Userstory: Die O-Novizin

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„Guten Morgen, Anne“

*pling*

„Guten Morgen, mein Herr“

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„Wie geht es Dir heute?“

*pling*

„Danke, mein Herr. Ich habe wunderbar geschlafen und bin gerade wach geworden. Darf ich Ihnen gleich einen Kaffee bringen?“

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„Das wäre sehr aufmerksam, Anne. Trittst Du nach dem Duschen bitte kurz auf den Balkon?“

*pling*

„Sehr gerne, mein Herr. Bis gleich.“

‚Es geht doch nichts über Rituale!dachte sie bei sich.
Anne fühlte sich großartig. Ihr Herr hatte sie eingeladen in ein wunderschönes Schlosshotel. Große Zimmer, hell mit Licht durchflutet, Holzfußböden. Dazu wenige Details, ein Beistelltischchen hier, eine eingetopfte hohe Bodenpflanze dort. Simplizifimus. Und in ihrem Zimmer ein Bett, das so groß war, dass vier Menschen dort problemlos kreuz und quer schlafen könnten, ohne sich zu stören. ‚Lieb und brav sein hat ja schon so seine Vorzüge.‚, schmunzelte sie auf dem Weg zur Dusche.
Diese war ohne Türe und voll verglast. Man konnte aus der Dusche in das Zimmer schauen und das Licht des hellen Tages mitnehmen. Und auch hier, unter der Wasserfalldusche, hätten bestimmt vier Personen Platz.

Anne und ihr Herr waren am gestrigen Abend bereits angereist, aber sie hatten sich noch nicht gesehen. Sie sollte von der Anreise ein wenig Zeit für sich haben, um den Samstag in vollen Zügen genießen zu können. Mittlerweile fand sie das nicht mehr ganz so merkwürdig wie am Anfang ihrer D/s-Beziehung. Sie hatte sich oft gefragt, warum das alles so sei, denn wenn er doch so extrem scharf auf sie war, wie konnte er dann auch nur eine Sekunde Zeit ohne sie verschwenden. Nach nun mehr fast zwei Jahren hatte sie sich nicht nur mit diesem Ritual „Getrennte Anreise“ abgefunden, sondern verstand auch, warum ihm das so wichtig ist.
Genauso wie sie brauchte auch er ein paar Stunden, um sich für sich ganz alleine zu entspannen. Obgleich er stets mit ihr über das Handy kommunizierte. Sie mochte das Gefühl im gleichen Haus zu sein und hoffte immer darauf, dass sie ihrem Herrn wenigstens per Zufall begegnen würde. Ihr Herr hatte immer ein Anreiseprogramm für sie reserviert. Massage, Peeling, Haare schön. Er streichelte ihr inneres Ego auf eine Weise, die ein warmes und weiches Gefühl hinterließ. Und sie war sich sicher, dass er immer ganz in ihrer Nähe war, wenn nicht sogar beobachtete.

Anne wachte aus ihrem Tagtraum auf.

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„Bist Du fertig, Anne?“

*pling*

„Ja, mein Herr. Mrs. Turban wird gleich auf den Balkon treten, eure Hoheit :-*“

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😀

Die Außenwand ihres Gemaches bestand aus drei bodentiefen Fenstern. Das mittlere war gleichzeitig die Türe auf den Balkon. Kurz den Turban zurecht gezupft, das Handtuch um den Körper gewickelt, öffnete sie die Türe, trat hinaus und nahm vom kleinen Tisch ihre Zigaretten. Es war bereits warm um diese Uhrzeit. Wolkenloser Himmel, strahlende Sonne. Und bestimmt schon 25 Grad. Der Balkon war ganz oben am Haus und nicht einsehbar. Anne lächelte. Sie wusste, dass ihr Herr sie nicht sehen konnte, aber dennoch wollte sie den Tag ein wenig lasziv beginnen.
Luftgetrocknet ist immer gut.‚ dachte sie und ließ das um ihren Körper gewickelte Handtuch zu Boden sinken.

Sie stand nun ganz an der Brüstung und blickte in den Schlossgarten. Ein herrliches Blumenmeer und wenn sie ganz tief hinein schaute, konnte sie dort Menschen sehen, die bereits spazieren gingen. Ihr Blick schweifte umher, und erst jetzt konnte sie die Größe des Ganzen überblicken.

Das Schloss war sicherlich nicht nur für sie und ihren Herrn alleine reserviert. Sie hatte sich vorher im Internet schlau gemacht und festgestellt, dass es sich um einen Ort handelte, der zuweilen seine Kellergewölbe für BDSM-Events öffnete. Sie blätterte in ihrem Handy durch die Fotos, welche sie abgespeichert hatte. Dunkle Gänge, Gänge nur mit Fackeln beleuchtet, Andreaskreuze an fast jeder Ecke, Haken und Ösen wahrscheinlich im Ausmaß von 100 Stück pro Quadratmeter. Kleine dunkle Räume, verspiegelte Fenster und ein festlicher Ballsaal. ‚#Fuffzig‚ – fiel ihr ein und als sie diese Fotos durchblätterte wusste sie auch, welchen Prüfungen sie an diesem Wochenende ausgesetzt sein wird.

Schon lange wollte er den Schritt mit ihr gehen und nun war es wohl offensichtlich so weit. Ihre D/s-Beziehung sollte sicherlich auf einen höheren SM-Anteil wachsen und sie fühlte sich sehr gut damit. Anne dachte dabei an die Anfänge ihrer Beziehung und wie sie sich fühlte, als sie zum ersten Mal diesem

Axtmörder

begegnete. Er führte sie sanft und sicher in die Welt des Lustschmerzes ein und machte nie einen Hehl daraus, wo genau er sie sieht. Und irgendwie, trotzdem sie schon so lange seine devote Geliebte war, und unzählige Orgasmen später, fühlte sie sich nun irgendwie wie eine

Novizin, O-Novizin!‘

schmunzelte sie vor sich hin, während sie sich denken hörte mit der Synchronstimme von Sean Connery.

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„Anne, Du bist doch nicht etwa nackt?“

*pling*

„Ich? Niemals ;-)“

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„Ich kann Dich ganz deutlich sehen, Anne.“

Oh, wo steckt der Kerl?!

*pling*

„Sie sehen vielleicht meinen Turban, mein Herr. Aber ich bitte Sie. Ich trete doch nicht nackt, und dazu noch ohne Ihre geschätzte Begleitung an die Öffentlichkeit.“

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„Bist Du da ganz sicher, Anne?“

‚Gleich mal in den Schritt fassen, tihihi‘

*pling*

„Extrem sicher, mein Herr! Darf ich nun den Kaffee servieren?“

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„Aber lass das Handtuch dort liegen, wo es jetzt ist, Anne“

‚Erwischt!‘
Das Handtuch auf dem Boden war dreckig. ‚Warum habe ich es nicht auf dem Holzfußboden gleiten lassen, der ist sauber!

*pling*

„Ich bin unterwegs, mein Herr!“

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😀

Anne dreht sich um und lief direkt in seine Arme.

Verdammt!

„Ich freue mich, Dich zu sehen, Anne.“, flötete er, während ihr ziemlich warm, ob der kleinen, lasziven Lügerei wurde.

Wie ist er nur …

Ihre Gedanken wurden mit einem langen, sanften Kuss getötet und sie sank in seine Arme. Sie mochte diese zärtliche, liebevolle Seite an ihm. Dass er bestimmte Dinge ihr niemals übel nehmen würde, vor allem dann nicht, wenn sie sich selbst als begehrenswertes Wesen empfand. Was sie ja nun deutlich getan hatte. Hat aber auch lange genug gedauert, bis es soweit war.

Mit seinen starken Armen drückte er sich feste an sich und sie konnte sich wirklich in ihn sinken lassen. Sie begann immer zu lächeln, wenn er sie küsste und er auch. Es war einfach einfach einfach mit ihm. Unkompliziert. Schon immer. Auch daran musste sie sich gewöhnen. Wenn er etwas für sie beide plante, dann immer ganz und vollständig. An nichts musste sie denken.

Hach!


Die Userstory ist eine Aufgabe aus drei Worten eine erotische Geschichte zu zimmern. Die Worte und der Auftraggeber sind angegeben und verlinkt.

Fenster
Keller
Balkon
@Hirnventrikel

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