Dominanz zwischen Selbstverständnis und öffentlicher Definition.

Vom Problem der Dominanz und ihrer Umsetzung. Zwischen Selbstverständnis und öffentlicher Definition.

Jeder Dom (und wahrscheinliche auch jede Dommse und auch die professionelle Domina und die wenigen professionellen Dominus‘) sind irgendwann einmal an diesen Punkt geraten. Man fühlt sich irgendwie „undommig“. Sehen wir uns mit unseren Dingen als kompletter Mensch, so sehen die himmlischen Heerscharen an Jüngerinnen und Jüngern uns jedoch nur in einem winzigen Teilaspekt. Eben als die dominante Liebhaberin oder den dominanten Liebhaber (whatever kind of kink dominance means, ladies and gents!).

Die öffentliche Definition eines Doms, um in meinem Kontext zu bleiben, ist mindestens die Verlockung, dass da jemand existiert, der einen in die dunklen Ecken eigener Sexualität und der damit verbundenen Wünsche begleitet. Wir liefern Kopfkino und verhelfen damit der einen oder auch anderen Damen zu vergnüglichen Orgasmen im milden Schein eines mobilen Endgerätes fernab jeden physikalischen Körperkontaktes. Weil wir gut schreiben, reden und prinzipiell „immer bereit“ dafür sind, eine Dame unseres Verlangens eben zu jenen vergnüglichen Dingen zu bewegen, welche sich im D/s des BDSM bewegen.

In meinem Fall, genieße ich zum einen die Aufmerksamkeit der Damen, wenn ich in der Lage bin genau in dieser Ecke behilflich zu sein (also Worte, Bilder zu geben und damit eine Hand in den Schritt einer Dame zu hieven) und im Gegenzug vielleicht Bilder der Damen zu erhalten, welche sie anderen Männern aus guten Gründen vorenthalten. Diskrete, sensitive und vertraulicher Gedankenaustausch mit einem klaren Ziel. Die Dame darf und soll sich einfach entspannen. Ich gebe zu, das macht mir Spaß und Freude, auch ohne jedes Anfassen, auch über 100e von Kilometern hinweg. Genuss … pur. Und nein, ich rede nicht von ChatSex oder DM-Sex oder sowas (Was ich völlig langweilig finde).

Jeder Dom, der also eine gewisse Blase um sich bildet um wenigstens gedanklich aus dem Vollen zu schöpfen, ist also in gewisser Form ein ziemlicher Extrovertit. Die Frage, die sich halt für mich ab und an stellt ist, schaffe ich mir auf diese Weise nicht ein Image, welches ich gar nicht halten kann? Schließlich ist kein Mann jemals, außer infolge von Erkrankung, dauergeil. Kann ich eine Dame mit Worten in ihre Ecke bringen, wenn ich mir gerade selbst einen runtergeholt habe? Oder muss ich mir selber Schutz auferlegen und mir die Frage nach „Wie oft pro Nacht?“ stellen?

Wenn ich undommig bin, dann bin ich gefühlt irgendwie nicht ich. Obwohl mir diese Momente des nicht mit Sex, wenigstens gedanklich, beschäftigen ziemlich vertraut sind. Zum Beispiel zur Drucklegung dieses Kleinods. Ein fantastisches Wochenende mit eine meiner Damen des Zirkels ist vorbei, fast könnte man meinen, dass es mir wie Schuppen aus den Haaren entgleitet. Libido braucht eine Pause und keine nächste Verpflichtung.

Oder?

(30 Minuten später)

Ich stelle fest, dass undommig sein bei mir eine ziemlich kurze Phase ist. Wobei ich natürlich nur für mich sprechen kann. Bereit zu neuen Schandtaten und Gedanken. Kopfkino läuft auf Hochtouren und nimmt seine gewohnte Fahrt auf. Wandert in jede erdenkliche Richtung. Fluch oder Segen? Oder Talent?

Liebe Liebenden, es ist gar nicht so einfach sich selbst zu diesem Thema zu beleuchten. Meine Dominanz, oder besser: Meine Suche nach Erfüllung, ist schon eine kleine Sucht. Was geht, was geht nicht, mit wem, und wo? Ständig diese Gedanken in diese eine Richtung, die mich umkreisen und einfach nicht loslassen wollen. Und doch fühle ich mich nicht getrieben und muss nun nicht los, mir ein Opfer zu suchen. Auch wenn ich nichts dagegen hätte.

Tatsache ist aber auch, dass undommige Phasen auch im Beisein meiner Subs auftauchen. Die zwar unter dem Strich mit dem alten Mann gerne auf der Couch rumliegen, aber doch durchaus mit einem gewissen Anspruch der Nutzung anreisen.

Persönliches Fazit: Ich bin meinen Subs gerne der Dom. Aber ich glaube auch, dass jede dieser Frauen gerne einfach mal im Arm eines Mannes unbenutzt rumliegen wollen, schlechtes Fernsehen und ungesunde Nahrungsaufnahme inklusive. Sich selbst und ganz genau so genug sein. Weil das Popoverhauen, kommt garantiert. Als Ergebnis eines winzigen Augenaufschlages. Quod erat demonstrandum 😉

Die Reifeprüfung

Sie wusste, dass der kommende Abend ein besonderer werden wird. Hatte ihr Dom ihr doch versprochen, dass sie nach diesem Abend ihr Halsband wird behalten können, da sie es sich redlich verdient hätte.

Auf der einen Seite war sie ein absoluter Neuling im Business ihres Herrn, auf der anderen Seite verfügte sie über genügend Lebenserfahrung um ganz genau zu wissen, was sie tat, als sie sich auf das Spiel ihres Herrn eingelassen hatte.

Ebenso wusste sie, dass sie nicht alleine als Sub bei ihrem Herrn sein wird. Eine Schwester-Sub würde das Wochenende mit ihm verbringen, aber da sie so sehr um ihr Halsband gebettelt hatte entschied ihr Herr, dass aus der Kür nun eine Pflicht würde. Und es gäbe darüber keinen weiteren Konsens als den, dass sie zu erscheinen und die Prüfung abzulegen habe. Mehr Informationen hatte sie nicht.

Mit der Schwester-Sub kam sie gut klar. Sie hatte schon ab und an mit ihr telefoniert und sie war sich durchaus grün mit ihr. Außerdem wusste sie, welchen Kink ihre Schwester-Sub für ihren Herrn lebte und er unterschied sich sehr von dem ihren. Doch die Schwester-Sub nun im Rahmen der eigenen Reifeprüfung kennen zu lernen, war für sie nicht ganz ohne. Es würde also keine Begrüßungstänze geben a la „Schön, Dich endlich persönlich zu treffen <3“, nein, es ging direkt in die Vollen. Die schwesterliche Begrüßung musste warten.

Ihrem Herrn war dies sehr wohl bewusst, aber er hatte auch explizit bei der Wochenendlerin nachgefragt, ob ihr dies Recht sei und sie hatte dem zugestimmt. Somit würde nun auch für diese eine Prüfung im Raum stehen, nämlich brav sein, lieb sein, schweigen, zuschauen. Wenigstens hatte sie das so im Kopf. Vielleicht würde sie ja noch mal mit ihr telefonieren, um sich gegenseitig zu beruhigen.

Das Kopfkino lief auf Hochtouren. So sehr sie auch versuchte elementare Bestandteile zu erfahren, so wusste sie, dass ihr Herr auf keine Fragen antworten würde. Er würde sie eher in die Irre führen und sie dann etwas anderes leisten lassen. Dass es über einen üblichen Dreier hinausgehen würde, also daran bestand kein Zweifel. Aber würden sie nur zu dritt sein? Würden sie gemeinsam woanders hinfahren? Pornokino? Parkplatz? Wald? Mehr Schmerz? Weniger Lust? Oder würde es an der Türe klingeln und fremder, männlicher Besuch erscheinen? Oder alles zusammen?

Dass ihr Herr ziemlich spontan ist, davon konnte sie sich bereits überzeugen. Nicht berechenbar. Obwohl ihr Kink mit seinem nahezu übereinstimmte, war sie sich nur darin sicher, dass sie sicher war mit ihm. Sie masturbierte zu jedem Gedanken, der ihr in den Sinn kam und jede Situation, welche sie sich vorstellte war erfüllt mit Leidenschaft.

So begann nun eine letzte Woche vor ihren großen Auftritt und nur eigene Krankheit oder Tod würde sie davon abhalten in ihr Auto zu steigen und zu ihm zu fahren und alles zu tun, was ihr Herr für sie vorbereitet hatte. Ohne zu zögern. Ohne zu fragen. Mit voller Hingabe. Um das Halsband zu bekommen, welches sie für ihn tragen wird wollen.