BDSM und Outing

BDSM Coaching

Viele Menschen leben BDSM im Verborgenen. Manche haben sich voll geoutet. Dazwischen ist viel Grauzone. Hier mal ein Gedankengang, warum und wieso das so ist.


a) Zunächst einmal … es ist privat! Und ich glaube, dass die meisten Menschen über das, was in ihren Schlafzimmern geschieht, schweigen. Ist sicherlich auch eine Erziehungssache, aber Sex ist grundsätzlich erstmal Privatsache. Ende der Geschichte.


b) Obwohl, so ganz privat halten es andere dann doch nicht. Schließlich besprechen, meiner Vermutung nach, mehr Frauen untereinander Beziehungsprobleme und damit wohl auch Sexprobleme, als ihre männlichen Gegenüber. Aber unterm Strich sind das keine öffentlichen Dinge, sondern geschehen unter dem Mantel der Verschwiegenheit.


c) Im weiteren Verlauf gibt es dann doch noch einen erweiterten „Freundeskreis“ in den sozialen Medien, wo die Menschen sich, mit Nicknamen und Avataren getarnt, offen austauschen. Legen wir zusätzlich mal fest, dass Menschen im Internet über Sex schreiben und unter dem Deckmantel einer gewissen Anonymität offen mit sich und ihresgleichen reden. 


d) Manche dieser Avatare sind jedoch keine Blumenbilder, sondern echte Menschen. Nämlich die Menschen hinter dem Account. Sie posten vielleicht sogar Bilder von sich, wo Gesichter mit Masken verdeckt sind oder auf digitale Weise verwischt wurden. Manche retuschieren auch Körperbemalungen und Piecings, um den nackten Körper nicht gleich identifizierbar zu machen. Was viele Gründe haben kann. Zum einen will man sich zeigen, aber nicht erkannt werden. Sie befürchten Probleme mit der Welt außerhalb dieser Anonymität. Dabei geht es um Stigma der Gesellschaft von Menschen zu a) oder vielleicht b). Weil Sex eben Privatsache ist auf der einen Seite und zusätzlich niemand wissen muss (oder soll), dass die Chefin eventuell „Überstunden“ mit ihrem Büroleiter macht.


e) Tja und dann gibt es die Avatare, die echte Gesichtsbilder zeigen und Fotos nicht mehr retuschiert werden. Ganz gleich wo, Menschen machen sich identifizierbar. Allerdings … ist das schon das Outing? Ich denke nicht. Denn Menschen zu a) und b) werden vielleicht niemals „diese“ Plattformen aufsuchen und so die Nachbarn erkennen. Wer also hinter Login und Passwort fröhlich vor sich hin schreibt, bleibt einem wohl mehrheitlichen Teil der Welt verborgen.


f) Nun sind Menschen zu e) mit Sicherheit auch irgendwie im realen Leben auf Partys unterwegs. Und eventuell treffen sie dort auf c) und d). Und weil man dort meistens Gesicht zeigt, ist das zwar schon ein deutlich erweiterter Kreis Menschen, aber vielleicht haben sich manche Menschen Spielnamen ausgedacht und reden von „Köln“ als Wohnort, obwohl sie eigentlich in Bergisch-Gladbach wohnen. Auch kein echtes Outing.


g) Meines Erachtens ist ein „wahres“ ™ Outing nur dann gegeben, wenn mindestens der familiäre Kreis (Eltern, Kinder, Geschwister) wissen, was man da so im Schlafzimmer macht. Oder man auch sonst mit fremden Menschen offen ins Gespräch kommt. Sich also als Swinger/BDSMer/Kinkster zu erkennen gibt. Das kann auch zB recht sinnvoll sein, denn wenn „alle“ es wissen, dann ist man weniger Angriffspunkt für die dunkle Seite des Outings: Dem Zwangsouting.


Sicherlich gibt es zwischen diesen Schritten noch Zwischenschritte und alles von a) bis g) ist richtig für die Menschen, die sich für irgendwas zwischen a) und g) entschieden haben.

Es ist allgemein bekannt, dass zB Buchautor*innen oder Podcaster*innen, aber auch Sexarbeiter*innen sich ein Pseudonym zulegen um damit ihre wahre Identität zu verschleiern. Ich würde diese so zwischen c) und d) einsortieren. Dabei geht es nicht mal um Probleme mit dem Fiskus, sondern einfach darum sich „gewisse“ Fans von der Backe zu halten. Ich kenne so zwei drei dieser Menschengruppen, die zB noch einen Hauptjob haben und es im Rahmen von „Tendenzarbeitgebern“ Probleme mit einem Arbeitsvertrag geben könnte. Weniger, weil dort Menschen in a) und b) sind, sondern weil aus nicht nachvollziehbaren Gründen Beschäftigte zB in sozialen Einrichtungen natürlich kein Privatleben haben.


Sich nicht zu outen hat viele gute Gründe. Und Menschen haben sich Gedanken genug darum gemacht, wie weit sie gehen wollen. Und ich finde, das ist immer und ausnahmslos zu respektieren.

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