Eine Erinnerung – Gastbeitrag

Sie sei unerfahren, so hatte sie sich beschrieben. Doch nun stand sie da, die Hände und Füße mit Handschellen und Ketten gefesselt. Ihr nackter Körper an einem Balken fixiert. Ihr Atem raste. Hinter ihr, gerade so weit entfernt, dass sie sie nicht sehen konnte, stand ihre Begleiterin, jedoch nicht nackt und nicht gefesselt. In ihrer Hand hielt sie einen Rohrstock, den sie in der Luft zischen ließ.

Die Hand der Herrin berührte ihre Schulter. Die warme, weiche Berührung der Finger, die über den Rücken glitten, war wie eine Vorwarnung von dem, was nun kommen würde. Ein fester Schlag auf den nackten Po beendete die sanfte Einstimmung. Sie atmete tief ein. Die Schläge mit dem Rohrstock machten sie immer nervös, besonders wenn sie gefesselt ausgeliefert war.

Jeder Schlag, der ihren Körper schmerzhaft traf, war auf sie abgestimmt. Sie spürte, dass die Herrin ihr zwischen den Schlägen Zeit gab. Zeit zu atmen, sich zu sammeln und den Körper erneut anzubieten. Sie spürte, dass die Schläge sie mit Gefühl an ihre Grenzen führen sollten. Sie schwitzte, atmete tief und musste sich auf die Lippen beißen. Ob sie ihrer Begleiterin wohl genügen würde? Die Frau, die nun die Gerte führte, war erfahrener und hatte klare Ansprüche. Ansprüche, die sie, die unerfahrene Sub unbedingt erfüllen wollte.

Der Schmerz zwang sie, an den Fesseln zu zerren. Feste Schläge wechselten mit leichten. Sie war wehrlos, ausgeliefert, erfüllt von diesem Augenblick. Schon als die Hand ihrer Herrin sie berührt hatte, hatte sie die Zeit vergessen und nun, da sie plötzlich die sanften Lippen an der Schulter spürte, schien es, als finge ihr Herz erstmals an zu schlagen. Sie spürte den Puls an ihrem Halsband, die Hand die ihre Haare packte und den warmen Atem ihrer Herrin auf der Haut.

Ein Kuss? Tatsächlich, nach dem Schmerz, der ihren Körper noch gebannt festhielt, waren da plötzlich Lippen. Ganz nah an ihrem Hals. Sie konnte die Lust der Frau spüren, die sie bis eben geschlagen hatte. Die Hand, die ihren Kopf gegen den Balken presste, war stark und sanft zugleich.

In diesem Augenblick hörte sie ein Stöhnen. Ein gänzlich fremder Laut aus ihrem eigenen Mund. Ihr Herz raste und ihr Atem war von tiefer Lust erfüllt. Sie stöhnte leise. Ihr Körper bebte. Schmerz und Halt ließen sie die Fesselung vergessen. Sie fühlte sich beschützt und sicher. Ausgeliefert, aber nicht irgendjemandem.

„Danke, Herrin“, flüsterte sie. Als Antwort spürte sie die Lippen einem langen Augenblick auf ihrer Haut verweilen. Lang genug, um das Lächeln ihrer Partnerin zu spüren.

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