Der Sklavenvertrag

Wenn man auf Twitter eine Umfrage macht, dann ist das wohl wie eine Sonde, die man so irgendwo rein schiebt und dann mit dem Ergebnis klar kommen muss. Am Ende habe ich es ja so gewollt und auch wenn http://training-of-o.de/blog/2017/08/26/thetrainingofo-der-bdsm-vertrag/ existiert, kommt hier mal eine ganz andere Meinung zum Zuge.

Das ein wenig Diffuse hat sich zu einem etwas festeren Nebel zusammengeschoben, also reagiere ich auch nicht ohne Unlust auf das Ergebnis der Umfrage. Und zwar aus einer sehr persönlichen Sicht und sicherlich nicht allgemeingültig.


Sklavenverträge sind nun mal das, was sie sind.

Sie regeln die Basis auf welcher Herr und Sklavin agieren. Zumeist sind diese ziemlich dediziert, bis hin die hinterste Ecke des (gemeinsamen) Lebens definiert und der Herr schreibt seiner Sklavin eventuell minutiös vor, was sie wann wie wo oder überhaupt zu tun und zu lassen hat.

Dabei geht es um Kleiderordnung, Verhaltensweisen, Haushalt, Freundschaftspflege und noch viel intimere Dinge. Die Sklavin hat zu tun und der Herr hat zu überwachen und entsprechend zu strafen und hoffentlich auch zu loben.

Sklavenverträge gibt es in vielen Formen, Farben und Varianten für die unterschiedlichsten Zwecke und zumeist sind diese auch sehr individuell gehalten. Eben auf das abgestimmt, was der Herr möchte und die Sklavin zu erfüllen sucht.


Unabhängig von der formaljuristischen Nichtigkeit solcher Verträge binden sich Herr und Sklavin moralisch daran und leben damit. Wobei der Punkt bereits getroffen wurde. Sie leben damit.

Verträge werden zwar ab und an revisioniert, davon gehe ich jedenfalls aus, aber Herr und Sklavin pressen sich in ein Gerüst rein, in welcher die Sklavin die weiche Seite des Doms nicht akzeptieren will und der Herr die weiche Seite der Sklavin nie sehen möchte. Beide verpflichten sich dazu immer gleich zu funktionieren und dies lässt keine notwendige Dynamik zu. Diese ist für mich jedoch extrem wichtig.


Persönlich bin ich eher auf kleinere Rulesets aus, die der werte Leser hier finden kann. Einem geschütztem Twitter-Account. Wenn meine Wohnung also ein Freiraum ist, wo man trainieren, kommunizieren und spielen kann, so gibt dieser Account einen guten Einblick in kleinere Rituale und Denkweisen von mir, worauf es mir so ankommt, vor allem wenn wir draußen in der Welt unterwegs sind.

Dabei lege ich durchaus Wert darauf, dass das eine oder andere nicht von allen meinen Subs geteilt werden muss. Diversivität ist hier mein Stichwort. Unterschiedlichkeit. Und die Nutzung all dieser Unterschiedlichkeit macht für mich das große Ganze aus.


Was alle Subs einander gleich haben, sind grundlegende Dinge. Dazu gehört die berühmte 3H-Regel. Dazu gehört der Wille fremd gefickt zu werden und somit auch in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein. Ebenso haben alle Subs früher oder später recht intensive Erfahrungen mit meiner Floggersammlung.

Ansonsten habe ich kein Interesse daran allen Subs die gleichen Dinge aufzubürden. Vor allem dann nicht, wenn diese nicht in den Kink der Sub passen. Umgekehrt erwarte ich jedoch, dass meine Subs sich mit meinen Kinks auseinander setzen um selber zu wachsen und auch dann diese bedienen, wenn es nicht ihre sind. Aber da kann und will und werde ich nicht mit der Brechstange rangehen.


Ich halte zum Beispiel nichts davon, dass eine Sub mich mit „Mein Herr“ anzureden hat. Es ist mir wichtig, dass sie das Gefühl bekommt, dass diese Anrede richtig für sie ist. Denn erst dann kann ich diese akzeptieren. Ich möchte, dass meine Subs ganz selbstverständlich den Satz formen „Herr Mewes, ja das ist mein Herr!“ ohne darüber nachzudenken, weil sie es eben so wollen.

Ebenso halte ich es mit bestimmten Ritualen. Ich mag es, wenn eine Sub mir zur Begrüßung den Ring an meiner Hand küsst. Jedoch kann ich dies nur dann annehmen, wenn sie es von sich aus tut. Es ist ehrlicher und wahrhaftiger.

Und überhaupt, das mit dem „Sie“ … ja, da lege ich dann doch Wert drauf. Eine Sub, die sich für mich entscheidet wird mich siezen müssen, auch wenn sie mich bis daher geduzt hat. Da bin ich ein wenig kleinlich. Aber ich werde garantiert nicht die 9schwänzige rausholen, wenn mal aus Versehen das „Du“ kommt.


Wenn ich nun wieder zum Thema zurück schwenke, dann müsste ich wesentlich strikter sein und jedes Mal mindestens die Augenbraue heben, wenn es auch nur den kleinsten Verstoß gibt. Und ich gebe zu, dazu bin ich nicht gebaut und ich glaube auch, dass dies die Beziehung ziemlich stressen kann.

Allerdings mag ich es sehr mir zum Spaß Sklavenverträge auszudenken, die in bestimmte Richtungen gehen, um aus diesen dann meine kleinen Rituale zu extrapolieren. Momentaufnahmen, die sowohl für Herr und Sklavin (nicht mehr Dom und Sub für eine gewisse Zeit) gelten um zu sehen, ob diese Richtung eine gute ist oder eine schlechte. Und zwar für beide.

Rituale sind mehr als mir regelmäßig den Schwanz zu lutschen und zu schlucken. Sowas fest zu halten finde ich albern (jahaaa, auch wenn ich das hier und da mal mache). Rituale sind für mich kleine Regelwerke, die der Sub zeigen sollen, in welche Richtung eine Beziehung gehen kann und die Einlassung der Sub darauf ist Anerkennung meiner Herrschaft über sie.


Ich bemühe mich, die Libido einer Sub zu trainieren und für verschiedene Dinge zu mobilisieren. Dass sie sich selber vertraut und selbstbewusster wird. So bin ich der Garant für das Lebendigwerden von dem, was die Sub so im Kopf hat. Jedoch hat sie keinen Einfluss darauf, wie ich was wann und wo umsetze. Dies bedingt Mut, Vertrauen und Hingabe.

Und diese Momente sind es, die mich mehr an eine Sub binden als jedweder Vertrag, dem einfach nur Folge zu leisten ist.