Die Alphafrau als „O“ #TheTrainingOfO

Auch wenn es mir gesundheitlich derzeit nicht ganz so gut geht (Grippewelleopfer), so höre ich ja nicht mit dem Denken auf. Und so habe ich mich mich mal durch mein Sammelsurium an Internetdevotionalien geschunden und bin auf dieses Bild „The Alpha Female“ gestoßen.

Und ich fange mal wieder meine Suche nach den Definitionen der „O“ in der Moderne an und ob und wie das überhaupt gehen kann.


Um es gleich vorweg zu nehmen. Nicht jede Frau kann „O“. Und das ist auch völlig okay so. Und auch nicht jeder Mann kann „O“-führen. Was ebenso völlig in Ordnung ist. Menschen haben unterschiedliche Talente im Bereich des BDSM und manchmal treffen Paarungen aufeinander, welche unterschiedliches wollen und daraus werden dann Unpaarungen, die es besser bleiben lassen sollten.

Die Frage, die ich mir diesmal stelle, ist welchen Charakter eine Frau haben muss, um eine „O“ wirklich sein zu können. Schließlich geht es ja nicht alleine nur um das Wollen oder das Wünschen. Und natürlich auch gepaart mit der Frage, ob man eine Frau wirklich in diese Richtung „trainieren“ kann, wie die Domain dieses Blogs es so treffend zu suggerieren scheint.


In der Abgrenzung von der Sub und der Sklavin habe ich für mich selbst festgelegt, dass eine „O“ die Königsdisziplin darstellt und alle Arten von Submission in einem Wesen vereinigt. Die erotische Variante der Sub und die masochistiche der Sklavin. Diese Sichtweise unterscheidet sich übrigens ganz wesentlich von der Romanvorlage, in welcher „O“ fast ausnahmslos nur den sadistischen Neigungen der Männerwelt heimfällt und kaum, vordergründig, erotisch, im Sinne von „Sex haben“, mit Männern in Erscheinung tritt.

In meiner kleinen Welt reicht mir das nicht aus. Und deswegen setze ich meine Definition einfach voraus.


Wenn es also im #TheTrainingOfO darum geht eine Frau auszubilden, dann verbinde ich damit nicht unbedingt meinen persönlichen Wunsch ganz exakt diese Frau dominant zu beschlafen. Irgendwie ist das nicht das Maß welches ich ansetze. Ich möchte meinen Voyeurismus bedienen (lassen) und teile die Sub als Dominanter Wifesharer. Ich setze meinen Willen bei der Partnerwahl über den natürlichen Wunsch der Selbstbestimmung der Sub und fordere von ihr nach meinem Sinne, dass sie sich jedem hinzugeben hat, den ich auswähle.

Im anderen Teil erwarte ich von der Sklavin, dass sie sich auf eine gewisse Art ausbeuten lässt und für Fehlverhalten empfindlich bestraft wird. Sie wird vielleicht unfair behandelt und bekommt Aufgaben, welche sie nicht oder nur schwer erfüllen kann, sie muss im #TheTrainingOfO an der einen oder anderen Aufgabe scheitern, um durch eigene Disziplin besser zu werden, um es dann eben doch hinzubekommen.

Auf diesem Weg wird dann immer mal wieder reflektiert, ob es ein Zusammenführen beider Wege geben kann. Ja, oder eben nicht. Ich sehe das ziemlich locker, weil ich zwar gerne eine „O“ führen möchte, aber es taugt eben nicht jede dazu. Ich sehe das auch vor dem Hintergrund, dass auch ich vielleicht nicht der Richtige sein muss und ein anderer würde es ganz einfach hinbekommen. Wie heißt es so schön? Es muss eben passen.


Ich denke, dass der Charakter einer „O“ dem Schaubild ziemlich nahe kommt. Und irgendwie erinnert mich dies an die Charaktereigenschaften eines Mannes, der zum Dom taugt.

Eine Frau, die „O“ sein will kann durch das #TheTrainingOfO durchaus zur „O“ gemacht werden. Da bin ich mir ziemlich sicher. Jedoch muss die charakterliche Stärke in ihr selber deutlich weit weg von „Ich probiere das mal und dann sehen wir weiter!“ liegen.

Als ich Sub war hatte ich zu Beginn null Ahnung, von dem was ich wollte. Ich hatte zwar Bilder im Kopf, aber mein Weg hin zur männlichen „O“ war gepflastert von Erfolg und Scheitern. Und irgendwie mehr Scheitern als Erfolg. Es hat mehr als ein paar Monate gedauert, bis ich mir bewusst wurde, dass ich nicht nur Sub war, sondern auch Sklave. Und das ich vollumfänglich bereit bin Körper und Seele für welche sachdienlichen Zwecke auch immer diesem einen Menschen zur Verfügung zu stellen.

Jedoch war ich nie davon abhängig, dass mein Herr mich lobte oder auffing. Ich empfand dies zwar als nett, aber ich war mir meiner sehr selbst und sicher und bewusst. Es kam aus mir heraus und mein Herr war für mich eine Art Geleitschutz auf diesem Weg zur Findung. Er hat mich gefordert und gefördert, geschunden und bestraft, aber stets (aus seiner Sicht) als Mentor und Betreuer, denn als Herr. Zum Herrn habe ich ihn gemacht und nicht er sich.


Und ich glaube, dass nur eine Frau, die aus sich heraus Scheitern nur als kleine Hürde annimmt, um erneut Anlauf zu nehmen um den Erfolg für sich selbst zu leisten charakterlich in der Lage ist „O“ leben zu können. Sie darf nicht wegen jedem Mimimi gleich verzweifeln, sondern päppelt sich unter dem Geleitschutz des Mentors, welche nur sie selbst zu ihrem Herrn erhebt, selbst wieder auf.

Eine „O“ ist somit ihrem Herrn in den Charakterzügen völlig ähnlich. Sie kann durch das #TheTrainingOfO durchaus auf den Weg gebracht werden, dass sie diesen Charakterzügen in sich und aus sich selber heraus vertraut und sich so findet. Aber sie müssen eben bereits angelegt sein. Sie kann alles selbst erreichen, sie ist aber dankbar dafür, dass ihr jemand zur Seite steht, wenn sie Hilfe braucht.

Somit muss eine „O“ auch nicht unbedingt submissiv sein, um Sub zu sein. Und nicht masochistisch, um Sklavin zu sein. Sie genießt die Zuwendung eines starken Partners, weil sie selber stark ist. Und weil sie sich dazu entschieden hat, ihren Körper und ihre Seele ganz genau diesem einen Menschen in die Hand zu geben, weil sie eben bei ihm „schwach“ wird.