Das Safeword … Fluch und Segen zugleich

Tatsächlich ist nun viel geschrieben worden, aber es ist immer wieder notwendig über wesentliche Grundlagen im Verhalten von Menschen im BDSM zu informieren.


Schauen wir uns einfach mal §228 StGB an:

Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.

Denn was bitte ist BDSM am Ende des Tages, wenn nicht die Erlaubnis des/der Einen etwas Strafbewehrtes an sich vornehmen zu lassen zum Zwecke des gemeinsamen Lustgewinns.

Davon deutlich abzugrenzen ist übrigens §177 StGB (1):

Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Beide Paragrafen habe ich natürlich auch verlinkt.


Ich bin ein absoluter Verfechter des Safewords. Ende der Nachricht.

Und das in absolut jedweder Hinsicht. Ich lege gar nicht soviel Wert auf irgendeinen Gefühlsdusel, sondern einfach auf die Tatsache, dass ich eine aktive Erlaubnis für meine Handlungen benötige, damit ich das Vertrauen gewinnen kann für meine Handlungen nicht strafrechtlich belangt zu werden.

Denn im Gegenteil zum Zivilrecht (§185 BGB), welches eine unerlaubte Handlung in bestimmten Fällen nachträglich heilen kann, ist dies im Strafrecht nicht möglich. Denn egal, ob Safe, Sane, Consensual oder Risk-aware consensual kink (gleicher Wikipediaeintrag wie SSC) gespielt wird: Der/Die (dominant) Handelnde verübt unterm Strich eine Strafttat und verübt damit ein Offizialdelikt, welches den/die (submissiv) Handelnde zum Opfer macht. Diese Taten müssen nach Anzeige, welche nicht zwangsläufig durch das Opfer angezeigt werden muss, durch den Staatsanwalt verfolgt werden.

Das Benennen eines Safewords durch den/die Dom gibt dem/der Sub somit eine Möglichkeit das Spiel jederzeit zu beenden. Wird das Safeword genutzt, wird der Tatbestand nach §228 StGB verlassen (Die Freiwilligkeit respektive die Einwilligung) und in jedem Fall der Sachbereich nach §177 StGB betreten.


Es ist mir persönlich wichtig alle Beteiligten im BDSM auf diese Dinge hinzuweisen. Stets und ständig und ohne Ausnahme. Es soll nicht die Freude am Spiel mindern, nur weil jetzt bekannt sein mag, dass man als (dominant) Handelnder irgendwie immer mit einem Bein im Knast steht. Denn auch im BDSM gilt irgendwie das Prinzip, dass wo kein Kläger sich einfindet, so kann sich kein Richter finden.

Mir geht es darum, dass (submissiv) Handelnde erkennen, wo verantwortungsvolle Dominanz meiner Meinung stattfindet. Nur Arschlöcher manipulieren in die Richtung, dass kein Safeword nötig sei, weil man ja so erfahren sei und jede submissive Fachkraft einfach von Zeitpunkt Null an lesen kann und „Wenn Du mich wirklich liebst, wenn DU mir wirklich dienen willst, dann darfst Du kein Safeword besitzen. Denn mit Safeword, kannst Du niemals wirklich frei sein und fliegen.“

In diesem Sinne verweise ich gerne auf meine Backlinks.


Backlinks:

https://herzinfucked634830523.wordpress.com/2019/08/05/meine-gedanken-zum-safeword/

https://neediesblog.wordpress.com/2019/08/03/das-safewort/

5 thoughts on “Das Safeword … Fluch und Segen zugleich”

  1. Ich bin etwas überrascht. Zitat von dir, als ich dich kürzlich nach deiner Einstellung zu einem Safeword fragte:
    »In meiner Lebeweise gibt es das nicht. […] Meine „O“ verzichtet auf das Safeword. […] Sie dokumentiert damit ihren Willen, tatsächlich meine „O“ sein zu wollen.«

    1. In der Tat. Dazu stehe ich auch.

      Jedoch ist eine Sub bei mir nicht von heute auf morgen „O“. Es ist ein Entwicklungsprozess, der ziemlich lange dauert. Wenn er denn überhaupt geschieht.
      Daher hat ein Safeword einmal existiert und man ist in diesem „eingespielt“ und daher nehme ich Bezug auch auf Deinen Blogbeitrag.

      Es besteht ein Unterschied zwischen „Sie hat kein Safeword“.
      Denn es bedeutet nicht, dass es nicht mehr existiert. Darauf weise ich in jeder Session und auch zwischendurch immer wieder erneut hin.
      Der Verzicht ist für mich vielmehr ein formaler Akt, denn eine in Stein gemeißelte Tatsache.

      Es wird vielmehr auch durch andere Dinge substituiert und das hast Du in Deinem Beitrag ganz entschieden gut herausgearbeitet.
      Deswegen habe ich den auch erwähnt.

      1. Danke erst mal für deine Antwort.
        Leider blicke ich nicht mehr durch, ob du nun vehement und unter allen Umständen auf einem Safeword bestehst (wie im obigen Beitrag postuliert) oder nicht (wie du es im von mir erwähnten Beitrag ausführst). Aber ich muss auch nicht immer alles verstehen 🙂

        1. Ich kann auf noch soviel bestehen, wenn die andere Seite diese Befugnis nicht einsetzen will. Es kommt auf die Tiefe und Intensität einer Beziehung an, ob ich das auf eine gewisse Art und Weise akzeptieren kann, oder eben nicht. 🙂

          So denke ich weiterhin, dass dieser Blogbeitrag ziemlich eindeutig ist und durchaus eine Vehemenz verdeutlicht 😉

  2. Ein sehr klar formulierter, verständlicher Beitrag.
    Wie die Beiträge zuvor auch, mit ein Grund, weshalb ich Sie so gern lese.

    Ich habe kein Safeword.
    Bewusst nicht.
    In meiner Verbindung ist dies nicht notwendig, aber ich weiß, dass mein Herr umgehend unterbrechen würde, wäre er der Ansicht, ich könnte nicht mehr ertragen.

    Ich hatte aber schon Safewords.
    Auch in der vorherigen Beziehung. In jener hat der Herr darauf bestanden – ich begrüßte das, und ich mußte es auch tatsächlich einmal nutzen.
    Und auch in den vorherigen Verbindungen bestand ich zumindest auf ein Ampelsystem.

    Auf ein Safeword verzichte ich erst, wenn ich mir zu 1000% sicher bin, dass mich meine dominante Fachkraft lesen kann.
    in meiner jetzigen Verbindung ist das so.

    Allerdings und das schrieb ich ja schon, würde ich am Anfang an einer Verbindung/Beziehung immer auf Safeword oder ein Ampelsystem bestehen, weil keiner der Beteiligten so gut sein kann, dass er den anderen bei der ersten Session umgehend richtig liest (Ausnahmen sind selbstverständlich möglich).

    Einen Widerspruch zu Ihren vorherigen Beiträgen, in welchen es um das Thema „O“ geht, kann ich nicht entdecken.
    Denn, aus meiner bescheidenen Sicht, gibts doch Unterschiede zwischen einer Sub, einer Sklavin, einer Zofe und einer O.

    Liebe Grüße

    E.

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