Warum fühlen sich einige BDSMer irgendwie „besser“ als Stinos?

Das ist eine sehr feine und sehr berechtigte Frage.

Sie entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik, denn wenn dem tatsächlich so ist, dann ist das Murks.

Für mein Verständnis sind wir BDSMer weder besser noch schlechter als die Stinos. Wir sind nur anders.

Es bleibt natürlich die Frage, warum einige meinen ihre sexuellen Präferenzen über die der anderen zu stellen.

Was ich nicht anführen möchte ist zum Beispiel Neid. Denn wer von oben herab auf andere schaut, der ist nicht neidisch.

Eventuell ist das irgendwie eine falsch formulierte Art von Stolz darauf, dass man es geschafft hat, die üblichen moralischen Grenzen überschritten zu haben?

Persönlich empfinde ich so ein Gebaren als ziemlich kleingeistig und wenig erwachsen. Wenn wir doch alle so tolerant sind, dann können /jene/ BDSMer im besten Sinne einfach erhaben auf die Stinos schauen und es dabei bewenden lassen. Aber ich befürchte, dass dies nicht unbedingt in der menschlichen Natur angelegt ist. Wir müssen irgendwie (be-)werten und in diesem Zuge auch (ver-)urteilen. Damit möchte ich das nicht entschuldigen, aber nur zu denken geben, dass auch innerhalb dieser sog. BDSM-„Szene“ ganz exakt auch untereinander nicht alles gülden glänzt.

Mir wurde zum Beispiel öfters vorgeworfen, dass das D/s, welches ich favorisiere irgendwie gar kein D/s sei.

Für den dominanten Part ergäbe sich nicht das Problem sich genauer zu erklären. Man habe halt einfach einen Lebensstil und geeignete submissive Fachkräfte würden sich diesem Stil einfach anschließen, wenn er denn zu ihnen passe. Ganz zu schweigen davon, dass ich viel zu weich sei und mir nicht anmaßen könne, überhaupt auch nur irgendwas mit BDSM zu tun zu haben. Dem stehen aber auch diejenigen entgegen, die diese meine #TheTrainingOfO als viel zu hart empfinden und das wäre meine versteckte Grundeigenschaft garantiert Frauen einfach nur hassen zu müssen. Was diejenigen gleich mitverurteilt, die sich meiner Kenntnis nach vollkommen freiwillig unter meinem Joch versammeln. Ich frage mich dabei dann immer – ja, was denn nun?

Ebenso gibt es da durchaus den „Krieg“ unter dem SMern, die sagen, dass beim reinen SM nicht gevögelt wird, während die anderen das durchaus machen. Und ja, werter Leser, BDSM ist ungleich SM, den SM ist nur ein Teil des Ganzen. Aber, das weißt Du ja. Tatsächlich gibt es SM-Clubs, die Penetration sogar in ihren Statuten verbieten. Persönlich finde ich das seltsam, aber so sind halt dann deren Regeln und ich habe mich als Gast daran zu halten. Und kann entscheiden, ob ich da hinwill oder eben nicht.

Übrigens auch die Seilknüpfer haben derlei Probleme unter sich. Bondage ist sich damit genug, dass die beseilte Person mehr oder weniger unfähig zu weiteren Bewegungen hübsch betrachtbar ausgeliefert ist. Und doch wollen manche Beseilte zusätzlich den Übergriff in diesem Moment auch beschlafen zu werden. Es ist halt deren Kick. Finde ich persönlich alles nicht tragisch. Jeder so, wie es halt gefällt.

Würde ich mich dem anschließen wollen, dann finde ich zum Beispiel aktives Lachen oder Necken während einer Session für „geht gar nicht“. Weil wer lacht, hat eben noch nicht genug Aua bekommen. Untergrabung des Machtgefälles. Auslachen des dominanten Parts. Oder so. Persönlich zelebriere ich meine Damen und mich in Stille und wenigen hörbaren Kommandos. Weil das halt eben mein Ding so ist. Und doch akzeptiere ich Paarungen, welche sich necken und während einer Session rumalbern und ich kann diesem Schauspiel auch etwas abgewinnen, weil es sichtbar ist, welche Freude beide aneinander haben. Jeder eben so, wie es halt gefällt.

Das sind nun alles Beispiele aus meinem persönlichen Erlebnisbereich und allein diese Auflistung könnte Grund für eigene Beiträge sein.

Worauf ich einfach hinaus will ist, dass diese Menschen, welche meinen sie hätten mit BDSM einfach den besseren Sex als die Stinos, von ihrer Warte aus ebenso Recht haben, wie die Stinos, die mit ihrem Sex sehr glücklich sind und das auch gerne betonen. Der Mensch macht es durch Kommunikation zum Problem. Sender, Empfänger und so was.

Wir sind darauf programmiert uns auf eine gewisse Art zu rechtfertigen, zu verteidigen und da ist es wohl manchen Leuten völlig egal, ob sie dabei die Grenzen des Respekts, welcher ihnen tendenziell heilig sein sollte, gegenüber denjenigen überschreiten, welche sie für minder sexuell begabt halten.

Liebe Stinos,

BDSM ist schon großartig. Aber es ist eben eine sexuelle Spielart, respektive Neigung, wie so viele andere sexuelle Neigungen und Spielarten eben auch. Egal was manche Menschen euch sagen wollen. Natürlich lade ich gerne im Rahmen meiner #Sexarbeit Singles und Paare dazu ein, sich mit BDSM zu beschäftigen. Und auch wenn es wie Werbung klingt … hust … es ist wesentlich sicherer sich mit BDSM zu beschäftigen, wenn man jemanden „dazu“ holt, der Grenzen respektiert und von welchem es „danach“ keine Anhänglichkeit zu befürchten gibt. Aber niemand ist halt dazu gezwungen BDSM zu machen oder auszuprobieren, wenn es schwer ist das gedanklich zu fassen.

Wir sind weder besser, aber auch nicht schlechter, sondern eben nur anders. Nun gut, vielleicht auch nur anders „normal“ 😉

 

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