Regeln. Geil oder gemein?

Regeln sind wichtig. Sie sind aber nicht unbedingt nötig.


Wie bitte was?

Meiner bescheidenen Meinung nach kommen viele Fantasien im D/s mit diversen Regelwerken daher. Und diese Fantasien werden in einigen realen D/s-Beziehungen auch umgesetzt. Manche werden niedergeschrieben, manche nicht. Sie reichen von wenigen Dingen, wie zum Beispiel das Verbot von Hosen für die Dame, bis hin zu minutiös ausgearbeiteten Beziehungsverträgen, die in jede hintere Ecke über die Sub bestimmen.

Dabei ist es einstweilen völlig gleichgültig, ob ich direkt Begriffe wie EPE oder gar TPE in den Mund nehme. Jede D/s-Beziehung hat einfach welche.

Die Frage ist, ob diese nun geil oder gemein sind. Kommt halt drauf an 😉


Es kommt auf beide Beteiligten an, in welcher Tiefe man die Dominanz des anderen im Leben seiner Submission spüren will oder wie tief die Dominanz des anderen in Dein submissives Leben einwirken möchte. Und ich lasse das bewusst mal so stehen. Denn in meinen Augen dreht sich alles um genau diesen Punkt. Ein stilles Einvernehmen oder ein geschriebener Vertrag, welcher beide Seiten bindet. Und welcher gemeinsam erarbeitet wurde.

Wer sich zunächst als kompletter Neuanfänger mit Regelwerken auseinandersetzt, der wird diese haben. Oder zumindest haben wollen. Ausgesprochene Wünsche, um den Partner besser zu verstehen. Wenn aus der submissiven Sicht betrachtet wird, dann liegt der Wunsch auf der Hand, es dem dominanten Partner einfach nur Recht machen zu wollen. Er will mich sehen, er will mich so haben, er will, dass ich das und das immer so oder so mache. Regeln bedeuten Macht und Kontrolle. Was hoffentlich etwas ist, dass der eine gibt und der andere braucht.

Sowohl Dominanz als auch Submission werden in vielen Fällen jedoch auch erkennen, dass es reale Grenzen im Leben gibt, die das Befolgen von Regeln unter Umständen unmöglich machen. Die Mutter von fünf Kindern hat unter Umständen weniger Möglichkeiten als die alleinstehende Studentin. Oder aber auch umgekehrt. Die äußerlichen Umstände sind nicht immer der Garant für das Befolgen von Regelwerken. In meinen Augen ist es vielmehr eine Kopfsache, die verhindern, dass Regelwerke befolgt werden können.

Daher muss ein Regelwerk steter beidseitiger Kontrolle unterliegen und eben auch realistisch sein und bleiben. Dominanz muss erkennen, ob eine Regel nicht befolgt werden will (und damit auch bestraft wird) oder eben nicht kann (und folgenlos bleibt). Und eben auch anderes herum bedeutet ein Nicht-Können nicht automatisch ein Nicht-Wollen.

Unterm Strich kommt es auf Kommunikation an. Wie für immer und in allem im Leben gilt es im D/s ganz besonders. Offene und ehrliche Kommunikation.


Regelwerke sind in erster Linie weder geil noch gemein, sondern manifestieren einen Wunsch beider Seiten nach der Spürbarkeit von Macht und Kontrolle, gebettet in Zuwendung, Verständnis und auch Liebe füreinander. Wie kann ich Dominanz ausleben, wenn Submission keine Regeln hat? Und wie kann Submission Dominanz spüren, wenn diese nichts vorgibt?

Für meinen Teil gibt es nur wenige Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Sexuelle Gefügigkeit ist ein nicht kleiner Teil, aber eben nicht die Hauptsache. D/s besteht nicht nur daraus, dass ich stets und immer sexuellen Zugriff auf eine Sub haben will. Ein Mann wird diesen Zugriff auf jede Frau haben können, wenn er ihr genügend Liebe und Aufmerksamkeit schenkt. Und ich glaube wirklich, dass das ein Nobrainer ist. Eine Frau in ihren Gefühlen zu bestätigen und das auch so meinen, sie zu begehren, zu achten und zu respektieren ist meiner Erfahrung nach schon immer der wahre Grund gewesen, warum Frauen ihre Beine für mich geöffnet haben. Aber eben auch Zurückhaltung in der richtigen Minute, wenn sexuelle Begierde eben nicht die Lösung ist, sondern ein Problem wird.

Wenn ich also sage, dass eine Frau in einem Kleid für mich einfach nur schön ist und sie sieht, wie meine Augen leuchten und sie erkennt, dass sie so eine Wirkung auf mich hat, ist das was Schlechtes? Oder wenn eine Frau darauf hin vermehrt in meinem Beisein Kleider trägt, weil sie „auf diese Weise“ von mir angeschaut wird? Lassen wir das einfach mal wirken und überlegen uns, ob es hier nicht vielleicht schon sowas wie eine kleine Regeländerung im Leben der Frau gegeben hat? Und … ist das schon D/s? Ich denke nicht.

Natürlich akzeptiere ich, dass es Momente im Leben gibt, wo Kleider nicht angebracht sind. Vielleicht sind das berufliche Situationen, wo es auf puren Pragmatismus ankommt. Oder welche eben auch immer. Auch im D/s respektiere ich die Frau als sie selbst, aber in bestimmten Situationen des Lebens stelle ich eben die „3H-Regel“ auf (Halsband, Halterlose, HighHeels in Schwarz ohne Schnickschnack). Eine einfache und klare Sache. Und zwar, weil ich meine Partnerin „auf diese Weise“ ansehen will. Und weil ich das vorab bestimme … das ist D/s.

Es liegt jedoch an der Partnerin das in bestimmten Momenten zu akzeptieren. Und es liegt auch an der Partnerin diese Regel, wenn sie das möchte, auch auf andere Bereiche des Lebens zu erweitern. Und eben wie und auf welche Art wir kommunizieren. Und so kommen dann nach und nach weitere Dinge hinzu. Vielleicht. Oder es werden weniger. Oder es wird sich eingependelt. Eventuell.


Regelwerke können belastend sein. Herausfordernd. Überwindung kostend. Schmerz bereitend. Sie sollten und müssen jedoch immer das Ergebnis einer nicht übertriebenen Anzahl von Wünschen von dominanter Seite und der Akzeptanz der submissiven Seite unterliegen. Wenn die Regeln nicht verstanden werden (Manchmal muss aber auch ein „Weil ich das so (nicht) will!“ reichen), dann ergeben diese einfach keinen Sinn.

Im #CircleOfFalbalus gibt es ganz genau nur EINE Dame mit einer schriftlich verfassten Regelung, welche allein ihre Bedürfnisse reflektiert. Ich habe diesen Wunsch nach Regelung akzeptiert, weil mir dadurch Kontrolle und Macht explizit von der submissiven Seite geschenkt wird. Ich genieße diese Hingabe, weil ich Macht und Kontrolle eingebettet in Zuneigung ausüben darf. Alle anderen unterliegen eher mündlich vereinbarten, jedoch höchst unterschiedlichen Regelungen. Diese basieren auf den Grundregeln, die ich an vielen Stellen dieses Blogs immer wieder niederschreibe.

3H, Öffentlichkeit, Fremdvergabe.

Und jede Regelung ist höchst individuell, auch wenn sich das nur mit den Stichworten als „über einen Kamm geschert“ darstellt.


Es gibt sie, die Links ins Innere dieses Blogs:

Der Sklavenvertrag – Regelwerke, die 100drölfzigste … // #TheTrainingOfO – Regelwerke 3.0 – Für jede(n) das Gleiche? – #TheTrainingOfO – Regeln X.5

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