Offene Beziehungen

Offene Beziehungen

Menschen sind unterschiedlich, genau so wie BDSM unterschiedlich ist. Und so ist es nicht ungewöhnlich, dass gerade im BDSM viele Beziehungen als „offen“ deklariert sind. Die Frage ist immer nur, was genau damit gemeint ist.

Grundlegend betrachtet sind Menschen meiner Meinung nach nicht monogam.

Der Mann wird seit jeher als Wesen beschrieben, der sein Erbgut breit streuen will. Für ihn ist die Nächstbeste eben auch die Beste.

Die Frau jedoch ist anders. Sie wählt nach anderen Kritierien aus. Einen Mann mit guten Erbmaterialien, weil sie eben genau weiß, dass sie mit den Zöglingen eine ganze Zeit lang klar kommen muss, während der Mann sich munter die Nächstbeste sucht. Die Frau will den Besten.

Und während die Männer auf den Bäumen sitzen, kann die Frau alle vom Baum holen und sich den Einen aussuchen. Danach klettern die übrigen Männer wieder auf den Baum und warten auf die Nächste.

So ungefähr ist das wohl mal laut Evolution gedacht gewesen. Ein Prinzip der seriellen Monogamie, aber eben nicht auf Dauer ausgelegt oder sogar bis zum Tod. Hier kommen eher kirchliche und damit neu-moralische Dinge zum Zuge. Diese sind nicht falsch, aber das reale Leben mit seinen Verlockungen macht es nicht immer einfach, wirklich treu zu sein. Gedanklich ist jeder zweite mindestens einmal fremd gegangen – und das schließt Frauen und Männer ein. Irgendwie musste also eine Lösung dafür her, dass man sich sexuell betätigen konnte, ohne gleich die komplette Beziehung zu ruinieren. Denn viele Menschen sind in der Lage die Gefühle und Emotionen für einen Partner (also das, wo die tatsächliche Bindung geschieht) komplett vom Ausleben der Sexualität zu trennen.

Und dazu gibt es unterschiedliche Formen, Farben und Varianten. Die gab es schon immer, aber in der heutigen Zeit ist das alles etwas freier und man kann es benennen. In der Rubrik „3er im BDSM“ bin ich schon auf einige Dinge eingangen, wie Cuckolding oder Cuckqueaning. Hier nun also der Versuch mal alles zu konkretisieren und zu katalogisieren.


 Variante Eins – Erlaubtes Fremdgehen

 Die wohl einfachste Form einer offenen Beziehung. Ein Partner erlaubt dem anderen auch andere Partner zu haben.

Grundlegend ist, dass das Fremdgehen so von statten geht, dass der andere Partner davon nichts mitbekommt.

Solche Dinge verschwinden zumeist im Hintergrundrauschen von Dienstreisen oder Überstunden und dergleichen.

Nach außen hin bleibt die Beziehung geschlossen. Man nimmt sich halt wechselseitig einfach mal eine Auszeit, wenn sich diese anbietet. Es ist die Situation, die Möglichkeiten schafft.


Variante Zwei – Offenes Fremdgehen

Beide Partner erlauben sich gegenseitig das Fremdgehen und reden darüber im Vorfeld.
Gerade im BDSM kann es dazu kommen, dass der eine Partner Dinge mag, die der andere nicht mag oder gar nicht kann.
Bei uns zum Beispiel wäre es so, dass ich Bondage mit Seilen zwar schick finde, aber nicht wirklich beherrsche. So erlaube ich meiner Frau sich jemanden zu suchen, der das mit ihr macht. Auf der anderen Seite ist meine Frau nicht für Natursekt zu gewinnen, so habe ich die Erlaubnis eine andere Frau zu diesem Zweck zu treffen.
Im Gegensatz zur Variante Eins ist hier ein großes Vertrauen im Spiel, sich seiner emotionalen Partnerin dahingehend zu öffnen, dass man zu diesem Zweck jemanden treffen mag. Viele finden alleine schon die Suche des Partners nach einem anderen Partner als demütigend. Einige Paare schaffen es jedoch zusammen mit dem Partner aktiv jemanden zu finden und gehen dann gemeinsam hin.
Denn, es ist ja nicht wirklich fremdgehen, wenn der eigene Partner dabei zuschaut, oder? Oder zumindest im Nebenraum Kaffee trinkt.


 Variante Drei – Offenes und vertrautes Fremdgehen

 Nicht wenige Paare phantasieren davon, wie es wohl sein würde, wenn ein fremder Mann die eigene Frau in einer Bar anspricht und sie dann mit ihm geht. Erlaubt durch einen kurzen Blickkontakt und ohne dass der eigene Partner mit dabei ist. Oftmals gehen die Partner auch getrennt voneinander aus, um einen anderen Partner für die Nacht zu finden. Das wichtigste ist dabei, dass die emotionale Ebene zu 100% intakt ist. Es sind nämlich meistens die Frauen (siehe ganz oben), die Erfolg bei der Partnersuche haben. Da darf der Mann nicht neidisch sein und einfach gönnen können.
Zum Sexualleben gehört jedoch auch, dass beide Partner offen über ihre anderen Partner reden. Vielleicht sogar Bilder herzeigen. Es findet alles wirklich und ehrlich offen statt. Ein Konzept, welches nur zwei starke Partner wirklich leben können.


Variante Vier – Der/Die Geliebte

Einen Schritt weiter und vielleicht auch in Richtung Polyamorie gehend, ist die Erlaubnis eine Dauergeliebte / einen Dauergeliebten zu haben. Einen anderen Menschen, mit welchem man sich regelmäßig zum Sex trifft, mit welchem man aber auch emotional verbunden sein kann. Ein Konzept vieler Menschen übrigens, die jedoch „still“ dulden, dass der Mann andere Frauen hat (oder vice versa), weil es in der Beziehung eher um den Status der Beziehung geht, als um Emotionen. Nicht wenige Menschen leiden dann auch darunter oder gehen den Schritt es ihm/ihr „still“ gleich zu tun.
Wird es offen praktiziert, dann ist es meiner Meinung nach oft so, dass der eine Partner auch deswegen einwilligt, weil zum Beispiel die Frau dem Mann eine junge Gespielin gönnt, die er neu ausbilden kann. Oder weil die Manneskraft des älteren Herren gegenüber einem jungen Stecher nachsteht. Im BDSM ist es nicht unüblich, dass ein D/s-Paar im fortgeschrittenen Alter sich gerade deswegen junge Frauen und Männer oder Paare suchen. In jedem Fall ist es auch nichts für schwache Nerven.


 Fazit: Offene Beziehungen lassen andere Partner als Sexualpartner des anderen zu, wobei man sich getrennt vom eigenen Partner zum Sex mit anderen trifft. Das steht im Gegensatz zu Swingerclubs oder SM-Clubs, wo vielleicht auch Sexualität und BDSM mit anderen Menschen praktiziert wird, aber eben gemeinsam und nicht getrennt.

2 thoughts on “Offene Beziehungen

  1. Tolle Zusammenstellung! Wo würdest du denn den „Hausfreund“ bzw. Hausfreundin einsortieren? Auch unter Vier?

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