Strandkorb, T-Rex, Catnails #DreiWortStory #Blogparade for @provokrokant

Aufgaben sind dafür da, dass man sich Ihnen stellt.


Es wäre ziemlich einfach zu sagen, dass Margot am Meer lebt oder am Wasser haust. Vor einigen Jahren hatte sie ihre Sachen gepackt und sich auf den Weg zur Küste begeben. Urlaub. Erholung. Abschalten. So was halt. Sie fühlte sich ohne hin viel zu sehr eingebunden in das tägliche Einerlei. Neue Gedanken mussten her. Und nirgends konnte sie diese so gut aufgreifen, wie im Strandkorb an der Nordseeküste.

Und tatsächlich war diesmal alles anders. Zum einen, weil sie ohne Sack und Pack fuhr, also Kinder und Mann hinter sich ließ und zum anderen wusste sie noch nicht, was in diesen zwei Wochen so geschehen sollte. Sie wollte nichts tun und sich davon auch nicht unterbrechen lassen. Nicht, dass ihre Familie ihr zu viel wurde, nein, es war eher ein Urlaub von allem. Ihr Mann war alt genug sich auch mal allein um die Kinder zu kümmern und seinen Alltag mit Kindern zu strukturieren, statt immer nur dann was zu machen, wenn man ihn was fragt. Ein Lächeln kam auf, als sie sein denkwürdiges Gesicht vor ihrem inneren Auge sah, als sie ihm sagte, dass sie zwei Wochen lang für niemanden erreichbar sein wolle.

Ihre Mutter meinte, dass eine gute Mutter sowas nicht täte. Ihre Schwester glaubte, dass eine Scheidung ins Haus stünde. Ihre Kinder sahen das ein wenig anders, es würde ziemlich langweilig werden, aber sie würden das schaffen, wenn sie nur glaubhaft versichern könne, dass sie auch wiederkäme. Solange die Kinder damit okay gehen, immerhin schon 16 und 17, kann sie auch los. Alle anderen sind erwachsen, tendenziell, und müssen das mal ab. Wie kommen Menschen auf die Idee, dass eine Familie immer 24/7 aufeinander glucken müsse? Oder dass eine Ehefrau nicht Urlaub ohne den Ehemann machen können? Nun ja.

Ihr kleiner Koffer war nicht gemacht für den Kieselsteinpfad und stolperte hinter ihr her, als sie sich von der Fähre runter den Weg zum Appartement bahnte. Viel hatte sie nicht dabei. Sie hatte nicht vor auf den Swutch zu gehen, sondern einfach eine Zeit lang eine Wohnung für sich allein zu haben ohne ständigen Lärmpegel. Schlüpfer, Shirts, Sandalen und die uralte Jogginghose aus ferner Jugend waren ihre Begleiter. Mal nicht aufrüschen für den Job, mal nicht jemandem hinterher räumen, sondern ganz allein nur für den eigenen Müll zuständig sein. Geschirr gebrauchen, ohne es gleich wegzuräumen und die gleichen Sachen mal drei Tage tragen. Falls was anhaben, schließlich sollte es ziemlich warm werden.

Sie konnte sich fast gar nicht daran erinnern, wie das mal war in der ersten eigenen Wohnung. Nur auf sich gestellt. Fern von den Eltern. Nur, dass es ihr jetzt, 20 Jahre später, überhaupt nicht davor graute allein zu sein. T-Rex wird diesmal ohne Kompromisse rauf und runter gehört. So laut oder leise, wie sie das will, während sie dazu unter der Dusche singen konnte, ohne dass ein Hund mitjaulte. Oder ein Ehemann leise weinte.

Ja, dafür war es Zeit.

Die Feinheiten bei der Übergabe des Feriendomizils waren schnell erledigt. Die Türe hatte sich geschlossen und sie inspizierte die Wohnung erneut. Küche gut. Wohnzimmer gut. Schlafzimmer gut. Badezimmer mit Dusche und Wanne gut. Alles gut. Simpel und einfach. Fenster auf. Blick hinaus. Einatmen. Ausatmen. Margot entleerte den Inhalt des Koffers auf das Bett und sortierte alles fein säuberlich auf die Seite, wo normalerweise der Mann schlief. Warum in die Schränke mit dem Kram. Wäsche kann sie hier waschen und zum Trocknen reichte eine kleine Wäschespinne im Wohnzimmer. Irgendwie ein wenig rebellisch, weil Wäscheständer im Wohnzimmer – geht ja gar nicht!

Ihr fiel ihr Badeanzug in die Finger. Der erste Badeanzug, der ihr immer noch passte, seitdem die Kinder geboren waren. Vorher trug sie nur Bikinis und machte die Männer verrückt. Warum sie damals auf ihre Mutter gehört habe, die meinte, dass eine Mutter keine Bikinis zu tragen habe. Tja, sie war jung und hatte keine Ahnung vom Leben. Sie glaubte, dass sie mit der Mutterschaft auch ihre Sexualität beendet habe. Nicht, dass sie keinen guten Sex mehr hätte, das nicht. Ihr Mann war immer sehr um sie bemüht und versuchte solide zwischen schnellen Orgasmus von ihm und dem langsamen von ihr zu vermitteln. Und doch war ein wenig die Luft raus. Man kannte sich einfach zu gut.

Mit den Kindern war es fast nicht mehr möglich spontan Sex zu haben. Sie wollte ihren Mann an einem Sonntagmorgen mal mit einem Blowjob wecken, als auf einmal die kleine Tochter neben dem Bett stand und fragte, ob sie da mitmachen dürfe. 13 Jahre danach musste sie darüber lachen, aber zu dem Zeitpunkt war es ziemlich peinlich und im Ergebnis gab es nur noch dann Sex, wenn die Kinder woanders übernachteten. Man arrangierte sich damit.

In den Regalen im Wohnzimmer standen ein paar alte Bücher herum. Die üblichen Verdächtigen wie Simmel und Pilcher. Reiseführer von der Insel, die auch schon mal neuer waren. Kniffelblöcke, Kniffelbecher, nebst einem Würfel zu wenig. Malefiz, herrjeh. Und die Fernbedienung für TV und Musikbox. Margot überlegte, was sie nun machen sollte und entschied sich dafür erstmal was einkaufen zu gehen, um den gähnenden Kühlschrank zu füllen.

Der Ort auf der Insel war nicht sonderlich groß. Kleine Reetdachhäuser, viel Grün drumherum. Bäckerladen, Fleischerladen und ein „Hier gibt es alles andere“-Laden mit rostigem Fahrradständer. Sie schlenderte durch die kleinen Gassen und dachte, ob hier mehr Schafe als Menschen leben würden und blieb vor einigen Schaufenstern stehen. Antiquitäten, Tonwaren, Postkarten. Sie wusste nicht, ob die Schilder alt waren oder auf alt gemacht wurden. Und während sie anfing sich eine Einkaufsliste im Kopf zurecht zu legen, fiel ihr Blick auf einen etwas versteckten Laden.

Über einer kleinen Türe, deren Lackierung stellenweise bereits abfiel stand: „Catnails

 

Fortsetzung am 16.10.2020


Diesmal in der Blogparade

 

01.10.2020 https://training-of-o.de/blog/2020/10/01/strandkorb-t-rex-catnails-dreiwortstory-blogparade-for-provokrokant/

 

04.10.2020 / 05.10.2020 https://senior525.wordpress.com/2020/10/06/das-knicklicht/ https://senior525.wordpress.com/2020/10/07/blockadeparade/

 

10.10.2020 https://bdsmkettensklave.wordpress.com/2020/10/10/rasur-wald-buch-dreiwortstory-blogparade-meinneuanfang/

 

13.10.2020 https://provokrokant.wordpress.com/2020/10/13/eiszeit-fehlersuche-cuckold-dreiwortstory-blogparade-fuer-eheherrin/

 

15.10.2020 https://sofiesgeheimewelt.wordpress.com/2020/10/15/postkutsche-weiblichkeit-und-meersalz-dreiwortstory-blogparade/

 

16.10.2020 https://www.sarah-blume.de/2020/10/16/erdbeermarmelade-ropemarks-schwimmbad-dreiwortstory-blogparade-for-positivchen/

 

Aufruf: https://training-of-o.de/blog/2020/09/06/aufruf-zu-einer-blogparade-thema-dreiwortstory/

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