformulierte Aufgabe mir kreative Möglichkeiten gab darüber zu bestimmen, welche Serviceleistung ich mit wem zu erbringen gedenke und auch wo. Selbst die Plots zu Fotos und Videos fielen unter meine Regie.

Während ich bis zum Tag Drei alle Forderungen habe erfüllen können, also das Bedienen von sechs unterschiedlichen Männern per Blowjob und/oder Analverkehr, hatte ich kein Glück, was Fotos anging. Niemand wollte seinen Schwanz in die Kamera halten, so als ob man jene am Schwanz erkennen würde. Aber mit Tag Vier durfte ich auch nicht mehr wirklich wählerisch sein, aber es bereitete mir keine Probleme auch die „B-Männer“ in den Autos anzusprechen.

Bis ich dann faszinierend herausfand, dass einer Natursekt wollte. Also er wollte nur das. Ich sollte neben dem Auto knien und einfach den Mund aufmachen. Allerdings nicht nackt, sondern bekleidet. Da ich eh Wechselsachen dabei hatte, war das für mich okay. Er sollte der letzte Kunde an diesem Abend werden. Fataler Irrtum.

Während ich also die Kamera und dann mich positionierte und die ersten Strahlen seines Natursektes in meinen Mund regneten, kamen auch andere Männer hinzu. Ich konnte das nur aus den Augenwinkeln heraus sehen, aber da standen so drei Männer, die ihre Schwänze wichsten. Offensichtlich gefiel ihnen also dieser Live-Porno. Und einer nach dem anderen stimmte in den Regen mit ein und ich glaube, dass ich insgesamt 5 Minuten lang beregnet und mit Facials versorgt wurde. Und alles auf Kamera.

Somit hatte ich am Tag Vier ein Video mit vier Männern und mir und zusammen mit den Vortagen insgesamt 10 Sexualkontakte. Und ich hatte echt keine Ahnung, wie ich das noch an Tag Fünf steigern sollte. Also ich brauchte ja noch fünf Männer am Tag Fünf.

Doch leider konnte ich meine Quote nicht leisten, denn die Männer vom Vortag waren wieder da. Ich hatte zwar fünf Sexualkontakte am Tag Fünf, aber halt nur einen neuen dabei.

Dennoch konnte ich mit zwei Videos dienen (immerhin) und ich gab meine Arbeit am Tag Sechs ab.

Mein Herr schmunzelte mich an: „Ich bin sehr stolz auf Dich. Weißt Du das eigentlich? Es geht nicht darum alles zu erfüllen, sondern alleine das Bemühen darum ist wichtig. Das hast Du getan. Und das macht nicht jeder einfach mal so. Du hast es wirklich drauf.“

Hachja <3

Lange her. Bitte Gerne Danke.