Gestern, Heute, Morgen

„Ich bin eine devote Frau, die ihre dominante Ader und ihren grundsätzlichen Hang zum Masochismus mit extremen Sadismus auslebt“ – Susanne (getroffen im Dark Desire)


Wir waren gleich am Tag der Urlaubsrückreise für eine Play Party in Dortmund angemeldet und dort trafen wir Herrin Susanne mit ihrer Sub (und Lebensgefährtin seit 18 Jahren) und einer Novizin, würde ich sagen, mit der Hirnventrikel und ich ins Gespräch kamen.

Das obige Zitat ist völlig authentisch, wenn auch absolut ironisch gemeint. Es reflektiert in einem Satz die Haltung von Susanne zu vielen Neulingen, die via #50SOG zum BDSM gefunden haben. Es ist eine Umschreibung für „Wasch‘ mich, aber mach mich nicht nass!“

Als Sadistin ist Susanne das absolute Gegenteil von mir, aber in ihrer Festigkeit zu den Dingen ebenbürtig. Sie sagt, dass man nicht alles sein kann. Ob dominant oder devot, irgendein Gefühl ist stärker. Respektive es gibt die eine Sehnsucht nach Dominanz oder Submission, die sich im Kopfkino stärker ausprägt als die andere Richtung.

Da gibt es ja diesen Spruch: „Ich mag weibliche Switcher, solange sie devot sind.“ Und ja, ich sehe das ganz exakt genau so. Ich bin dominant. Ich habe an dominanten Frauen einfach kein Interesse. Sie wirken auf mich nicht erotisch. Das hat nichts mit Angst vor weiblicher Dominanz zu tun, es kickt mich einfach nicht. Und bisher habe ich noch keine Frau (ob Dommse oder Domina) gefunden, die bei mir diesen Wunsch hervorgerufen hat, dass ich mich ihr unterwerfe.

Dominante Frauen wecken bei mir eher den Wunsch sie mir zu unterwerfen. Das hat etwas mit meiner grundsätzlichen, sexuellen Einstellung zu tun. Ich kann sicher mit einer dominanten Frau Sex haben, aber sobald sie versucht mich zu dominieren bin ich eben getriggert sie zu dominieren oder, im schlimmsten Fall, verliere einfach die Lust.


Zurück zum Thema.

BDSM hat sich in den letzten Jahren verändert. Gestern noch waren die Rollen klar verteilt. Ein Partner war oben, der andere war unten. Wie auch immer das geschlechtlich aussah. Und ja, so sieht das heute auch aus. Einer hat gesagt und der andere macht. Eigentlich ganz einfach.

Heute scheint es mir, dass (in meinem Fall betrachtet) Frauen nicht immer wissen, was sie wollen. Sie wollen geführt werden, aber nicht benutzt. Sie wollen angeleitet werden, aber nicht einem Kommando unterstehen. Sie suchen Unterwerfung, wollen aber demokratische Verhältnisse. Sie wollen ihre Grenzen kennen lernen, benutzen aber ständig das Safeword.

Und morgen? Ich mag mir das gar nicht ausmalen. Soweit reicht mein Kopfkino nicht. Wahrscheinlich bin ich zu alt dafür 😉


Führung einer Sub bedeutet Verantwortung zu übernehmen.
Von einem Dom geführt werden bedeutet Kontrolle abzugeben.

Wenn das innere Gefühl einer Frau danach schreit dominiert zu werden, dann muss sie die Kontrolle abgeben. Wer Kontrolle beansprucht, nimmt sich selber die eigene Submission. Klar, es muss sich Vertrauen entwickeln. Man muss den dominanten Partner akzeptieren und respektieren, als dominant anerkennen.

Dabei ist es in meinen Augen wichtig, dass eine Frau klar trennen muss, ob sie rein sexuell dominiert werden möchte oder darüber hinaus Lebenshilfe benötigt. Und vor diesem Hintergrund muss sie ihre Entscheidung treffen. In diesem Zusammenhang der Hinweis, dass der #CircleOfFalbalus zwar eine Familie darstellt, wir mögen uns und wechseln sicherlich auch das eine oder andere tiefe, private Wort. Aber es geht hier primär nur um den sexuellen Aspekt. Was sich darüber hinaus einstellt, dass ergibt sich.

3 thoughts on “Gestern, Heute, Morgen


  1. Ich sehe nicht, dass das irgendwas mit FSoG oder einem ’neuen‘ BDSM zu tun hat. Nicht umsonst gibt es klare Trennungen zwischen den Begrifflichkeiten, über die man stolpert, wenn man sich eingehender mit der Thematik auseinandersetzt. Ich will es mal an einem Beispiel versuchen zu klären:

    Wir haben einen dominanten Masochisten, der in einer Dynamik mit einem devoten Sadisten ist. Der dominante Part gibt dem devoten die Order, ihn zu schlagen. Wo ist hier ein Bruch der Dynamik oder ein „wasch‘ mich aber mach mich nicht nass‘?

    Ich denke, man sollte sich mal intensiv Gedanken machen über die Unterschiede von

    Dominant

    Devot

    Sadist

    Masochist

    Top

    Bottom

    Denn damit merkt man schnell, dass nicht nur die (durchaus mehrheitlich vorhandenen) stereotypischen Verbindungen möglich sind.

    1. Das ist mir persönlich durchaus bewusst. Danke für Deinen Beitrag.
      Ich schrieb es eher auf die Sichtweise, dass eine Sub sich mir nähert, um dann … hust … Bedingungen zu diktieren. Latürnich ist es hierbei richtig, dass es gerade beim Erstkontakt wichtig ist, vor allem als Dom, sich selber Grenzen zu setzen, um die Sub nicht zu überfordern.

      Viele Neu-Subs halten D/s jedoch für eine Wunschzettelpraktik, die mit dem Erleben eines Kopfkinos zu tun hat, welchen sie aus diversen Publikationen haben.

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