#Sexarbeit im öffentlichen Raum

Im Leben der BDSMer kommt dann vielleicht der Tag, an welchen darüber nachgedacht wird, sich einem weiteren Kink zu öffnen. Ich glaube persönlich, dass nicht wenige sich mit dem Gedanken tragen das heimische Schlafzimmer zu verlassen. Schließlich muss man auch mal an die frische Luft.

Dabei denke ich nicht an die „nicht-öffentliche“ Öffentlichkeit (Partys, Pornokinos, Appartments, Studios), wo man davon ausgehen sollte, dass sich dort Menschen aufhalten, die alle aus dem gleichen Grund dort sind. Sehen und gesehen werden, spielen und bespielt werden. Was auch immer. Ob man nun diesen Gedanken hat und ob man das dann auch tut, sind ja immer zwei Dinge. Ist aber nicht das Thema.

Der Sexarbeiter an und für sich macht seinen Deal mit dem Kunden vorher und geht dann mit dem Kunden auf eine solche Veranstaltung und fällt hoffentlich nicht weiter auf, weil viele Veranstaltungen die Beteiligung von Sexarbeitern grundlegend ausschließen.

Mein Thema ist die „öffentliche“ Öffentlichkeit. Also der Reiz sich bei sexuellen Betätigungen außerhalb der oben beschriebenen Schutzzonen aufzuhalten. Kann ja nun vieles sein. Der Blowjob auf dem Ikea-Parkplatz. Auspeitschen im Wald. Erzwunges Einnässen unter einer Brücke. An einem Zaun angekettet werden.

Dieses „dabei erwischt werden“ von Dritten. Also nicht sich präsent auf den Markplatz stellen, sondern irgendwie „um die Ecke“ sein in der Hoffnung, dass niemand „um die Ecke“ kommt, solange das Spiel läuft. Pornographen wissen, was ich meine.

Oh und ja, ganz genau mein Fall. Mag ich. Und Kund*innen auch. Schauen wir uns aber lieber mal die Rechtslage dazu an:


 

§ 183 StGB – Exhibitionistische Handlungen

(1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.
(3) Das Gericht kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen, wenn zu erwarten ist, daß der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird.
(4) Absatz 3 gilt auch, wenn ein Mann oder eine Frau wegen einer exhibitionistischen Handlung

1. nach einer anderen Vorschrift, die im Höchstmaß Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe androht, oder
2. nach § 174 Absatz 3 Nummer 1 oder § 176 Abs. 4 Nr. 1
bestraft wird.


§ 183a StGB – Erregung öffentlichen Ärgernisses

Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 183 mit Strafe bedroht ist.


Das sind die Hauptinhalte, um die wir uns kümmern müssen.

Interessanterweise sind es nur Männer, herrjeh!, die exhibitionistisch sein können. <ironie> Also Frauen nackt ausführen käme hier in Frage. Lassen Sie sich da nichts einreden. </ironie>

https://jura-online.de/blog/2018/10/23/strafbarkeitsluecken-fuer-weibliche-exhibitionisten/

Was ich hier so flappsig darlege ist die aktuelle Lage im Exhibitionismus, aber glauben Sie mir: Lassen Sie das! Denn wir bewegen uns alleine im Bereich des §183a StGB (in diesem Kontext völlig ausreichend). Und da ist einfach jeder fällig, egal welches Geschlecht er hat.

Und wir können uns auch nicht damit herausreden, dass BDSMer ja gar keinen Sex haben oder so einen Nonsens. Es geht nämlich nicht um unsere Definition von Sex, sondern um das, wovon sich andere belästigt oder gar erregt fühlen könnten.

Wenn ich mit meinen Kund*innen in solche Szenen laufe, dann haben wir nicht die Absicht ein Ärgerniss zu erregen. Deswegen meiden Sie bitte Uhrzeiten, an welchen zB in Waldlichtungen Menschen unter 18 zu vermuten sind. Spielen Sie grundsätzlich nicht an Orten, wo Menschen unter 18 zu vermuten sind, egal um welche Uhrzeit. Spielplätze, Schulgelände zB sind in meinen Augen absolut Tabu.

Verlassene Bürogebäude, Fabriken haben einen ganz besonderen Charme für alle möglichen Menschen. Wenn ich also vorhabe mit jemandem mal dort hin zu gehen, dann besuche ich diese Orte vorher um mir einen Eindruck zu verschaffen.

Nichts ist dümmer, als stumpf einem Link von Google zu folgen, und dann kommt man mit Gast dorthin und da ist nichts mehr.

Ich warne am Ende Neugierige, dass es immer ein Kläger-Richter-Problem sein wird. Bleiben Sie also wachsam und passen Sie auf. Recherchieren Sie gründlich vorab und überlassen Sie nichts dem Zufall.

Vielen Dank.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.