Augenhöhe … Ganz einfach, oder …?

So … also … Du hast Dich nun über BDSM informiert.
Dir sind folgende Seiten vielleicht ein Begriff?

BDSM
https://de.wikipedia.org/wiki/BDSM

Top
https://de.wikipedia.org/wiki/Top_(BDSM)

Bottom
https://de.wikipedia.org/wiki/Bottom

Switch
https://de.wikipedia.org/wiki/Switch_(BDSM)

Cover
https://de.wikipedia.org/wiki/Cover_(BDSM)

Safe, sane, consensual (SSC)
Risk-aware consensual kink (RACK)
https://de.wikipedia.org/wiki/Safe,_Sane,_Consensual

… und Du hast noch viele andere Webseiten im Internet gefunden.

https://www.der-strafbock.eu/wcf/
http://www.tim-sodermanns.de/

Fällt Dir dabei etwas auf?
Letztlich sind wir doch alle nur Menschen und in der Interaktion zwischen Dom/Sub, Master/Servant, Top/Bottom, Sir/Slave oder was auch immer, taucht gerne der Begriff der „Augenhöhe“ auf. Und der wird ziemlich unterschiedlich „dargestellt“, obwohl er generell „gleich“ ist.

An dieser Stelle kann der Autor dieses Artikel auch nur seine Sichtweise wiedergeben, da ich niemandem bevormunden mag, wie er/sie „Augenhöhe“ herstellt.

Eine D/s-Beziehung lebt davon, dass der eine „macht“ und der andere „macht, was verlangt wird“. Die Sub begibt sich freiwillig in die Hände eines Doms zum Zwecke (ausschließlich) seiner Befriedigung und unter (vollkommener) Zurückstellung der eigenen Ansprüche an eine (sexuelle) Bindung. Der Kreis schließt sich, weil die Sub (sexuelle) Erfüllung und Befriedigung dadurch erfährt, dass sie vom Dom (sexuell) nach dessen Willen genutzt wird.
Soweit die Metaebene. Mehr ist es nicht. Ganz einfach.

Was der Autor nicht tun wird ist tiefer auf die Dinge, die in Klammern stehen, einzugehen. Das würde hier den Rahmen sprengen.

Man und Frau begegnen sich nun, in heutiger Zeit vielleicht eher digital im Internet auf diversen, speziellen Plattformen, es wird in Foren geschrieben, getwittert, dann kommen private Nachrichten, dann die Telefonummer und am Ende wird telefoniert, man hat sehr viel über sich preis gegeben, was geht, was nicht geht, warum es nicht geht, Erfahrungswerte ausgetauscht und am Ende kommt es zum Date, der Mann hat der Frau glaubhaft versichern können, dass er kein Axtmörder ist, ein Date wird vereinbart, die Frau lässt sich dabei covern und dann gilt es.

Alleine hier, steckt schon unglaublich viel Augenhöhe drin – also in meinen Augen. Man sucht hier nicht unbedingt die Frau für’s Leben, aber wenn man es als Dom nicht schafft, etwas von sich durchblitzen zu lassen und dennoch die Gefühle, Gedanken und Emotionen der Sub zu respektieren, dann hat man ein Problem. Meistens wird da nämlich kein Date draus.

Augenhöhe bedeutet für mich generell, dass ich auf jede Frage der Sub (gerade bei Anfängern) ausführlich eingehe, Dinge von mir als Person und theoretisches Wissen über meine Empfindungen und Gefühle weitergebe. Und eben nicht „nur“ die Sub auszufragen. Beiden Partnern ist durchaus klar, wer oben und wer unten ist, dass muss man nicht mit Machogehabe herausstellen. Es ist sicherlich nicht verkehrt der Auserwählten anzudeuten, wie man so tickt. Aber ich halte es für falsch, mit den Ängsten der Sub zu spielen, bevor man sich nicht besser kennt.

Auf der anderen Seite gibt es auch genau die Sorte von Frauen, die solche Gespräche gar nicht wollen. Sie wollen, dass der Mann tut, was auch immer er machen will – und ein Safeword ist völlig unwichtig dabei. Ich lehne das ab. Grundsätzlich. Nur Subs, die ich schon länger kenne, kommen in den Genuss solcher Situationen, aber da spielt auch das Eingespielte eine große Rolle und das Vertrauen zwischen den Menschen, welche sich aufgebaut hat. Weil man eben weiß, wie der andere so tickt, kann man so Überraschungen einpflegen, weil man auch weiß, dass der andere so tickt.

Der Auto schweift leicht ab. Zurück zum Thema.

Augenhöhe bedeutet für mich, dass eine Sub eine Möglichkeit haben MUSS den Dom straffrei, offen und ehrlich über Dinge zu unterrichten, die ihr nicht gefallen (haben), von denen bitte (respektvoll) Abstand zu halten ist. Solche Zeiten sind extrem wichtig, denn hier wird der Dom in seiner Art und Haltung (konstruktiv) kritisiert, hier kann er aber auch sich erklären, Dinge erläutern, das Wieso und nicht anders ansprechen.
Nur in solchen Momenten kann sich eine D/s-Beziehung nach vorne bewegen.

Da Medulla ja nun nicht nur meine Sub ist, sondern auch meine Frau, und die Rahmenhandlung des realen Lebens unser Tun und Sein im BDSM beeinflussen, ist irgendwie aber auch ständig Augenhöhe zwischen uns. Wir brauchen dazu keine Dates, wie diese in einer reinen Spielbeziehung notwendig sind. Augenhöhe ist dann, wenn der Dom zum Mensch wird und seine Rolle beiseite legt. Denn er ist auf seine Sub angewiesen, um überhaupt Dom zu sein … und das letzte, was eine Sub will ist, ihren Dom zu vertreiben, weil auch sie ohne den Dom keine Sub ist.
(Jedenfalls nicht aktiv und in Nutzung gilt für beide).

Augenhöhe ist wichtig für die Positionierung seiner selbst und eventueller Neugewichtung des Herrschaftsgefälles überhaupt. Man kann gemeinsam Ideen und Gedanken austauschen, Wünsche äußern. Bedürfnisse schildern und und und.

Die Häufigkeit der Augenhöhe kann dabei unterschiedlich sein, dabei kommt es auch auf die Prägung der D/s-Bindung an. Eine vereinbarte 24/7-Beziehung sollte davon jedoch auch nicht ausgeschlossen sein.

Gretchenfrage: Wie stellt man den nun Augenhöhe her?
Ganz einfach: „(Kaffeehinstellgeräusch) … wie geht es Dir mit mir?“

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