Trennungen im BDSM

Insgesamt verwenden wir sehr viel Zeit damit uns kennen zu lernen, wir lernen worauf wir so alles achten sollen, damit es auch alles richtig wird und sich tief und intensiv leben und fühlen lässt.

Wer denkt zu Anfang schon an das Ende? Ist ja schon doof genug bei normalen Beziehungen sich eventuell mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung zu befassen oder gar vor der Ehe einen Ehevertrag aufzusetzen.

Das Thema ist schwierig – keine Frage. Wir verbinden mit BDSM eine Menge mehr, als mit reinen Stino-Beziehungen. Und auch hier sind Trennungen nicht einfach, so einvernehmlich diese vielleicht auch sein mögen. Manche sagen, dass das im BDSM, wo es doch „nur“ ums härtere Beschlafen ginge, einfacher sein müsse. Man geht einfach zur nächsten Sub oder nimmt sich den nächsten Dom und überschreibt damit die alte Bindung einfach mit einer neuen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die Art der Trennung eingehen. Manche führen Trennungsgespräche Auge in Auge, manche schreiben einfach eine WhatsApp oder machen beides oder telefonieren zumindest oder sonstwas. Alles kann aus pragmatischen Gesichtspunkten richtig und moralisch dennoch falsch sein oder anders herum. Mir sind die Folgen an dieser Stelle deutlich wichtiger.

Meine Sub / Mein Dom hat sich von mir getrennt – Was nun?

Zunächst ist es für den, der geht ein wenig einfacher zu gehen. Sie/Er hat sich schon länger damit beschäftigt und hat damit einen Wissensvorsprung. Sie/Ihn trifft das eventuell in voller Fahrt und es tut dennoch weh, selbst dann, wenn sie/er es geahnt hat. Und oftmals bleibt sie/er mit Fragen zurück. „War ich nicht gut genug? Wo lag mein Fehler wirklich? Welchen Fehler habe ich gemacht?“ und auch, wenn es im Verabschiedungsgespräch ganz eindeutig und ganz exakt um die Problematik ging, so wollen viele das einfach nicht hören.

Fakt ist in meinen Augen, dass man es auf sich beruhen lassen muss. Wie auch bei einer Trennung im Nicht-BDSM-Bereich wird man wahrscheinlich von der sich trennenden Person keine Antwort mehr erhalten, welche auch nur irgendwie erfüllend genug wäre eine Trennung zu begründen.

Klingt böse, hmmm?

Der Schmerz sitzt tief, wenn es einen trifft und das Herz wehrt sich mit allen Sinnen dagegen, diese Trennung hinzunehmen. Wo das Herz auf der anderen Seite bereits fort ist, ist es auf der abgetrennten Seite weit offen und wund.

Dies führt gerade im Bereich Submissivität zu Vorkomnissen und diese muss die/der Sub mit sich alleine ausmachen. Ein Dom tut gut daran Funkstille zu halten. Ein „Herausbegleiten“ aus einer D/s-Beziehung halte ich persönlich für nicht wirklich machbar und am Ende auch kontraproduktiv. Denn mit jedem weiteren „Trennungsgespräch“ bleibt die Hoffnung beim Getrennten erhalten, dass es vielleicht doch noch gut geht. Wenn man also als Dom entschlossen ist, dann sollte man die getrennte Sub nicht in dieser Hoffnung halten und tatsächlich und endgültig gehen.

Je nach Konstitution der Submissivität braucht diese zeimlich lange, um sich von diesem Schock zu erholen und ich höre des Häufigeren solche Dinge, wie „Ich werde niemals wieder ein Halsband für jemanden tragen“ oder „Nie wieder D/s“ oder oder oder. Meine Erfahrung zeigt mir, dass dies durchaus in diesem Augenblick absolut richtig ist. Derlei Äußerungen gehören zum Schmerz dazu, sind aber am Ende ähnlich dem „Nie wieder heiraten“ oder „Nie wieder Alkohol“. Die Wenigsten werden sich am Ende dem BDSM entziehen, weil sie sich einfach nur in diesem BDSM wirklich lebendig gefühlt haben.

Ich würde diesen Subs auch gerne entgegnen, dass wenn man sich entschließt, nie wieder BDSM zu machen, dann gibt man dem ehemaligen Partner die finale Macht über das eigene Leben. Einen Status, welcher ihr/ihm einfach nicht zustehen darf. Denn schließlich hat sie/er mich verlassen, also warum soll er mich noch weiterhin kontrollieren dürfen?

Es ist nicht leicht, diese Leere zu ertragen, welche sich für die getrennte Person von jetzt auf gleich ergibt. Und ich habe da auch nicht wirklich ein Rezept dafür. Wenn aber Fragen offen sind, dann stellt diese umgehend und nicht erst in weiteren vier Monaten. Denn damit nehmt ihr euch selbst die Zeit eines möglichen Loslassens. Der sich Getrennte bleibt dann ein wesentlicher Aspekt eures Lebens, an welchem dieser aber kein Interesse mehr hat. Ja, da steht nicht „zu haben scheint“, sondern „hat“. Ein hartes Faktum. 

Wenn der ehemalige Partner nun kein Interesse daran hat, sich weiteren Antworten hinzugeben, passiert meistens, dass alle möglichen künftigen Partner mit diesen Vorschusslorbeeren ausgestattet werden. Das ist menschlich, aber falsch. Denn der mögliche künftige Partner kann nichts dafür, dass ein anderer ein Trümmerfeld hinterlassen hat. Wer in der neuen möglichen Anbahnung offen anspricht, was ihr/ihm so passiert ist, wird das Gegenüber entweder sensibilisieren oder vielleicht vertreiben. Vertraut euch bitte dem an, den eure Vergangenheit nicht zu Mitleid anstachelt. Sie/Er sollte wissen wollen, wohin Du in Zukunft gehen willst. Etwas Neues beginnen und nicht alte Erinnerungen ständig erwecken.

Nichts im Leben ist zu 100% sicher. Aber sich deswegen gleich allem und jedem zu entziehen, ich wiederhole mich, gibt dem Ex weiterhin Macht. Klingt nach einem Kalenderspruch, aber ich finde ihn richtig, wichtig und gut.

So möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht auf einen emotionalen Unterschied zwischen Frauen und Männern hinaus, weil beide zu völlig gleichen Emotionen fähig sind. Egal, ob sie Sub oder Dom sind. 

Was aber nicht bedeutet, dass Doms davon unberührt bleiben, wenn Subs ihnen Lebewohl sagen. Und zwar egal aus welchen Gründen. Rein subjektiv denke ich nach wie vor immer wieder an meine Damen, die sich entschieden haben zu gehen und das wird sich wahrscheinlich nie ändern.

Tara, Dala und auch „M“ werden immer ein Teil meines Lebens bleiben und ein Teil in mir wird sie auch weiterhin vermissen. Um das mal deutlich aufzuschreiben.

Natürlich ist dieses alles auf meinem Mist gewachsen, aber es ist ein Erguss aus eigener Erfahrung, einigen Gesprächen in der letzten Zeit und dem tiefen Mitgefühl (nicht Mitleid!) mit denen, welche sich gerade in so einer Phase befinden. Fühlt euch einfach mal gedrückt. <3

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