Ich bin nun hier …

… und nun bleibe ich einfach da.

‚Gott, was für ein Dummsinn‘, dachte sie sich, ‚Das geht nicht, Mädchen. Das ginge viel zu weit‘ – ‚Aber ich fühle doch so!‘ – Engelchen und Teufelchen auf ihrer Schulter gaben sich mal wieder ein StellDichEin und so langsam fing es an sie zu nerven.

Der große Tag stand kurz bevor und vielleicht nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal „so“, würde sie ihm gegenüber stehen. Wochenlang haben sie nun geschrieben, sich angenähert und Gedanken ausgetauscht, und waren sich völlig einig. Heute ist „The Day of the Tentacle“, ihr persönlicher Tag der Entscheidung. Obwohl diese Entscheidung schon gefallen war, als sie ihm zum ersten Mal begegnete. Doch diesmal ging es um viel mehr als nur ein Käffchen in Ehren, welches niemand verwehren kann.

Sie war bereit einen Schritt weiter zu gehen, auf ihn zuzugehen. Er, der an keiner Leine zog auf der einen Seite und Sie, die sich dennoch zu ihm hingezogen fühlte. Und sich selbst an seiner lockeren Leine ziehend auf ihn zu bewegte. Eines war ihr sicher: Nach diesem Abend wird nichts mehr sein wie es vorher war. Sie würde sich noch mehr in seinen Fängen befinden. An dem Platz, welcher ihr zugeteilt und versprochen wurde. Zu seinen Füßen, an seiner Seite.

‚Was werde ich machen, wenn ich ihn sehe?‘ – ‚Seinen Ring küssen wirst Du!‘ – ‚Doch nicht in der Öffentlichkeit!‘ – ‚Du kannst doch gar nicht anders, Du dummes Ding!‘ – ‚Ich bin nicht dumm, Du blödes Huhn!‘ – ‚Orrrr!!‘ – ‚Selber!!!‘

Sie wusste genau, was geschehen würde. Sie wusste es ganz genau. Alleine fehlte ihr die Vorstellungskraft, sich dies selbst einzugestehen. Eine winzige Geste der submissiven Hingabe. Mehr war nicht nötig. Irgendwas, was ihn beeindrucken würde. Ihn von ihr überzeugen. Das sie es wirklich ernst meinte. Sie wollte seine Sub werden, seine Lustsklavin. Aber sich eben nicht aufdrängen. Und doch eindeutig und nicht interpretierbar genau dieses Zeichen setzen, welches eine neue Epoche in ihrem Leben starten sollte. Von der vermaledeiten Virtualität in die Realität mit ihm gehen.

‚Er ist der Mann, er soll anfangen.‘ – ‚Nein, er wird mein realer Herr werden, da muss ich mich ihm anbieten.‘ – ‚Schwächelst Du? Du bist ihm doch schon verfallen! Und er hat Dich doch bereits angenommen! Du hast doch schon genug Signale gesendet. Soll er doch das Besiegeln anfangen.‘ – ‚Ich bin eine starke Sub und will keine Angst haben auf ihn zuzugehen. Es ist meine Aufgabe ihm mein ultimatives Einverständnis zu geben. Also Fresse jetzt!‘

Das Teufelchen setzte sich in seine Ecke und schmollte. Das Engelchen grinste zufrieden. Sie selber machte eine wischende Handbewegung und beide Imaginationen verschwanden fürs Erste.

‚Was ziehe ich eigentlich an? Das was ich will oder das was er will? Oder ist das schon das Gleiche?‘. Sie blickte in den Spiegel und betrachtete sich. ‚Ganz passabel, Du Stück!‘ grinste sie sich an. Schwarze Pumps, Jeans, enges T-Shirt, Haare offen: ‚Ja, das passt. Er hat mir mehrfach gesagt, dass meine Alltagskleidung mir gut stehen würde und ich einfach nur guten Geschmack hätte. Dafür lasse ich den üblichen Choker weg. Ein nackter Hals wird ihn locken, genau das zu ändern. Das muss reichen.‘

Sie fühlte sich wohl und verwies mit einem strengen Blick sowohl Engelchen und Teufelchen erneut auf ihre Plätze. Und sie wusste auch, dass sie sehr spät, als die Frau, das Wesen, welches sie wirklich ist, wieder heim kommen würde.

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