Verlocken, Verlangen, Gier // @Monas_ecke // #DreiWortStory

Da war er also. Dieser Moment. Fleischgewordenes Kopfkino. 

Viele denken von mir, dass ich eine brave Hausfrau bin und ich mag es, wenn man so über mich denkt. Vor allem, wenn mein Mann so über mich denkt. Er schätzt seine Dominanz über mich und ich auch. Was mich aber nicht zu einem Mäuschen macht. Meine Mutter hatte mir beigebracht, dass wenn Du im Leben wirklich frei sein willst, dann gib‘ einem Mann, was er will und mit viel Glück hast Du daran auch selbst Freude. Und wenn er bekommt, was er will, dann hast Du die Kontrolle über ihn.

Ich habe das damals nicht so genau verstanden, aber ich habe immer gesehen, wie verliebt mein Vater meine Mutter ansah. Also musste das wohl alles richtig sein und ich beschloss für mich, dass ich den Rat meiner Mutter befolgen sollte.

Mit den ersten Freunden hat das irgendwie nicht so geklappt. Wie auch, ich hatte ja keine Ahnung, was Männer so wollten. Und die Männer wohl auch nicht. Meine Mutter meinte, dies sei völlig normal. Es wäre merkwürdig, wenn „diese Jungs“ mit 16/17 außer „reinstecken“ mehr drauf hätten. Wichtig sei doch, was ich wolle. Ich solle mir einen richtigen Mann suchen und nicht mit Kindern spielen, wenn ich wissen will, was Männer wollen.

Als ich entgegnete, dass ich mir das so gar nicht vorstellen könne, weil die, die mich vielleicht interessieren, eher in der Riege meiner Lehrer zu finden sind und das ginge ja gleich mal gar nicht, zumal die auch alle verheiratet seien, nahm mich meine Mutter in den Arm und schaute mich lange an.

Kind, wildere nie im unmittelbaren Bereich um Dich herum. Suche Dir jemanden, den Du vielleicht ein- oder zweimal triffst. Einen Seemann vielleicht. Jemanden, der Dich will, aber nicht zur Frau nehmen. Jemandem, dem Du das Verlocken in den Augen ansehen kannst. Du darfst nicht darauf warten. Du musst es Dir nehmen. Und glaube mir, verheiratete Männer sind die Besten.

Da war ich baff. Meine Mutter war schon immer sehr offen, aber das hatte ich nun nicht erwartet. Meine Güte ich war erst 16 und sie riet mir offen dazu mir einen Mann zu suchen, der seine Ehe mit mir bricht. Das klang irgendwie nach Sex mit meinem eigenen Vater.

Mutter!

Du musst für Dich entscheiden, was Du willst, aber tu es. Dein Vater hat davon mehr als profitiert.

Sie atmete laut ein und begann zu erzählen.

Um die Kontrolle über einen Mann zu erhalten musst Du Dich ihm hingeben. Das bedeutet nicht, dass Du Dich verschenkst. Ein Mann denkt, dass er eine Frau mit einfachem, guten Sex kontrollieren kann. Wenn also eine Frau befriedigt ist, dann hält sie still. Aber das ist seine Denke. Es ist so einfallslos und durchschaubar. Wir Frauen wollen Liebe. Das Gefühl gebraucht zu werden, vielleicht angehimmelt.

Als ich mich auf Deinem Weg befand hatte ich auch keine Ahnung von nichts. Deine alte Mutter hatte aber auch niemanden, mit dem sie darüber sprechen konnte. So wie Du wahrscheinlich auch hatte ich ein tiefes Verlangen nach Liebe. Meine Sehnsucht drehte sich um den Prinzen auf dem Pferd, der mich auf sein Schloß mitnahm und ‚they lived happily ever after‘. Nur, Du darfst nicht auf diesen Prinzen warten. Du musst Dich sichtbar machen. Eine Verlockung sein.

Dann erfolgte noch ein ziemlich langer Vortrag über ihre verschiedenen Liebhaber bevor sie meinen Vater traf. Was ich verstand war, dass ich nicht ziel- und planlos durch die Gegend streifen durfte, sondern auf der Suche nach dem Mann meiner Träume diese Suche quasi aufgeben musste, um diesen zu treffen.

Das ist nun alles fast 20 Jahre her. Und mein Mann denkt immer noch, dass er mein erster Mann gewesen ist. Schon komisch, dass Männer bei einer Frau immer der Erste sein wollen und Frauen bei einem Mann immer die Einzige sein möchten. Mir fehlt da ein Wort. Meiner Erfahrung nach geht es um das Gefühl, dass Männer bei vielen Frauen der Erste sein wollen und Frauen ebenso bei vielen Männern die Einzige sein möchten.

Ich verlor meine wahre Unschuld mit 17 an einem Sonntag morgen an den Vater einer Schulfreundin in dessen eigenem Ehebett, während seine Frau im Krankenhaus lag und meine Schulfreundin „passed out“ ihren Rausch ausschlief. Ich denke, dass ich für ihn eine Gelegenheit war. Und mehr auch nicht. Aber ich werde nie in meinem Leben diese Gier in seinen Augen vergessen.

Wir waren dann zwei Jahre ein heimliches Paar und es ging mir gut damit. Ich gab ihm, was er brauchte. Und er gab mir, was ich wollte. Wissen über das, was Männer wollen, aber ihren Frauen nicht zu sagen wagen. Und ich habe das bis heute so gehalten. Ohne auf der Suche zu sein, habe ich mich immer für einen Fick „nebenher“ hingegeben. Auch jetzt in meiner Ehe.

Als ich meiner Mutter neulich davon erzählte lächelte sie.

Na? Liebt Dich Dein Mann?

Ja, Mama. Und ich ihn.

2 thoughts on “Verlocken, Verlangen, Gier // @Monas_ecke // #DreiWortStory

  1. Eine Geschichte die Nachdenklich macht.
    Im positiven sowie im Negativen.
    Sind wir wirklich so Ferngesteuert und erkennen wir so schlecht die Bedürfnisse der Frauen?
    Ich finde es persönlich klasse,das die Frauen sich das holen,was sie brauchen um auch ihre
    Gier befriedigen zu können.

    1. Nun, es handelt sich um eine Geschichte. Aber tatsächlich erlebe ich es häufig, dass man sich eher dem besten Freund oder der besten Freundin anvertraut als dem angetrautem Menschen, den man ja liebt. Denn BFF oder BFM können nur die Ohren aufhalten. An der Situation selbst können sie nichts ändern, dass muss man dann selber machen. Aus Angst jedoch, dass der geliebte Partner einen nicht versteht und man diesen nicht „verschrecken“ will, hält man den Mund und geht auswärts essen. Dabei müsste es jedem Menschen klar sein, dass Menschen sich immer verändern. Und dass der Mensch, den man vor X Jahren kennen, lieben und schätzen gelernt hat, heute garantiert nicht der gleiche ist wie damals. Ab und an verschweigen sich die Liebenden auch gegenseitig das Gleiche und zwar aus dem gleich Grund. Ich bin froh, dass ich das nicht tun muss und offen und ehrlich mit meiner Frau, aber auch mit jedem Anderen über mich und das, was mich ausmacht reden kann. War ein langer Weg, aber ich bin ihn gegangen.

      Danke für Deinen Beitrag.

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