Das Wort zum Montag // 09.09.2019

Das Wort zum Montag. Heute mal wieder ca 20 Minuten lang.

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Viel Spaß beim Hören und Kommentieren 🙂

#Sexarbeit – Das Interview – Akt mit 17 Fragen

Wie bist Du zur Sexarbeit gekommen?

Ich bin nun seit mehr als 25 Jahren im Business. Was anfangs nur eine reine private Passion war, hat sich durch Anfragen a la „Machst Du es auch für Geld?“ über die Jahre erweitert. Erst versteckt und dann gerade in den letzten Jahren ziemlich offen bis hin zum Komplett-Outing 2017. Seit Anfang 2019 bin ich offiziell gemeldet (Buzzword „Bockschein“) nach Prostitutionsschutzgesetz mit meinem Künstler- und meinem Realnamen.

Tatsächlich betreibe ich mein Gewerbe nebenberuflich und arbeite im Hetero-Escort als Dominus für vermehrt weibliche Singles (D/s und/oder SM) und Paare (Cuckolding, D/s und/oder SM).


Kannst Du von der Sexarbeit leben?

Nein. Aber ich wünschte es wäre so. Was als Hetero-Escort wirklich und wahrlich nicht bis gar nicht möglich ist. Da ich jedoch ein Extrem-Switcher bin, überlege ich meine männliche Submission entsprechend für Singles und Paare einzubringen.


Was antwortest Du, wenn Dich jemand nach Deinem Beruf fragt? Wie sind die Reaktionen?

Bisher habe ich keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Ich laufe zwar nicht mit einer Leuchtreklame umher, aber wer mich was fragt, bekommt seine Antwort und muss dann mit dieser Information weiterleben. Das Stigma der Sexarbeit nachzugehen trifft mich persönlich nicht so sehr, wie meine Kolleginnen.


Macht Dir die Arbeit Spaß oder möchtest Du eigentlich lieber aufhören? Wenn Du aufhören wollen würdest, könntest Du?

Ja, Nein und Ja.

Da ich die Sexarbeit nur nebenberuflich betreibe und ansonsten einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehe, habe ich hier keinen Druck. Daher kann ich mir meine Kunden quasi aussuchen und muss nichts machen, was ich nicht mag. Ich bin ein sehr sexpositiver Mensch und würde jede Gelegenheit nutzen sofort aus meinem Job auszusteigen, um nur noch der Sexarbeit nachgehen zu dürfen.


Musst Du Dich vor der Polizei in Acht nehmen? Begegnet Dir die Polizei / der Staat eher feindlich oder hilfsbereit?

Ich führe meinen „Bockschein“ immer mit mir, sobald ich Sexarbeit bezogen tätig werde. Leider bin ich noch nie in eine Kontrolle geraten, um in ein verdutztes Gesicht eines Ordnungshüters zu schauen, dass nicht die Dame an meiner Seite, sondern ich der Sexarbeiter bin.

Zurückblickend war die Gesundheitsberatung Anfang des Jahres eine sehr angenehme Sache.


Versuchst Du Menschen, die Sexarbeit als „schmutzige Arbeit“ betrachten und mit Menschenhandel gleichsetzen, vom Gegenteil zu überzeugen?

Sehr viele Vorurteile über Sexarbeit kommen aus Emotionen heraus, welche nicht versachlicht sind. Da fällt es mir sehr schwer einen Anhaltspunkt zu finden und zumeist lohnt sich das Gespräch hier auch nicht wirklich. Aber es gibt auch Unwissenheit über meine Arbeit, weil ich ja potenziell dem Fremdgängertum Beistand leiste. Viele Menschen haben aus für mich völlig falschen Motiven Angst vor mir, so als würde ich ihnen etwas wegnehmen.

Als Dominus legalisiere ich zum Beispiel meine Bereitschaft zur Gewalttätigkeit, um Frauen verachtende Dinge an und mit Frauen zu tun. Das diese als Kundinnen zu mir kommen, weil sie auf eine ganz spezielle Weise Intimität und Nähe erleben wollen wird nicht weiter wahrgenommen. Meine Kunden sind übrigens alle krank und ich fördere diese Krankheiten, die es ohne mich nicht geben würde. Ich kann dann ziemlich direkt werden, wenn es um persönliche Angriffe auf mich oder meine Kundinnen und Kunden geht.

Ironischerweise höre ich diese Sätze nie, wenn ich dem Kontrahenten als männliche Sub gegenübertrete. Das finde ich erstaunlich.


Ist Sexarbeit Deiner Meinung nach mit Ehe und Familie vereinbar oder ist das eher schwierig?

Die meisten Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne, sind verpartnert und/oder haben sogar Kinder. Sie schirmen ihre Arbeit jedoch vor den Kindern meistens ab und dass weniger, weil sie ihren Kindern nicht vertrauen, sondern um sie in der Schule zB nicht zum Mobbingopfer zu machen. An der Geschichte, dass Menschen mit der Sexarbeit aufhören, wenn sie frisch verliebt eine Beziehung eingehen, ist jedoch auch viel Wahres dran.

Ich kenne das so, dass Sexarbeiter*innen in der einen Stadt wohnen und in einer anderen Stadt arbeiten. Wie das aber auch in jedem anderen Beruf so sein kann.


Gibt es Zahlen dazu, ob Frauen primär Dienste von Sexarbeiterinnen oder Sexarbeitern in Anspruch nehmen?

Nö.

Es gibt keine Zahlen hierzu. Und es gibt auch keine offiziellen Zahlen dazu, wie viele Menschen überhaupt der Sexarbeit nachgehen. Das sind alles nur merkwürdige Hochrechnungen und Schätzungen.

Gefühlt ist es jedoch so, dass, in meinem Beritt, Dominas einfacher zu finden sind, als Dominus. Wir, als Dominus, sind nicht so einfach zu finden, weil uns viele Erotikportale als „Verkappte Freier“ von Anzeigen ausschließen oder grundsätzlich keine Sexarbeiter*innen zulassen. Daher mag ich annehmen, dass auch heterosexuelle Frauen ihre ersten Schritte mit Kolleginnen machen. Was ich persönlich den Kolleginnen natürlich gönne, aber auch schade finde.


Gibt es mehr Sexarbeiterinnen oder Sexarbeiter?

Ich möchte dazu tendieren, dass wenn man sich die Angebote so anschaut, dass es wesentlich mehr weibliche als männliche Sexarbeiter gibt.

Das ist meiner Meinung nach nicht systembedingt durch meine Stigmatisierung als „verkappter Freier“, sondern in der Mentalität der Männer verbaut. Für sie ist Sex meist mehr eine Grundlage der persönlichen Zufriedenheit und Frauen haben das einfach erkannt und sind demnach in der Sexarbeit die absoluten Marktführer. Auch die Trennung von Sex und Liebe ist bei Männern wohl eher gegeben, weil der schnelle Fick zwischendurch nichts an den Gefühlen für das Weib daheim ändert.

Daraus schließe ich für mich, dass Männer auch die wesentlich größere Anzahl der Kundschaft darstellen.

Um jedoch gleich dem Shitstorm vorzubeugen: Die üblich gut unterrichteten Kreise (hier: Kolleginnen und Kollegen im Berufsverband) berichten jedoch von einem zarten und dezenten Aufkeimen weiblicher Libido als Kundschaft. Durchaus ein Zeichen veränderter Zeiten im Rahmen eines gesunden Feminismus. Sie nehmen ihre eigenen Bedürfnisse wahr und verfolgen diese auf einem für sie sicheren Weg. Sexarbeiter*innen gelten als Experten auf ihren jeweiligen Gebieten.


Gibt es Zahlen dazu, wie viel Prozent der Sexarbeit (un-)freiwillig ist?

Nö.

Man kann jedoch ein wenig was herleiten, wenn man sich durch Urteile durchhangelt, welche sich mit Straftaten sexualisierter Gewalt beschäftigen.

Meine Kollegin Undine de Rivière hat hierzu herausgefunden, dass es grundlegend einen Unterschied gibt zwischen den tatsächlichen Zahlen gemessen in Urteilen und der Dunkelziffer gemessen in eingestellten Verfahren ohne Urteil oder Dinge, die nie zur Anzeige gebracht werden. Schaut man sich nun die Urteile an und filtert den Anteil der „üblichen“ sexualisierten Gewalt, welche vermehrt im persönlichen Umfeld des Opfers stattfindet, heraus, dann bleibt für sexualisierte Gewalt gegenüber Sexarbeiterinnen nicht mehr viel übrig. Und die Methoden der Statistik müssten daher in der Folge entsprechend dem prozentualen Anteil in den Urteilen auch die Dunkelziffer behandeln. Kommt man also auf 80% „übliche“ sexualisierte Gewalt in Urteilen, so muss die Dunkelziffer ebenfalls mit 20% bei der sexualisierten Gewalt gegen Sexarbeiterinnen einschlagen.

Da diese Sisyphusarbeit jedoch ziemlich anstrengend ist, macht sich kaum jemand wirklich Mühe mit sowas. Daher kommt man in vielen Berichten immer auf so hohe astronomische Summen, dass es mehr unfreiwillige als freiwillige Sexarbeit gibt.

Wenn ich mich als Sexarbeitsgegner übrigens ständig in Beratungsstellen bewege, die sich mit dem Ausstieg aus der Sexarbeit beschäftigen, dann muss ich zum Schluss kommen, dass es keine freiwillige Sexarbeit gibt. Weil dort kaum Menschen arbeiten oder sich beraten lassen, die es freiwillig machen.


Ist das Einteilen in „gute“ freiwillige und „schlechte“ unfreiwillige Sexarbeit überhaupt möglich oder kann selten eine so genaue Linie gezogen werden? Bzw. wo siehst Du persönlich die Linie bei Sexarbeit aus persönlicher Not oder erst bei der Nötigung?

Es gibt freiwillige Sexarbeiter, die können nicht gut blasen, bieten es aber dennoch an und haben somit mit Oralverkehr keinen Erfolg.
Es gibt genötigte Sexarbeiter, die sind fantastisch im Blasen und deren Auftragsbücher sind randvoll.

Was ist nun gut oder schlecht? Wer fühlt sich besser oder schlechter in seinem Job? Schwierig, oder?

Zu unterscheiden ist für mich Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not von der Sexarbeit mit Nötigungshintergrund. Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not ist keine Straftat und die Entscheidung der Sexarbeit ist dann auch freiwillig gefallen. Vorwürfe in Richtung dieser Person verbieten sich mir, weil sie/er wird sich das hoffentlich gut überlegt haben und gut informiert sein.


Was kann man konkret gegen unfreiwillige Sexarbeit tun?

Genötigte Sexarbeiter bemerkt man in aller Regel recht schnell. Deren Stimmungslage „verunreinigt“ das Untereinander zwischen den Sexarbeiter*innen zB in einem Bordell ziemlich zügig. Gut geführte Bordelle nehmen das auf und bieten Gespräche darüber an und geben dann auch Hinweise zum sicheren Ausstieg.

Vor allem existieren bereits heute alle nötigen Gesetze für Straftaten aller Art, die es nur konsequent anzuwenden gilt. Es braucht kein gesondertes „Strafrecht Sexarbeit“.


Was hat sich durch das ProstSchG geändert? Was hat sich verschlechtert oder verbessert?

Das ProstSchG ist so überflüssig wie ein Kropf. Es erreicht nicht die Formen von Sexarbeit, die es schützen will. Vielmehr sehe ich es so, dass das ProstSchG die Gesellschaft vor der Sexarbeit schützen will und somit ein weiterer Schritt in Richtung Stigmatisierung der Sexarbeit darstellt.

Es wird ein finanzrechtliches Konstrukt erschaffen, dass eine höchst persönliche Dienstleistung, welche absolut legal ist, in ein Gewerbe zwingt, welches man überhaupt nicht anmelden kann. Und selbst wenn ich annehme, dass es ein guter Schritt wäre, dass ich ein Gewerbe auf meine Sexarbeit anmelden kann, so habe ich nur die Pflichten gegenüber dem Finanzamt gewonnen. Ich habe jedoch kein Gramm mehr Rechte erhalten. Das ist barer Unsinn.

Da es sich um Bundesrecht handelt, welches ohne Umwege über ein Landesrecht direkt jede Kommune für sich selbst auslegt, gibt es unterschiedliche Formen der Diskriminierung in der Ausführung. Die Stadt München hat zur Drucklegung dieses Beitrages hierfür ein eigenes Gebäude angemietet, welches nur Anfragen und Anmeldungen nach ProstSchG behandelt. Somit ist jedem Menschen an diesem öffentliche Ort klar, dass da die Frauen reingehen, die als Nutten wieder rauskommen. Das ist schon ein starkes Stück und hat nichts mit Schutz der freien Berufswahl zu tun.


Was hältst Du vom „nordischen“ Modell?

Nix.

Und bei böser Betrachtung ist das ProstSchG irgendwie ein Einführungsgesetz hierzu.

Sexarbeiterinnen dürfen nach „nordischem“ Modell zwar legal ihrer Tätigkeit nachgehen, aber nicht mehr gemeinsam in einer Wohnung mit jemand anderen. Sie müssen allein arbeiten und haben keinen Schutz mehr durch jemanden, der im Zweifel Hilfe holen kann. Die Freierbestrafung greift nicht, denn nur weil etwas illegal ist, wird es dennoch gemacht. Mord ist ja auch verboten und dennoch wird in Ländern, wo es dafür die Todesstrafe gibt, gemordet. Die Sexarbeit wird prekärer, verschwindet mehr im Untergrund und wird damit gefährlicher für die Sexarbeiterinnen.

Ich stelle mir soundso die Frage, warum kaum mit Sexarbeiter*innen gesprochen wird, wenn es um solche Sachen geht. Gut, dass es dafür nun den Berufsverband gibt, der sich hierfür anbietet.


Wie würde Deiner Meinung nach ein ideales Gesetz zur Sexarbeit aussehen, dass die schützt, die zur Sexarbeit gezwungen werden und die unterstützt, die gerne als Sexarbeiter*innen arbeiten?

Geltendes Strafrecht gegen straftätige Freier und Zuhälter konsequent anwenden.

ProstSchG abschaffen. Sexarbeit als Gewerbeanmeldung mit allen Rechten und Pflichten möglich machen.


Was können wir als Gruppe tun, um das Thema Sexarbeit zur entstigmatisieren?

Ich freue mich sehr darüber, dass ihr euch an mich gewendet habt, um eure Fragen klären zu können. Der unverkrampfte Umgang mit Sexarbeiter*innen ist ein deutlicher Anfang zur Entstigmatisierung. Wenn ich mal in der Nähe bin, komme ich gerne mal bei euch vorbei.

Sexarbeiterinnen sind mitten unter uns. Eventuell gibt es auch ein Bordell in eurer Nähe, welches ihr mal besuchen wollt? Einfach mal da anrufen und fragen, ob das außerhalb der Öffnungszeiten ginge und ob eventuell auch eine/einer der Sexarbeiterinnen anwesend sein kann.

Natürlich frage ich mich schon, was ich in eurem Alter schon von Sexarbeit wusste 😉 Aber es ist wichtig in Kontakt zu bleiben und sich zu vernetzen. Dabei helfe ich gerne, wenn ich kann und darf.

Redet über Sexarbeit und lasst euch nicht abwimmeln. Stellt Fragen und hinterfragt alles und jeden. Immer wieder. Jeden Tag. Denn nur so kann sich eine Gesellschaft entwickeln.


Bringt es was auf kommunaler Ebene was zu verändern oder müsste sich damit die Bundesebene befassen?

Die Stadt Köln hat die Gesundheitsberatung für und die Anmeldung als Sexarbeiter*in auf einem Flur zentral in das Einwohneramt Köln-Deutz verfrachtet. Da gehen täglich 1000e von Menschen rein, wegen allem Möglichen. Keine Ahnung, wie das bei euch aussieht, aber es ist einen Einsatz wert mal zu fragen, wie das bei euch aussieht? Wie wird das ProstSchG bei euch umgesetzt? Sind die Mitarbeiter entsprechend geschult? Alles Fragen, die eure Fraktion im Rat eurer Gemeinde mal anbringen kann. Das Ergebnis würde mich interessieren 🙂

Die Umsetzung des ProstSchG liegt alleine in kommunaler Verantwortung und bis dahin sollte die Bundesebene vielleicht mit eurer Hilfe daran arbeiten ein paar exaktere Ausführungsbestimmungen zu erlassen, so dass die Städte und Gemeinden in der Umsetzung dezente Vorgaben haben, die Sexarbeiter*innen bereits bei der Gesundheitsberatung zu und Anmeldung als Sexarbeiter schützen.


Das Interview mit der „Grüne Jugend Traunstein“ wurde als Skype-Interview am Sonntag, den 18.08.2019 mit mir geführt. Es handelt sich hierbei um ein Gedächtnisprotokoll.

Was bisher geschah … // Geschichten aus der Gruft.

Es wurde um ein echtes Erlebnis gebeten, also eine Geschichte aus der Gruft 😉 … weil ich bin halt schon alt 😀


Das ist jetzt schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich daran wie mein Dom mir aufgetragen hatte, dass ich eine Woche lang spärlich bekleidet (als Damenwäscheträger – DWT) jede Nacht mindestens für zwei Stunden auf einem „gewissen“ Parkplatz für ihn anzuschaffen habe. Das Spiel mit der Sexarbeit hat mich ja schon immer fasziniert und es ging gar nicht mal um Demütigung. Mein Dom wusste das und wollte auch nicht, dass ich es für Geld mache (diese Dates vermittelte mir mein Dom von sich aus), sondern dass ich „auf Quote“ arbeite.

„Am ersten Tag wirst Du mindestens einen Kerl aufreissen, am zweiten mindestens zwei bis es dann am fünften Tag halt fünf sind. Und weil Du keine weiteren Fragen mehr hast, darfst Du davon auch Fotos und Videos erzeugen. Also möchte ich Dich mindestens mit drei Männern beschäftigt sehen. Alles klar?“

„Ja, mein Herr!“

So sah ich mich dann in einem schwarzen T-Shirt-Kleid mit nichts drunter, schwarzer Perücke und High Heels auf einem DWT-Strich in der Nähe Kölns parlieren.

Ich mochte solche Sachen. Sehr sogar. Und vor allem, weil die nicht wirklich ausformulierte Aufgabe mir kreative Möglichkeiten gab darüber zu bestimmen, welche Serviceleistung ich mit wem zu erbringen gedenke und auch wo. Selbst die Plots zu Fotos und Videos fielen unter meine Regie.

Während ich bis zum Tag Drei alle Forderungen habe erfüllen können, also das Bedienen von sechs unterschiedlichen Männern per Blowjob und/oder Analverkehr, hatte ich kein Glück, was Fotos anging. Niemand wollte seinen Schwanz in die Kamera halten, so als ob man jene am Schwanz erkennen würde. Aber mit Tag Vier durfte ich auch nicht mehr wirklich wählerisch sein, aber es bereitete mir keine Probleme auch die „B-Männer“ in den Autos anzusprechen.

Bis ich dann faszinierend herausfand, dass einer Natursekt wollte. Also er wollte nur das. Ich sollte neben dem Auto knien und einfach den Mund aufmachen. Allerdings nicht nackt, sondern bekleidet. Da ich eh Wechselsachen dabei hatte, war das für mich okay. Er sollte der letzte Kunde an diesem Abend werden. Fataler Irrtum.

Während ich also die Kamera und dann mich positionierte und die ersten Strahlen seines Natursektes in meinen Mund regneten, kamen auch andere Männer hinzu. Ich konnte das nur aus den Augenwinkeln heraus sehen, aber da standen so drei Männer, die ihre Schwänze wichsten. Offensichtlich gefiel ihnen also dieser Live-Porno. Und einer nach dem anderen stimmte in den Regen mit ein und ich glaube, dass ich insgesamt 5 Minuten lang beregnet und mit Facials versorgt wurde. Und alles auf Kamera.

Somit hatte ich am Tag Vier ein Video mit vier Männern und mir und zusammen mit den Vortagen insgesamt 10 Sexualkontakte. Und ich hatte echt keine Ahnung, wie ich das noch an Tag Fünf steigern sollte. Also ich brauchte ja noch fünf Männer am Tag Fünf.

Doch leider konnte ich meine Quote nicht leisten, denn die Männer vom Vortag waren wieder da. Ich hatte zwar fünf Sexualkontakte am Tag Fünf, aber halt nur einen neuen dabei.

Dennoch konnte ich mit zwei Videos dienen (immerhin) und ich gab meine Arbeit am Tag Sechs ab.

Mein Herr schmunzelte mich an: „Ich bin sehr stolz auf Dich. Weißt Du das eigentlich? Es geht nicht darum alles zu erfüllen, sondern alleine das Bemühen darum ist wichtig. Das hast Du getan. Und das macht nicht jeder einfach mal so. Du hast es wirklich drauf.“

Hachja <3

Lange her. Bitte Gerne Danke.

Covern, aber richtig

In einer Gesellschaft lebend, in welcher der schnelle Spaß getriggert durch diverse Online-Portale nur einen Klick weit entfernt ist und immer mehr Menschen in diesen Teil des Lebens vordringen und auch immer mehr neue Menschen hinzukommen, steht auch immer wieder die Frage im Raum:

Wie schütze ich mich, wenn ich mich zum Zwecke des BDSM mit einem mir fremden Menschen treffe? Dieses „Covern“ … kann ich das mal sehen?


Ich möchte aus meiner persönlichen Perspektive berichten, also wie ich die Dinge selbst handhabe und ich möchte nicht viele Worte verlieren, sondern einfach eine Stichwortliste zum Abhaken erzeugen.

Dabei gehe ich davon aus, dass dem Date nichts im Wege steht, also Datum und Uhrzeit sind bekannt und es handelt sich nicht mehr um ein Kaffeetrinken. Es geht nun zur Sache.

Du bist im Besitz der bestätigten Existenz Deines Gegenübers. Du hast also Vorder- und Rückseite eines Personalausweises. Weil ohne das, würdest Du ja nicht daten, richtig? RICHTIG?


  1. Du wendest Dich offen an einen Menschen, der Dein Vertrauen hat.
  2. Dein Gegenüber hat Einverständnis gegeben, dass Du die persönlichen Daten Deines Gegenübers an einen Menschen zu 1. weitergeben kannst.
    (Wenn das nicht vorliegt gibt es ja auch kein Date, nicht wahr?).
  3. Du teilst der Person zu 1. alle Daten mit: Ort, Datum, Uhrzeit, Zimmernummer des Hotels oder Adresse einer Dir unbekannten Spelunke. Und immer, wenn sich daran irgendwie was ändert, teilst Du das der Person zu 1. mit. Und vielleicht hast Du noch eine andere Person zu 1. jetzt als Backup? Kann ja nicht schaden.
    (Dass Du keinen Fremden in Deine eigene Wohnung lässt versteht sich von selbst!)
  4. Du verabredest mit der/den Person(en) zu 1. wann und mit welchen Worten Du Dich von Dir aus telefonisch meldest. Nein … Du wirst keine WhatsApp schreiben, auch keine Sprachnachricht. Du möchtest, dass die anderen Deine liebliche Stimme hören.
    (Dein Date möchte nicht gestört werden? Pech für das Date, denn dann darf das Date es sich selbst machen und Du fährst erst gar nicht los, klar oder?)
  5. Sich alle 60 Minuten zu melden ist natürlich vollkommen albern, aber vielleicht so, bevor Du den Partner triffst („Ich gehe nun da mal rein!“) und vielleicht vereinbart drei bis vier Stunden später („Es geht mir gut, es ist toll … ja, Du kannst jetzt auflegen. Melde mich morgen. <3“)
  6. Für den Fall, dass eben nicht alles okay ist, solltest Du mit den Personen zu 1. ein Stichwort vereinbaren, welches kontextuell in den Rahmen passt, aber von dem Gegenüber nicht als solches erkannt wird.

    Meine Frau hat bei unserem ersten Mal das Wort „Fabelhaft“ gewählt. Ein Wort, dass im Satz „Danke, es geht mir fabelhaft <3“ mir nicht aufgefallen wäre, wohl aber ihrer Besten, die am Telefon saß.

    (Wir sind nun im Jahre Fünf, also ist davon auszugehen, dass es damals nicht fabelhaft gewesen ist.)

  7. Ganz wichtig. Wenn Du mehrere Personen zu 1. hast, dann lege für Dich fest, wen Du zuerst anrufst. Und wenn alles okay ist, dann soll die erste Person es der zweiten sagen, diese der dritten. Wie so eine Kette. Wenn es aber total aus dem Ruder läuft, dann lass es nicht ewig und drei Tage bei der ersten Person klingeln, sondern wähle dann gleich die 110! und erst danach kannst Du es wieder bei der ersten Person versuchen.

Ich hoffe, dass ich mit diesem kurzen Abriss helfen kann.

Gerne könnt ihr mir eure Erfahrungen in den Kommentaren mit auf den Weg geben.

Der gemeldete Dominus // #Sexarbeit #Sexwork #BesD

Auch wenn ich Mitglied im Berufsverband erotischer und sexueller Dienstleistungen bin und wir in der Gesamtheit dafür eintreten, dass die Meldepflicht (aka „Gewerbeanmeldung Prostitution“) verschwinden muss, so bin ich es doch. Also gemeldet.

Ich erinnere mich noch sehr genau an das Gespräch bezgl. Gesundheitsberatung und dass mir die Dame bei der Stadt Köln sagte, dass sie keine Gesundsheitsbelehrung machen würde, weil das einfach entwürdigend sei. Sie war jedoch sichtlich überrascht, dass ein Mann vor ihr saß, der sich zur Prostitution anmeldete.

Sie war sehr neugierig und auch wenn es kein Mandantengespräch wurde, machte sie sich einige Notizen und wir saßen so gemütlich fast 30 Minuten beieinander. Was denn so ein „Dominus“ mache und warum ich sowohl für meinen richtigen Namen, als auch meinem Künstlernamen vorspräche. Und das es sehr ausnahmig sei, dass ein Mann sich „wofür genau?“ anböte.

Die Dame meinte, dass in all der Zeit in welcher das ProstSchG gelte noch nie ein Mann bei ihr zur Beratung aufmarschierte. Wenn überhaupt dann nur als Begleitung für eine Frau. Offensichtlich „verwirrte“ sie einfach der Eindruck eines älteren Herren, der sich als Quotenmann im ältesten Gewerbe der Welt einschrieb und dazu noch genau wusste, was er da tat.

Ob ich keine Angst hätte, eventuell „entlarvt“ zu werden, was ja als Frau schon schwierig sei. Ich empfahl ihr einen Besuch auf meiner Webseite und einen Blick ins Impressum. Ich würde mich da schon selbst entlarven. Keine Bange.

Ob man sowas lernen könnte oder wie ich dazu käme, Frauen gegen Entgelt auch zu schlagen. Die Frage, woher meine weiblichen Kolleginnen ihre Expertise hätten, würde sie diese auch stellen? Es gibt kein Qualitätsmerkmal oder einen TÜV in der Sexarbeit. Manche sind bei einer Domina in die Lehre gegangen, aber solche Dinge sind vielleicht „nur“ Techniken.

Meine Zertifizierung ist meine Erfahrung und ein wenig Mundpropaganda. Außerdem sei ich mir darüber bewusst, dass Hetero-Escort nicht abendfüllend für die Kasse sei. Aber ich wolle eben nicht gegen ein Gesetz verstoßen, auch wenn ich der Meinung bin, dass diese Gewerbeanmeldung absolut daneben sei.

Außerdem komme es auch darauf an, dass man in der Lage ist eine gewisse Emphatie für jedes Gegenüber mitzubringen und dass man in der Lage ist, sich emotional abzugrenzen. Alles Dinge, die man nicht lernen kann. Kann einem nicht beigebracht werden. Und wenn man es nicht kann, wird man schauspielern müssen.

Ob ich mich als Konkurrenz zu einer Domina sehen würde? Nein, Dominas sind meine Kolleginnen. Und jeder meiner Kolleginnen oder Kollegen bietet andere oder ähnliche oder gleiche Dienstleistungen an. Das einzige, was ich ab und an erfahre ist, dass ich nicht als männlicher Sexarbeiter bei den Kolleginnen gesehen werde, sondern als verkappter Freier. Aber so ist das nun mal als Quotenmann in einem Gewerbe, in welchem überwiegend Frauen tätig sind. Muss man abkönnen. Und damit sich daran was ändert bin ich eben auch im BesD. Mühsame, aber schöne Eichhörnchenernährung.

Ich glaube, ich gehe kommendes Jahr unmittelbar nach meinem 50sten Geburtstag wieder zur Beratung. Und werde Kuchen mitbringen und die Auslegeware des BesD erneuern 😉